Deut­sches Mär­chen in La­ke Loui­se

Her­ren-Ab­fahrt. Tho­mas Dre­ßen siegt 365 Ta­ge nach Sturz, Kreuz­band­riss und Schul­ter­lu­xa­ti­on Pre­mie­re für Mar­ta Bas­si­no, Wat­schen für die ÖSV-Da­men

Kurier - - SPORT -

Eins, zwei, drei: Mit Start­num­mer 13 hol­te Tho­mas Dre­ßen 365 Ta­ge nach sei­nem Kreuz­band­riss sei­nen drit­ten Kar­rie­re­sieg

Am Wol­len lag es nicht, doch die gro­ßen ös­ter­rei­chi­schen Hoff­nun­gen nach dem ers­ten Trai­ning von La­ke Loui­se wur­den in der ers­ten Welt­cup-Ab­fahrt dann eben doch nicht be­stä­tigt. Nach vier Po­dest­plät­zen en sui­te blieb das ÖSV-Team erst­mals seit dem 2018er-Ren­nen in Bor­mio wie­der dem Sto­ckerl fern.

Bei Tem­pe­ra­tu­ren um mi­nus 19 Grad (im­mer­hin ein paar mehr Rich­tung null als an den Trai­nings­ta­gen) prä­sen­tier­te sich La­ke Loui­se aber­mals wie aus dem Bil­der­buch, wind­still da­zu, das half den Ab­fah­rern trotz­dem nur be­dingt – bei Ge­schwin­dig­kei­ten jen­seits der 100 km/h nä­hert sich die ge­fühl­te Tem­pe­ra­tur mi­nus 40 Grad.

Eis­kalt prä­sen­tier­te sich auch Beat Feuz: Der Schwei­zer, der sich im Trai­ning nicht in die Kar­ten bli­cken ließ (Rän­ge 48 und 23), ras­te mit Start­num­mer 5 zur Best­zeit – und wur­de post­wen­dend von Car­lo Jan­ka ein­ge­holt. Sein Lands­mann, der jah­re­lang mit Herz- und Rü­cken­pro­ble­men zu kämp­fen hat­te, scheint wie­der an al­te Hoch­zei­ten an­knüp­fen zu kön­nen: Er war ja schon 2009 Welt­meis­ter im Rie­sen­sla­lom und WM-Drit­ter in der Ab­fahrt, 2010 Olym­pia­sie­ger im Rie­sen­sla­lom und Ge­samt­welt­cup­sie­ger. Nun lag er ex ae­quo mit Feuz vor­an.

Der Süd­ti­ro­ler Do­mi­nik Pa­ris, Sie­ger der letz­ten drei Ab­fahr­ten und Ge­win­ner der klei­nen Kris­tall­ku­gel, mach­te mit Start­num­mer 7 dort wei­ter, wo er im März in Sol­deu auf­ge­hört hat­te – und schob

Wei­ters: Welt­cup, ge­s­amt die Eid­ge­nos­sen auf Platz zwei. Doch da­mit war der Sie­ger noch im­mer nicht fix.

Denn Tho­mas Dre­ßen aus Mit­ten­wald, 2018 Sie­ger in Kitz­bü­hel und Kvitfjell, schrieb 365 Ta­ge nach sei­nem schwe­ren Sturz in Bea­ver Creek (Kreuz­band­riss, Schul­ter­lu­xa­ti­on) mit Num­mer 13 sein per­sön­li­ches Mär­chen. Zwei Hun­derts­tel­se­kun­den nahm er Pa­ris ab, setz­te sich an die ers­te Stel­le – und be­hielt sie.

Der Bes­te in Rot-Wei­ßRot: Mat­thi­as May­er ras­te auf den fünf­ten Rang

„Dass es so läuft, hät­te ich nicht ge­dacht, die letz­ten Ta­ge war ich ja auch noch ver­kühlt. Wahn­sinn. Dan­ke an al­le, die mir ge­hol­fen ha­ben.“

Rät­sel­ra­ten

Bes­ter Ös­ter­rei­cher war Olym­pia­sie­ger Mat­thi­as May­er als Fünf­ter. „Zwei Mal hat’s mich aus der Ho­cke raus­ge­ris­sen“, re­sü­mier­te der Kärnt­ner, „scha­de.“Vin­cent Kriech­mayr war mit dem sie­ben­ten Rang auch nicht be­son­ders zu­frie­den: „Ich bin ein bissl rat­los, es ist heu­te al­les ir­gend­wie ein bissl zu leicht ge­gan­gen.“

