„Wie ei­ne Sol­da­ten­trup­pe“

Or­bán-In­si­de­rin über die Feh­ler der Re­gie­rung und nö­ti­ge Re­for­men

Kurier - - POLITIK - VON KA­RO­LI­NE KRAU­SE-SAND­NER JENS MAT­TERN

Bis zu den Kom­mu­nal­wah­len im Ok­to­ber fuhr Vik­tor Or­bán mit sei­ner Fi­desz Wahl­sieg um Wahl­sieg ein. Die Geg­ner zu schwach, um die im­mer mäch­ti­ge­re un­ga­ri­sche Re­gie­rungs­par­tei her­aus­zu­for­dern. Ih­rer fi­nan­zi­el­len Über­macht und ih­rer Kon­trol­le über die Me­di­en war nur we­nig ent­ge­gen­zu­set­zen. Bis zum Ok­to­ber, als sich die zer­split­ter­te Op­po­si­ti­on bei den Kom­mu­nal­wah­len zu­sam­men­schloss. Mit dem Rü­cken­wind ei­nes ibi­za­ähn­li­chen Vi­de­os, das ei­nen Fi­desz-Po­li­ti­ker schwer be­las­te­te, schaff­te es zu­min­dest in Bu­da­pest der Op­po­si­ti­ons­kan­di­dat, der grü­ne Ger­ge­ly Karác­so­ny, sich durch­zu­set­zen.

Gro­ße Lü­cke

Ge­fei­ert als gro­ßer Er­folg, glau­ben ei­ni­ge Be­ob­ach­ter aber an ei­ne Ein­tags­flie­ge. „Das war kein Sieg der Op­po­si­ti­on, son­dern ei­ne Nie­der­la­ge der Fi­desz“, glaubt Zi­ta Ton­do­lo-Pal­la­vici­ni. Für die Schrift­stel­le­rin und frü­he­re Re­gie­rungs­be­ra­te­rin ist klar: Nur, weil so vie­le po­ten­zi­el­le

Fi­desz-Wäh­ler we­gen des Skan­dal­vi­de­os dem Ur­nen­gang fern­ge­blie­ben sind, konn­te es der Op­po­si­tio­nel­le schaf­fen.

Dort, wo die­se Wäh­ler ste­hen, die Fi­desz’ Skan­da­le satt­ha­ben und mit den ak­tu­el­len Op­po­si­ti­ons­par­tei­en nichts an­fan­gen kön­nen, klaf­fe ei­ne gro­ße Lü­cke. Für sie ist klar: Es gibt den Be­darf ei­ner neu­en Be­we­gung in Un­garn. Und sie hat auch ei­ne sehr ge­naue Vor­stel­lung, wie die­se aus­se­hen soll. „Li­be­ral, kon­ser­va­tiv, pro­eu­ro­pä­isch.“

Es sei scha­de, dass ge­ra­de die­se Be­grif­fe mitt­ler­wei­le so ne­ga­tiv kon­no­tiert sei­en. Al­les Kon­ser­va­ti­ve gel­te als „rechts“, al­les Li­be­ra­le als „gren­zen­los“, man müs­se die­se Be­grif­fe zu­rück­ge­win­nen. Kon­ser­va­tiv zu sein und die christ­li­chen Wer­te zu ver­tre­ten, li­be­ral zu sein und da­mit of­fen und in­no­va­tiv, sei doch nichts Schlech­tes, sagt Ton­do­lo-Pal­la­vici­ni im KU­RI­ER-Ge­spräch.

Die 48-Jäh­ri­ge macht kein Hehl dar­aus, dass sie Vik­tor Or­báns Po­li­tik ein­mal et­was ab­ge­win­nen konn­te: „Er war ein­mal sehr cha­ris­ma­tisch – auch für mich. 1998 hät­te ich nicht ge­dacht, dass es so weit kommt, dass ich das ein­mal re­vi­die­ren wer­de.“

Jetzt re­vi­diert sie. „Un­garn braucht Re­for­men. Die­se Re­gie­rung braucht Re­for­men“, sagt die Frau, die seit Som­mer nicht mehr Be­ra­te­rin der Re­gie­rung ist.

