Za­ha-Ha­did-Haus sucht Be­woh­ner

Der Pres­ti­ge­bau steht leer. Der neue Be­sit­zer will das mit Stu­den­ten­woh­nun­gen än­dern

Kurier - - ERSTE SEITE - VON STE­FA­NIE RACHBAUER

Do­nau­ka­nal. Der Pres­ti­ge­bau der Star-Ar­chi­tek­tin steht leer. Der neue Be­sit­zer will das mit Stu­den­ten­woh­nun­gen än­dern und re­no­viert das Ge­bäu­de am Do­nau­ka­nal.

Ver­las­sen und il­le­ga­ler­wei­se ver­ziert: Die­ses Bild soll sich 2020 än­dern

Das Ar­chi­tek­tur­bü­ro im Stadt­bahn­bo­gen 316 hat vor­ge­sorgt. Zwei Zet­tel kle­ben an der Ein­gangs­tü­re aus Glas, die et­was ver­steckt un­ter­halb des Za­ha-Ha­did-Baus am Do­nau­ka­nal liegt. Dar­auf zu se­hen: Ei­ne rie­si­ge Über­wa­chungs­ka­me­ra, dar­un­ter ein da­von­lau­fen­der Mann. Und ein durch­ge­stri­che­ner Geld­sack.

Zwie­lich­ti­ge Ge­stal­ten dürf­ten hier al­so re­gel­mä­ßig ihr Glück ver­su­chen. Das ver­wun­dert nicht: Nur ver­ein­zelt kom­men Jog­ger oder ein Rad­fah­rer vor­bei – an­sons­ten ist der Be­reich ver­waist. Nur ei­ner von neun Stadt­bahn­bö­gen in die­sem Ab­schnitt ist ver­mie­tet. Das Za­haHa­did-Haus, das über die his­to­ri­sche Tras­se ge­baut wur­de, steht kom­plett leer. Noch.

Denn schon im Früh­jahr 2020 sol­len neue Mie­ter in den Pres­ti­ge­bau ein­zie­hen. Für das Grät­zel ist es die Chan­ce, das zu wer­den, als was es er­dacht war: ein le­ben­di­ger, ur­ba­ner Stadt­teil am Was­ser.

Die Vor­zei­chen sind be­reits er­kenn­bar: In al­len drei Stie­gen des Za­ha-Ha­did-Hau­ses wird ge­baut. Die Bö­den sind mit Ma­lerv­lies ab­ge­klebt, Ar­bei­ter schlei­fen die Wän­de ab. „Wo ist der Elek­tri­ker?“, ruft ei­ner durch das Stie­gen­haus.

Nach Jah­ren des Leer­stands tut sich in dem fu­tu­ris­ti­schen Bau in der Nä­he der Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge Spit­telau al­so wie­der et­was. Der Grund: Das Ge­bäu­de hat ei­nen neu­en Ei­gen­tü­mer. Im heu­ri­gen Früh­ling hat die „ZA-HA 10 Im­mo­bi­li­en Gm­bH“den Kom­plex um 7,6 Mil­lio­nen Eu­ro er­wor­ben – von der Stadt­er­neue­rungs­und Ei­gen­tums­woh­nungs­ge­sell­schaft (SEG).

„ZA-HA 10“will dem Za­ha-Ha­did-Haus neu­es Le­ben ein­hau­chen: mit dem Pro­jekt „Ur­ban Is­land“, kurz „Ur­bi“– laut Web­site ei­nem „Hots­pot für Co-Li­ving“.

Ers­te An­fra­gen ein­ge­langt

Kon­kret heißt das: Künf­tig wer­den Stu­den­ten und Tou­ris­ten hier woh­nen, sagt Pro­jekt­ma­na­ger Oliver Wer­bach. Er sitzt in ei­nem der ver­wais­ten Stadt­bahn­bö­gen auf ei­ner wei­ßen Le­der­bank. Rund 700 Qua­drat­me­ter Bü­ro- und Ge­wer­bef lä­chen sind in der al­ten Stadt­bahn­tras­se und in zwei So­ckeln des Hau­ses ver­füg­bar. Auch sie sol­len wie­der Mie­ter be­kom­men. „In­no­va­ti­ve Fir­men, die zur Be­le­bung bei­tra­gen“, sagt Wer­bach. Zum Bei­spiel so­zia­le Ein­rich­tun­gen. Oder Lo­ka­le, die Ge­rich­te zum Mit­neh­men an­bie­ten. „Es gibt schon An­fra­gen von Mie­tern“.

