SPÖ-Kün­di­gun­gen.

Die Ent­täu­schung ist groß, das Welt­bild noch in­takt

Kurier - - POLITIK - VON BAR­BA­RA MA­DER

„Der Satz mit dem Sack vol­ler St­ei­ne war wie ein Schlag ins Ge­sicht.“O., lang­jäh­ri­ger Mit­ar­bei­ter der SPÖ, er­in­nert sich an die Be­triebs­ver­samm­lung der Par­tei am ver­gan­ge­nen Di­ens­tag.

Den „Sack vol­ler St­ei­ne“, den ha­be man ihr zu Amts­an­tritt mit­ge­ge­ben, sag­te da die Bun­des­par­tei­vor­sit­zen­de vor den SPÖ-Mit­ar­bei­tern. Ge­meint wa­ren die Par­tei­schul­den. Ei­ne Me­ta­pher, die den Be­schäf­tig­ten sau­er auf­stößt – im­mer­hin war die SPÖ-Ge­schäfts­füh­rung im Be­griff, mehr ein Vier­tel der Be­leg­schaft beim AMS an­zu­mel­den.

Die be­fürch­te­ten Kün­di­gun­gen er­reich­ten die Mit­ar­bei­ter Don­ners­tag­nach­mit­tag – und zwar per Mail. Dar­un­ter auch Micha­el Wu­er­ges, Lei­ter der Di­gi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on. Er schreibt auf Face­book: „Das ist ei­ner So­zi­al­de­mo­kra­tie nicht wür­dig.“Dar­un­ter pos­tet ein eben­falls ge­kün­dig­ter Kol­le­ge: „Man hät­te sich zu­min­dest die Mü­he ma­chen kön­nen, beim Co­py/Pas­ten der Kün­di­gungs­mails un­se­re Vor­na­men so rein­zu­ko­pie­ren, dass sie die glei­che Far­be ha­ben wie der Rest der Nach­richt...“.

Ra­phae­la P. be­rich­tet eben­dort: „Auch mein Mann wur­de heu­te per Mail ge­kün­digt. Er ar­bei­tet seit 13 Jah­ren bei der SPÖ-Bun­des­ge­schäfts­stel­le und ist je­den Wahl­kampf seit­her für die­se Par­tei ge­rannt. De­tail am Ran­de: Un­ser zwei­tes Kind kommt am 30.3. auf die Welt. Am 31.3. en­det die Kün­di­gungs­frist. Falls das Kind sich ent­schei­det, erst im April raus­zu­kom­men, gibt's üb­ri­gens auch kein Ka­renz­geld für den Pa­pa. Ein un­wür­di­ges Schau­spiel!“

Der Zorn ist groß, weil wir uns aus­ge­nützt füh­len. Dass es um die Fi­nan­zen der Par­tei schlecht be­stellt ist, hat man im Früh­jahr auch schon wis­sen müs­sen. Aber man woll­te uns of­fen­bar noch zwei Wahl­kämp­fe rein­drü­cken. Die Leu­te ha­ben Ur­lau­be ver­scho­ben, viel per­sön­lich in­ves­tiert. Wir ha­ben brav wahl­ge­kämpft und jetzt hau­en sie uns raus.“Die, die ge­hen müs­sen, wür­den es schwer ha­ben, mut­maßt O.. Schließ­lich sei man par­tei­po­li­tisch pun­ziert. Die, die blei­ben, fra­gen sich: „Will man für sol­che Leu­te ar­bei­ten? Die Was­ser pre­di­gen und Wein trin­ken?“

Den Be­teue­run­gen von Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Chris­ti­an Deutsch, er wer­de sich um die Leu­te küm­mern, wird we­nig Glau­be ge­schenkt: „Deutsch sagt, wir sol­len ihm un­se­ren Le­bens­lauf schi­cken“, er­zählt ei­ne Mit­ar­bei­te­rin. „Ich ha­be al­ler­dings schon in der Ver­gan­gen­heit ver­geb­lich ver­sucht, ei­nen Ter­min bei ihm zu be­kom­men. Ich glau­be nicht, dass er Zeit fin­den wird, sich um 27 Leu­te zu küm­mern.“

Hö­hen und Tie­fen hat das SPÖHaus öf­ter er­lebt. Auch un­ter Wer­ner Fay­mann wur­de kräf­tig um­ge­baut, ar­ri­vier­te Mit­ar­bei­ter muss­ten im Sin­ne des „Bü­ro­kra­tie­ab­baus“ge­hen. Doch die Di­men­sio­nen wa­ren an­de­re. Mit­ar­bei­ter O.: „So bru­tal war es nie.“

So­li­da­ri­täts­be­kun­dun­gen an der Tür der SPÖZen­tra­le wäh­rend der Be­triebs­ver­samm­lung

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