Die Rechts­staat­lich­keit Un­garns lie­ge im Ar­gen. Das Jus­tiz­sys­tem sei eng ver­wo­ben mit der Po­li­tik – ein stän­di­ger Vor­wurf auch der EUKom­mis­si­on. „Das fin­de ich un­ge­sund“, sagt Ton­do­lo-Pal­la­vici­ni. „Kei­ne Macht kann über der Jus­tiz ste­hen.“

„Eli­ten los­wer­den“

Ne­ben der Jus­tiz müs­sen in ih­ren Au­gen auch die öf­fent­li­chen Aus­schrei­bun­gen wie­der trans­pa­ren­ter ge­macht wer­den. Freun­de und Ver­wand­te des Pre­miers sind be­kannt da­für, die lu­kra­tivs­ten Pro­jek­te zu ge­win­nen. Die­ses Pro­blem sei nicht nur mit mehr Trans­pa­renz zu lö­sen, sagt Ton­do­lo-Pal­la­vici­ni: „Or­bán muss die­se Eli­ten, die nur noch mit dem He­li­ko­pter her­um­flie­gen, ent­fer­nen. In sei­nem ei­ge­nen In­ter­es­se. Nur die Star­ken kön­nen auch Feh­ler zu­ge­ben.“

In Un­garn sei al­les sehr zen­tral ge­steu­ert – zu zen­tral. „Die Re­gie­rung ist wie ei­ne Sol­da­ten­trup­pe.“Al­le Staats­se­kre­tä­re und ih­re Stell­ver­tre­ter sei­en dem Pre­mier

un­ter­ge­ord­net, er hö­re nur auf ei­ne Hand­voll Be­ra­ter. Er ma­che ei­ne eli­tä­re Po­li­tik. „Der Dia­log mit dem Volk wä­re so wich­tig, aber er geht nicht un­ter die Men­schen. Es wird ja nicht ein­mal in­ner­halb der Re­gie­rung wirk­lich kom­mu­ni­ziert.“Sie ha­be Or­bán noch nie in ei­ner De­bat­te ge­se­hen.

Nicht nur in­ner­halb des Lan­des ge­be es die­se Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­me. Auch au­ßer­halb. Un­garn ha­be sich un­ter der Füh­rung Or­báns als En­fant ter­ri­b­le in der EU her­aus­kris­tal­li­siert. „Ich sel­ber ha­be der Re­gie­rung ge­ra­ten, mit west­li­chen Staa­ten mehr zu re­den – oh­ne Er­folg“, er­in­nert sich Ton­do­lo-Pal­la­vici­ni.

Ob sie ei­ne Par­tei grün­den möch­te, will sie we­der ver­nei­nen noch be­stä­ti­gen. „Ich ha­be kei­ne Am­bi­tio­nen, in die Po­li­tik zu ge­hen, um mich zu ver­wirk­li­chen“, sagt Ton­do­lo-Pal­la­vici­ni, „aber wenn man mich fragt, ob ich Teil ei­ner sol­chen Be­we­gung sein will, dann sa­ge ich ja! Es geht dar­um, wel­ches Un­garn ich mei­nen Kin­dern hin­ter­las­sen will.“

schwe­di­schen Fa­mi­li­en zwi­schen Kin­dern und El­tern ge­be – es wer­de so ge­tan, als wür­de man an den Weih­nacht­stom­te glau­ben. Spä­ter ru­der­te sie zu­rück und und ver­sprach, dass in den wei­te­ren Fol­gen „ei­ne rich­tig ma­gi­sche Welt“ge­schaf­fen wer­de.

Ei­gent­lich gilt Schwe­den als Land der In­no­va­ti­on und des Fort­schritts – hier gab es die Se­xu­al­auf­klä­rung in den Schu­len be­reits in den 1930er-Jah­ren. Auch gab man im Kö­nig­reich zu­dem ger­ne den Vor­rei­ter bei Fe­mi­nis­mus oder Kin­der­rech­ten. Doch mit der De­mas­kie­rung der El­tern als ver­klei­de­te Weih­nacht­stom­ten wur­de an­schei­nend ei­ne un­er­wünsch­te Auf­klä­rung be­trie­ben.

Einst ein Wich­tel, ein für Men­schen nicht sicht­ba­rer Zwerg aus den nor­di­schen My­then, ist der Weih­nacht­stom­te durch An­glei­chung an „San­ta Claus“im­mer ame­ri­ka­ni­scher ge­wor­den und hat heu­te ein weiß­ro­tes Ge­wand. Im po­li­tisch kor­rek­ten Schwe­den gibt es, wie in der ak­tu­el­len Se­rie, mitt­ler­wei­le auch weib­li­che Tom­tes. Be­zeich­nen­der­wei­se ist die Ziel­grup­pe der Sen­dung, die es be­reits seit 1960 gibt, auf 5- bis 85-Jäh­ri­ge fest­ge­legt, wie die In­ten­dan­tin er­klärt.

Die Un­garn fan­den im ver­gan­ge­nen Jahr vie­le Grün­de, um ge­gen Or­báns Po­li­tik zu de­mons­trie­ren (im Bild: Ar­beit­neh­mer). Doch die Al­ter­na­ti­ven zur Fi­desz feh­len

Den „Weih­nachts­wich­tel­mann“gibt es gar nicht ...

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