Ein Ab­gang, aber kein Frie­de

➜ FPÖ-na­her Ma­na­ger Sid­lo muss ge­hen ➜ Etap­pen­sieg für tsche­chi­sche Saz­ka-Grup­pe ➜ Aber Patt­stel­lung zwi­schen den drei Haupt­ei­gen­tü­mern

Kurier - - ERSTE SEITE - ANDREA HODOSCHEK

Der seit 2015 an­dau­ern­de Über­nah­me­kampf um die teil­staat­li­che Ca­si­nos Aus­tria AG (Ca­sag) hat sich zu Wo­chen­be­ginn wei­ter zu­ge­spitzt. Die tsche­chi­sche Saz­ka Group ist auf ih­rem Weg, den Glücks­spiel­kon­zern zu be­herr­schen, mit der Ab­be­ru­fung des FPÖ-Ma­na­gers Pe­ter Sid­lo als Fi­nanz­vor­stand ei­nen gro­ßen Schritt wei­ter ge­kom­men. Sid­los Pos­ten dürf­te nicht mehr nach­be­setzt wer­den. Bis zu Sid­los Be­stel­lung im heu­ri­gen Früh­jahr war Ca­si­nos-Che­fin Bet­ti­na Glatz-Krems­ner (ÖVP) für die Fi­nan­zen zu­stän­dig.

Wie teu­er die Ca­si­nos der Ab­gang von Sid­lo kom­men wird, ist noch nicht ab­schätz­bar. Müss­ten al­le sei­ne An­sprü­che aus­be­zahlt wer­den, rech­net man in­tern mit min­des­tens 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro. Sid­lo hat ein Fi­xum von 350.000 Eu­ro plus ei­nem jähr­li­chen Bo­nus von ma­xi­mal 100 Pro­zent, sein Ver­trag läuft auf drei Jah­re.

Er selbst sag­te nach der tur­bu­len­ten Sit­zung ge­gen­über der APA, er wer­de sich zu­erst den Ab­be­ru­fungs­be­scheid im De­tail an­se­hen.

Die Tsche­chen al­ler­dings sind gu­ten Mu­tes, dass die Ab­lö­se nicht viel kos­ten wer­de. Sie ar­gu­men­tie­ren, Sid­lo ha­be es dem Auf­sichts­rats­prä­si­di­um ge­gen­über mit der Wahr­heit nicht ganz so genau ge­nom­men.

Nach ei­ner par­la­men­ta­ri­schen An­fra­ge der Ne­os über sei­ne Be­stel­lung for­der­te die Auf­sichts­rats­spit­ze Pe­ter Sid­lo zu ei­ner Stel­lung­nah­me auf. In ei­nem Brief, der dem KU­RI­ER vor­liegt, er­klär­te Sid­lo, po­li­ti­sche Ab­spra­chen sei­en ihm nicht be­kannt (sie­he Fak­si­mi­le).

Die zu­letzt öf­fent­lich ge­wor­de­nen Chats hät­ten je­doch be­wie­sen, dass Sid­lo dar­über Be­scheid wuss­te. Al­ler­dings kann ar­gu­men­tiert wer­den, Sid­lo ha­be sein Schrei­ben nur auf ei­nen bis heu­te nicht be­wie­se­nen Deal zwi­schen FPÖ und No­vo­ma­tic be­zo­gen. Er hat­te in sei­ner Be­wer­bung den da­ma­li­gen FPÖChef Heinz-Chris­ti­an Stra­che als Re­fe­renz an­ge­ge­ben.

Wie man hört, soll die auf Ar­beits­recht spe­zia­li­sier­te Kanz­lei Schi­ma von ei­nem Ge­richts­ver­fah­ren ab­ge­ra­ten und ei­ne ein­ver­nehm­li­che Lö­sung emp­foh­len ha­ben. Die Ca­si­nos hat­ten heu­er be­kannt­lich schon ei­ni­ge Mil­lio­nen Eu­ro für die Auf­lö­sung der Ver­trä­ge der „al­ten“Vor­stän­de Diet­mar Ho­scher (SPÖ) und Alex­an­der La­bak hin­ge­legt. Was die Be­triebs­rä­te be­son­ders in Ra­ge brach­te.

Che­fin ge­gen Sid­lo

Zu Be­ginn der Auf­sichts­rats­sit­zung hat­te Glatz-Krems­ner ar­gu­men­tiert, Sid­lo sei für das Un­ter­neh­men nicht mehr trag­bar und ei­ne Ent­schei­dung ge­for­dert. Die sechs Be­triebs­rä­te hat­ten sich an­ge­schlos­sen. Vor we­ni­gen Wo­chen noch hat­te die Che­fin von ei­ner pro­fes­sio­nel­len und gu­ten Zu­sam­men­ar­beit mit Sid­lo ge­spro­chen.

Die Ab­be­ru­fung ging mit gro­ßer Mehr­heit durch. Auf­sichts­rats­prä­si­dent Wal­ter Ro­then­stei­ner und sei­ne Vi­ze, LLI-Chef Jo­sef Pröll, so­wie No­vo­ma­tic-Chef Ha­rald Ne­u­mann, ent­hiel­ten sich. Der zwei­te No­vo­ma­tic-Ver­tre­ter stimm­te ge­gen die Ab­be­ru­fung. Der in­ter­ne Prüf­be­richt hat­te wie be­rich­tet die Be­stel­lung von Sid­lo und die Auf­lö­sung der al­ten Ver­trä­ge als kor­rekt be­ur­teilt. Aber das spiel­te jetzt kei­ne Rol­le mehr.

Auf Auf­for­de­rung des Auf­sichts­rats­prä­si­di­ums schrieb Pe­ter Sid­lo ei­ne Stel­lung­nah­me (Fak­si­mi­le)

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.