Über al­lem schwebt das Mat­ter­horn

Ski­fah­ren in dient im Prin­zip nur ei­nem Zweck: Der Hul­di­gung des welt­be­rühm­ten Mat­ter­horns. Das Ski­ge­biet ist ge­nau­so gran­di­os wie der Berg der Ber­ge – und Pis­ten­spaß ist hier na­he­zu rund um die Uhr mög­lich

Kurier - - GENUSS REISE - VON CLAU­DIA JÖRG-BRO­SCHE

inus acht­zehn Grad im Ort, 6.50 Uhr Früh. Warm ver­packt, die Skier ge­schul­tert, stap­fen wir – ein klei­nes Grüpp­chen Ski­be­geis­ter­ter aus Ös­ter­reich – durch Zer­matt Rich­tung Fu­riSeil­bahn. Es ist noch dun­kel, aber wir sind nicht die ein­zi­gen Freaks auf den Bei­nen. Da kommt ei­ner so­gar am Fahr­rad an­ge­stram­pelt, tritt mit Ski­schu­hen in die Pe­da­le.

Zwan­zig Per­so­nen, nicht mehr dür­fen in die „First Track“-Gon­del um

Punkt 7.30 Uhr nach Fu­ri (1.867 m) ein­stei­gen. Sie ver­kehrt je­den Mitt­woch und Frei­tag ein ein­zi­ges Mal, da­mit die klei­ne Früh­auf­ste­her-Schar die un­be­rühr­ten Pis­ten für sich al­lein hat. Im Däm­mer­licht geht es mit der zwei­ten Seil­bahn-Sek­ti­on wei­ter zum „Tro­cke­nen

Steg“(2.939 m). Ge­nau in dem Mo­ment, als wir das Sta­ti­ons­ge­bäu­de ver­las­sen, er­strahlt die Spit­ze des Mat­ter­horns ge­gen­über gol­den im Licht der auf­ge­hen­den Son­ne.

Der „First-Track“-Gui­de hat das Na­tur-Spek­ta­kel wohl schon oft ge­se­hen – und carvt so­gleich in ra­san­ten Schwün­gen auf der men­schen­lee­ren, frisch prä­pa­rier­ten Pis­te los. Wir hin­ten nach. Die ers­te Spur ins ge­ripp­te Weiß zu zie­hen, macht Spaß. Nach zwei wei­te­ren, flot­ten Ab­fahr­ten, schwe­ben wir per 3S-Gon­del­bahn noch ei­ne Eta­ge hö­her: auf das Klei­ne Mat­ter­horn auf 3.883 m See­hö­he.

Die höchst­ge­le­ge­ne Berg­sta­ti­on Eu­ro­pas klebt an der Nord­flan­ke des stei­len Fels, durch ei­nen Tun­nel

FRANK­REICH mar­schie­ren wir Rich­tung Aus­gang ge­gen­über. Schwin­del, Kurz­at­mig­keit – die meis­ten von uns schnau­fen er­bärm­lich. Die fast 4.000 Me­ter See­hö­he ma­chen im Tun­nel of­fen­bar noch mehr zu schaf­fen. Gut, dass nun ein stär­ken­des Früh­stück im Berg­re­stau­rant an­steht. Hung­rig wie Wöl­fe ma­chen wir uns über Schwei­zer Kä­se, Bünd­ner­fleisch und „Gip­fer­li“her. Un­men­gen Es­pres­so kur­beln den Kreis­lauf an. Ge­stärkt er­klim­men wir die Trep­pen zur 360-Grad-Aus­sichts­platt­form Mat­ter­horn Gla­cier Pa­ra­di­se: Nicht we­ni­ger als acht­und­drei­ßig Vier­tau­sen­der und vier­zehn Glet­scher der Fran­zö­si­schen, Ita­lie­ni­schen und Schwei­zer Al­pen im­po­nie­ren um uns her­um, di­rekt ge­gen­über grüßen stolz das Mat­ter­horn (4.478 m), in der Fer­ne der Mont Blanc (4.810 m – höchs­ter Berg Eu­ro­pas), auf der an­de­ren Sei­te Pol­lux, Cas­tor, Lis­kamm und Mon­te Ro­sa mit der Du­four­spit­ze (4.634 m). Wir kön­nen die Ju­bel­mel­dung des Bri­ten Sir Ed­ward Whym­per, Erst­be­stei­ger des Mat­ter­horns im Jahr 1865, bes­tens nach­voll­zie­hen: Er brach­te – so ver­rät sein Tou­ren­buch – am Gip­fel „ehr­er­bie­tig der Aus­sicht ei­ne Hul­di­gung dar.“

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LIE. ÖSTERR.

Ho­ru oder die Py­ra­mi­de Got­tes

Das Mat­ter­horn ist der gro­ße Star Zer­matts. Sei­ne cha­rak­te­ris­ti­sche Form brach­te ihm den Bei­na­men „Py­ra­mi­de Got­tes“ein, die ein­hei­mi­schen Wa­li­ser sa­gen schlicht „Ho­ru“. Der „Berg der Ber­ge“wi­der­spie­gelt sich nicht nur im To­ble­ro­ne-Scho­ko­rie­gel, welt­weit wer­den über hun­dert­sech­zig Fels­za­cken „das Mat­ter­horn von so­und­so“ge­nannt. Es ist wohl die Tra­gö­die, die sich bei der Erst­be­stei­gung er­eig­ne­te, die den My­thos be­grün­de­te: Beim Ab­stieg ver­un­glück­ten nach ei­nem Seil­riss vier der sie­ben Berg­stei­ger. Das ist der Stoff, aus dem Le­gen­den sind.

Zwei­fels­oh­ne ist es auch das Mat­ter­horn, das im au­to­frei­en Win­ter­sport­ort (die An­rei­se ist nur per Bahn mög­lich; die „Au­to-Frei­heit“wird aber von zahl­rei­chen E-Mo­bi­len ad ab­sur­dum ge­führt) ne­ben dem bun­ten Berg-Völk­chen scha­ren­wei­se auch asia­ti­sche (Ta­ges-)Tou­ris­ten an­lockt. Seit ei­ni­gen Jah­ren gibt es so­gar ei­ne chi­ne­si­sche Ski­schu­le. Dem ge­lern­ten Ös­ter­rei­cher bleibt die enor­me An­zie­hungs­kraft des eher un­char­man­ten Schi­cki­mi­cki-Or­tes al­ler­dings ein Rät­sel. Wahr­lich be­geis­ternd hin­ge­gen ist das gi­gan­ti­sche Ski­ge­biet mit 360 Pis­ten­ki­lo­me

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