Staats­hol­ding will jetzt stär­ker mit­mi­schen

Hel­mut Kern ex­klu­siv im KU­RI­ER: „Ca­si­nos brau­chen Ei­gen­tü­mer, die sich ei­nig sind“

Kurier - - WIRTSCHAFT -

Die Si­tua­ti­on bei den Ca­si­nos, ei­nem der größ­ten Steu­er­zah­ler des Lan­des, ist völ­lig ver­fah­ren. Der tsche­chi­sche Groß­ak­tio­när Saz­ka (38 Pro­zent) will die Mehr­heit er­lan­gen, die beim Ein­stieg an­geb­lich vom da­ma­li­gen ÖVP-Fi­nanz­mi­nis­ter Hans Jörg Schel­ling ver­spro­chen wur­de. No­vo­ma­tic steckt aus wett­be­werbs­recht­li­chen Grün­den bei 17 Pro­zent fest. Zwi­schen den bei­den Ga­ming-Rie­sen hat die Staats­hol­ding ÖBAG mit ih­rer Drit­tel­be­tei­li­gung kein leich­tes Spiel.

Die ÖBAG hat kei­nen di­rek­ten Ver­tre­ter im Auf­sichts­rat der Ca­si­nos und ist da­her von den In­for­ma­tio­nen aus­ge­schlos­sen. Die Staats­hol­ding be­kommt nicht ein­mal den Prüf­be­richt über die Be­stel­lung von Sid­lo und die Auf­lö­sung der al­ten Vor­stands­ver­trä­ge. Zwar res­sor­tiert die ÖBAG zum Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um, aber selbst die als Staats­kom­mis­sä­re be­stell­ten Auf­sichts­rä­te ge­ben kei­ne In­for­ma­tio­nen wei­ter. Die Ab­be­ru­fung von Auf­sichts­rä­ten, et­wa der bei­den Raiff­ei­sen-Ver­tre­ter, woll­te die ÖBAG ver­mei­den.

„Wir wol­len un­se­re Aus­kunfts­rech­te als Ak­tio­nä­re wahr­neh­men“, er­klärt da­zu ÖBAG-Auf­sichts­rats­prä­si­dent Hel­mut Kern ge­gen­über dem KU­RI­ER. Kern be­ruft sich auf das Ak­ti­en­ge­setz. Ak­tio­nä­re müs­sen in der Haupt­ver­samm­lung auf Ver­lan­gen über An­ge­le­gen­hei­ten des Un­ter­neh­mens in­for­miert wer­den.

Kern will al­le Ak­tio­nä­re an ei­nen Tisch ho­len und „Frie­den zwi­schen die Ak­tio­nä­re brin­gen. Die Ca­si­nos ha­ben ex­trem viel Po­ten­zi­al und tol­le Mit­ar­bei­ter. Um die­ses Po­ten­zi­al zu he­ben, braucht es Ei­gen­tü­mer, die ei­nig sind“. Nach­satz: „Man ge­winnt, in­dem man bes­ser ist, und nicht, in­dem man ver­hin­dert.“

Die der­zei­ti­ge Patt­stel­lung ist be­dingt durch ein kom­pli­zier­tes Kon­strukt aus ge­gen­sei­ti­gen Auf­griffs­rech­ten und Syn­di­kats­ver­trä­gen. Ganz be­wusst kon­stru­iert vom lang­jäh­ri­gen Ex-Ca­si­nos-Chef Leo Wall­ner , um ei­ne Än­de­rung un­ter den (da­mals an­de­ren) Groß­ak­tio­nä­ren zu ver­hin­dern.

So­wohl Saz­ka als auch No­vo­ma­tic müs­sen bei ei­nem mög­li­chen Aus­stieg ih­re An­tei­le den an­de­ren Ak­tio­nä­ren an­bie­ten, teils zu Fix-, teils zu Markt­prei­sen. Kern sieht ei­ne kom­pli­zier­te Ei­gen­tü­mer­struk­tur ge­ne­rell als pro­ble­ma­tisch.

Saz­ka macht der­zeit der Staats­hol­ding Avan­cen, die die Tsche­chen 2018 frei­lich noch aus dem Auf­sichts­rat kip­pen woll­ten. No­vo­ma­tic schlug sich trotz ei­nes Stimm­rechts­ab­kom­mens auf die Sei­te der Re­pu­blik.

Wie der Über­nah­me­kampf en­det, hängt letzt­lich von der neu­en Re­gie­rung ab. Die Staats­hol­ding hat (im Ge­gen­satz zur „al­ten“ÖIAG) kei­nen Auf­trag, den An­teil der Re­pu­blik zu ver­kau­fen. Sie könn­te auch auf­sto­cken. Da­für bräuch­te es al­ler­dings, ge­nau­so wie für ei­ne wei­te­re Pri­va­ti­sie­rung, ei­nen Be­schluss der Re­gie­rung. Der­zeit ist nicht ab­zu­schät­zen, wie sich die Grü­nen ver­hal­ten wür­den.

ÖBAG-Auf­sichts­rats­chef Hel­mut Kern

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