Vor­jah­res­sie­ger Max Franz hat­te Glück, dass er nicht von der Stre­cke flog (Platz 28). „Ich hab’ mir ge­dacht, es wür­de schon ge­hen, bin dann aber noch in in den wei­chen Schnee rein­ge­kom­men – das ist halt ein Feh­ler, den du nicht ma­chen darfst.“

Am Sonn­tag gibt’s die Chan­ce zur Re­van­che: im Su­per-G von La­ke Loui­se (20.15 Uhr/li­ve auf ORF 1). Wie sag­te doch Han­nes Rei­chelt? „Ich hab’ hier schon öf­ter die Ab­fahrt ver­haut und war dann im Su­per-G gut.“

Es bleibt da­bei: Der Rie­sen­sla­lom von Kil­ling­ton ist ei­ne der we­ni­gen Bau­stel­len in der Vi­ta von Mi­kae­la Shif­frin. Auch im vier­ten An­lauf blieb die Ame­ri­ka­ne­rin sieg­los, den ers­ten Teil des Tech­nik-Dop­pels in Ver­mont hol­te sich Mar­ta Bas­si­no (23) aus dem Pie­mont vor ih­rer Lands­frau Fe­de­ri­ca Bri­gno­ne und Shif­frin: „Ein Traum.“

Star­ker Wind sorg­te da­für, dass vom Re­ser­vestart ge­fah­ren wur­de, wo­mit sechs To­re we­ni­ger zu um­kur­ven wa­ren. Den Ös­ter­rei­che­rin­nen half das nichts, sie hat­ten wie schon in den letz­ten vier Ren­nen nichts mit der Ent­schei­dung zu tun.

Am 28. De­zem­ber 2018 (Sem­me­ring) war Ste­pha­nie Brun­ner als Vier­te dem Po­di­um vier Hun­derts­tel­se­kun­den nah, da­nach wa­ren die Plät­ze 12, 6, 7 und 7 das Höchs­te der Ge­füh­le. Ges­tern kam es noch di­cker: Nur Eva-Ma­ria Brem, Kat­ha­ri­na Trup­pe und Kat­ha­ri­na Hu­ber fuh­ren ins Fi­na­le.

Am ehes­ten durf­te noch die Ti­ro­le­rin Brem (16.) zu­frie­den sein, den­noch blieb un­term Strich das schwächs­te Er­geb­nis seit Aspen 2017,

Eva-Ma­ria Brem (AUT) Kat­ha­ri­na Trup­pe (AUT) Kat­ha­ri­na Hu­ber (AUT)

Out:

Welt­cup, ge­s­amt Rie­sen­sla­lom als Michae­la Kirch­gas­ser als Bes­te in Rot-Weiß-Rot 20. wur­de. Die Most­viert­le­rin Hu­ber, die mit Start­num­mer 60 zur 21. (Halb-)Zeit fuhr und 20. wur­de, konn­te ih­ren erst drit­ten Welt­cup­Rie­sen­sla­lom po­si­tiv ver­bu­chen. Die Kärnt­ne­rin Trup­pe reih­te sich als 18. ein.

Und sonst? Ri­car­da Haa­ser schied früh aus, Kat­ha­ri­na Li­ens­ber­ger, Fran­zis­ka Gritsch und Chi­a­ra Mair ver­pass­ten eben­so die Qua­li­fi­ka­ti­on für das Fi­na­le wie An­na Veith in ih­rem Come­back­ren­nen nach Kreuz­band­riss. Die 30-Jäh­ri­ge will nun beim Su­per-G in St. Mo­ritz (14. De­zem­ber) wie­der star­ten.

Ro­bin­sons Fei­er-Tag

Am Sonn­tag geht es in Kil­ling­ton mit ei­nem Sla­lom wei­ter (15.45/19 Uhr, über­trägt die Ent­schei­dung li­ve), und zu­min­dest dann wird Ali­ce Ro­bin­son ei­nen Grund zum Fei­ern ha­ben: ih­ren 18. Ge­burts­tag. Denn am Sams­tag schied der neu­see­län­di­sche Shoo­ting Star im ers­ten Durch­gang aus. Und Mi­kae­la Shif­frin star­tet mit dem gu­ten Ge­fühl, dass sie in Kil­ling­ton im Sla­lom noch un­ge­schla­gen ist.

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