Druck auf Prinz An­d­rew wächst: Kri­sen­ma­na­ger Charles als Re­gent?

Das TV-In­ter­view ei­nes mut­maß­li­chen Op­fers sorgt für Auf­se­hen. Um­brü­che kün­di­gen sich an.

Kurier - - INTERNATIO­NAL - VON KON­RAD KRAMAR

„Er weiß, was pas­siert ist, ich weiß, was pas­siert ist – und nur ei­ner von uns er­zählt die Wahr­heit, und ich weiß: Das bin ich“. Hin­ter die­sem Satz ver­birgt sich neu­er Zünd­stoff für den größ­ten Skan­dal des bri­ti­schen Kö­nigs­hau­ses seit Jah­ren. Die Frau, die sich vor den Ka­me­ras der BBC am Mon­tag­abend äu­ßer­te, heißt Vir­gi­nia Guiff­re. Sie war ei­nes je­ner Mäd­chen, die vor Jah­ren von US-Mil­lio­när Jef­frey Epstein zum Sex mit Prinz An­d­rew ge­zwun­gen wor­den sein sol­len.

„Ha­be mich ge­ekelt“

Drei­mal sei das ge­sche­hen, sag­te Guiff­re ges­tern, zwei­mal sei sie da­bei min­der­jäh­rig ge­we­sen. Die Ame­ri­ka­ne­rin er­in­ner­te sich an ei­nen Abend in ei­nem Lon­do­ner Nacht­klub. An­d­rew ha­be ihr Wod­ka ge­ge­ben und dann mit ihr tan­zen wol­len. Der Prinz („Er war der ab­scheu­lichs­te Tän­zer, den ich je­mals ge­se­hen ha­be“) ha­be stark ge­schwitzt, „es reg­ne­te prak­tisch über­all hin“. Sie ha­be sich ge­ekelt, „aber ich wuss­te, ich muss­te ihn glück­lich ma­chen.“Das hät­te Epstein von ihr er­war­tet. Sie for­der­te die bri­ti­sche Öf­fent­lich­keit auf, sie zu un­ter­stüt­zen. Sie sei ein Op­fer von Men­schen­han­del ge­wor­den, so die ver­zwei­fel­te Gi­uff­re.

Die Af­fä­re um den Prin­zen könn­te das Kö­nigs­haus nach­hal­tig um­krem­peln. Die per­sön­li­che Stand­pau­ke des gro­ßen Bru­ders ist An­d­rew bis­her er­spart ge­blie­ben. Thron­fol­ger Charles hat in der Af­fä­re aber das Kri­sen­ma­nage­ment über­nom­men. Ei­ne Auf­ga­be, die laut Me­di­en Ge­ne­ral­pro­be für ei­ne neue Rol­le sein könn­te. An­d­rew hat­te in ei­nem In­ter­view mit der BBC die Flucht nach vor­ne an­ge­tre­ten. Doch sei­ne Be­teue­run­gen, er ha­be von Zwangs­pro­sti­tu­ti­on und Miss­brauch bei Epstein nichts ge­wusst, er­wie­sen sich nicht nur als un­glaub­wür­dig, son­dern zeig­ten An­d­rew auch als Play­boy, den das Leid der miss­brauch­ten Mä­chen nicht zu küm­mern schien. Die kö­nig­li­che Fa­mi­lie zog aus dem Skan­dal er­staun­lich rasch Kon­se­quen­zen. An­d­rew, der die wich­tigs­ten För­de­rer für sei­ne so­zia­len Pro­jek­te ver­lo­ren hat, leg­te al­le öf­fent­li­che Auf­ga­ben nie­der und ver­sprach, die er­mit­teln­den Be­hör­den zu un­ter­stüt­zen.

Be­wei­se über­prüft

Charles war zwar auf Be­suchs­tour durch Neu­see­land, soll sich aber so­fort nach der Heim­kehr te­le­fo­nisch in die fa­mi­liä­ren Be­ra­tun­gen ein­ge­schal­ten ha­ben. Er reis­te zu sei­nem Va­ter Phi­lip, der, in­zwi­schen 98-jäh­rig, zu­rück­ge­zo­gen auf sei­nem Land­sitz re­si­diert. Dort soll man das wei­te­re Vor­ge­hen be­spro­chen ha­ben. Charles soll die gan­ze Af­fä­re und de­ren Hin­ter­grün­de re­cher­chiert und sämt­li­che Be­wei­se ge­gen sei­nen Bru­der über­prüft ha­ben.

Der Fall, so mein­te ein Pa­last-In­si­der ge­gen­über der Bou­le­vard­zei­tung Sun, „hat Charles die Mög­lich­keit ge­ge­ben, zu zei­gen, dass er die Fir­ma füh­ren kann“– als Prinz­re­gent und De-fac­to-Kö­nig.

Die Queen hat im­mer wie­der be­tont, dass sie ein Le­ben lang die­nen wol­le. Seit sich Ehe­mann Phi­lip vor zwei Jah­ren aus der Öf­fent­lich­keit zu­rück­ge­zo­gen hat, sagt man auch ihr ähn­li­che Ab­sich­ten nach. Ein ge­eig­ne­ter Zeit­punkt da­für sei ihr 95. Ge­burts­tag im April 2021. Dass Charles dann als Prinz­re­gent über­neh­men wür­de, Eliz­a­beth aber for­mal Kö­ni­gin blie­be, hät­te ei­nen Vor­teil: Charles könn­te so selbst Sohn Wil­li­am zum Thron­fol­ger be­stim­men, und der wür­de nach Ab­le­ben der Oma oh­ne Um­we­ge Kö­nig.

Die kö­nig­li­che Fa­mi­lie or­dent­lich auf­ge­reiht bei ei­nem Fest­got­tes­dienst in der West­mins­ter Ab­bey

Vir­gi­nia Gi­uff­re, die da­mals Ro­berts hieß, mit Prinz An­d­rew

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