Der­zeit be­schränkt sich die Ku­li­na­rik im Za­ha-Ha­did-Haus noch auf Wurst­sem­meln, die die Ar­bei­ter im Erd­ge­schoß es­sen. An der Wand leh­nen die Mus­ter für die Bö­den der Woh­nun­gen: Ei­chen­par­kett soll es wer­den. Er ist ei­ner der Zu­ta­ten, mit de­nen stu­den­ti­sches Woh­nen hier end­lich funk­tio­nie­ren soll.

Die Idee an sich ist nicht neu: Ne­ben Ei­gen­tums­woh­nun­gen und Miet-Ap­par­te­ments wur­den von Be­ginn an auch WG-Zim­mer an­ge­bo­ten. Zwi­schen­zeit­lich fun­gier­te das Ge­bäu­de als „Bo­ar­ding-Hou­se“für aus­län­di­sche Stu­den­ten. Zu­nächst er­folg­reich, im Zu­ge der Ab­wick­lung der SEG-Plei­te im Jahr 2007 dann im­mer we­ni­ger – bis das Haus schließ­lich gänz­lich leer stand. Mit ein Grund: „In­nen hat das Ge­bäu­de ar­chi­tek­to­nisch nicht das ge­hal­ten, was es au­ßen ver­spricht.“

Ein Pro­blem: Die vie­len Schrä­gen. Sie ma­chen das Ein­rich­ten schwie­rig. Des­halb wird „ZA-HA 10“die Woh­nun­gen kom­plett vom In­nen­de­si­gner mö­bliert ver­mie­ten. Da­zu gibt es Glas­fa­ser-In­ter­net und ei­ne Kli­ma­an­la­ge, die das Haus mit dem Was­ser aus dem Do­nau­ka­nal küh­len wird. Plus: neue Grund­ris­se. „Es gab Woh­nun­gen mit bis zu 150 Qua­drat­me­tern. Das ist ein­fach zu groß für den Markt“, sagt Wer­bach.

Punsch oder Spray­do­sen

Ei­ne neue Ver­wen­dung sol­len auch die Frei­flä­chen be­kom­men. Auf dem Platz zwi­schen Stie­ge 1 und 2 ist ein Wo­chen­markt ge­plant. An den zwei Ki­o­s­ken an der Kan­te des Fuß- und Rad­wegs könn­te Punsch oder Li­mo­na­den aus­ge­schenkt wer­den. „Es könn­te aber auch ein Spray­do­sen-Dea­ler ein­zie­hen“, sagt Wer­bach. Zwar wer­den die il­le­ga­len Graf­fi­ti an den Ki­o­s­ken und an der Fas­sa­de des Hau­ses im Früh­ling ent­fernt. Wand­ma­le­rei­en in „kunst­vol­ler Wei­se“sei­en aber will­kom­men. Wer­bachs An­spruch ist je­den­falls, ei­nen Im­puls für das ge­sam­te Grät­zel zu set­zen. „Es soll hier kein ein­sa­mer Spot mehr sein.“

Da­zu bei­tra­gen soll ei­ne bes­se­re Be­leuch­tung: „In der Nacht funk­tio­niert hier kei­ne Lam­pe“, sagt Wer­bach. Des­halb las­se man ein Licht­kon­zept er­ar­bei­ten. Das Ziel: dunk­le Ecken – wie rund um das Ar­chi­tek­tur­bü­ro – be­sei­ti­gen, da­mit das Si­cher­heits­ge­fühl­steigt.Und­um­die Ar­chi­tek­tur her­vor­zu­he­ben. Kurz­um: Das Za­ha-Ha­did-Haus ins rich­ti­ge Licht zu rü­cken.

Schrä­ge Wän­de: Un­ge­wöhn­li­che Raum­for­men er­schwe­ren das Ein­rich­ten

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