Ein­zi­ge Ärz­tin schließt nach Streit

Me­di­zi­ne­rin for­dert seit 2011 ei­ne be­reits zu­ge­si­cher­te Un­ter­stüt­zung der Ge­mein­de

Kurier - - ÖSTERREICH - VON KE­VIN KADA

Seit Mon­tag hat Wil­dendürn­bach im Be­zirk Mi­stel­bach (NÖ) kei­nen Arzt mehr. Die dort an­säs­si­ge Ärz­tin Clau­dia Pöckl-Trem­ba hat we­gen ei­nes Streits mit der Ge­mein­de ih­re Or­di­na­ti­on bis auf Wei­te­res ge­schlos­sen.

Der Streit geht zu­rück in das Jahr 2011. Da­mals woll­te die Ge­mein­de zu­nächst ein Arzt­haus re­no­vie­ren, da­nach war ein Neu­bau an­ge­dacht.

Statt­des­sen kauf­te Clau­dia Pöckl-Trem­ba in Wil­dendürn­bach ein Haus und er­öff­ne­te ei­ne Or­di­na­ti­on. „Ich woh­ne nicht hier, woll­te aber die Or­di­na­ti­on dort er­öff­nen. Die Ge­mein­de hat sich da­durch viel Geld ge­spart. Ich woll­te aber ei­ne Un­ter­stüt­zung ha­ben“, er­klärt die Me­di­zi­ne­rin. 50.000 Eu­ro for­der­te sie von der Ge­mein­de.

Die war auch be­reit, den Be­trag zu zah­len, be­stä­tigt Bür­ger­meis­ter Her­bert Har­rach (ÖVP). In ei­ner Ge­mein­de­rats­sit­zung 2011 wur­de ein ein­stim­mi­ger Be­schluss ge­fasst. Doch da­nach ka­men die Pro­ble­me, be­rich­tet die Ärz­tin: „Ich ha­be das nicht schrift­lich be­kom­men, und auch im Sit­zungs­pro­to­koll ist nichts zu fin­den. Und dann war die Zah­lung plötz­lich an Be­din­gun­gen ge­kop­pelt.“

For­de­run­gen

Dar­un­ter wa­ren un­ter an­de­rem ei­ne Le­bens­ver­si­che­rung und auch ein Ein­trag der Ge­mein­de in das Grund­buch des Hau­ses. „Hät­te ich ge­wusst, wel­che Be­din­gun­gen auf mich zu­kom­men, hät­te ich mir den Be­trieb der Or­di­na­ti­on über­legt“, är­gert sich die Me­di­zi­ne­rin. Für den Bür­ger­meis­ter war das ein nor­ma­ler Vor­gang: „Wenn wir 50.000 Eu­ro in­ves­tie­ren, brau­chen wir Si­cher­hei­ten.“

Seit Jän­ner 2012 war plötz­lich Funk­stil­le. Zu­min­dest bis No­vem­ber die­ses Jah­res. Mit der Un­ter­stüt­zung ei­nes Rechts­an­wal­tes gab es ein Ge­spräch mit dem Bür­ger­meis­ter und ei­ni­gen Ge­mein­de­rä­ten. „Ich woll­te nun die zu­ge­sag­te Un­ter­stüt­zung ha­ben und ha­be mich auf die For­de­run­gen ein­ge­las­sen“, er­klärt die Ärz­tin.

Der An­walt for­mu­lier­te ein Schrei­ben samt Frist aus. Die­se ließ die Ge­mein­de ver­strei­chen. Mit der Be­grün­dung, dass die Sa­che erst vom Ge­mein­de­rat ab­ge­seg­net wer­den müs­se, wie Orts­chef Har­rach er­klärt.

Das hat die Ärz­tin nun zur dras­ti­schen Maß­nah­me der Schlie­ßung ih­rer Or­di­na­ti­on be­wo­gen. „Ich ha­be mei­ne Leis­tun­gen jah­re­lang er­bracht, und nun will ich, dass die Ge­mein­de ih­re zu­ge­sag­te Leis­tung er­bringt.“

Nun klin­gelt das Te­le­fon beim Bür­ger­meis­ter: „Die Men­schen ru­fen mich an, weil der Arzt zu hat und ich soll ih­nen hel­fen.“

Laut Pöckl-Trem­ba wis­sen ih­re Pa­ti­en­ten von den

Strei­tig­kei­ten und „sind nicht bö­se, dass ich den Schritt ge­setzt ha­be.“

Brief

Der Ge­mein­de­rat, so der Bür­ger­meis­ter, wird nun ei­nen Brief auf­set­zen. Wie der In­halt aus­se­hen wird, weiß Har­rach noch nicht: „Ei­ni­ge Ge­mein­de­rä­te sind auf­grund der dras­ti­schen Vor­gangs­wei­se ver­är­gert. Ob das Geld al­so aus­be­zahlt wird, kann ich nicht sa­gen.“

Für die Ärz­tin, die be­reits im pen­si­ons­fä­hi­gen Al­ter ist, wä­re nach der Aus­be­zah­lung wie­der al­les in Ord­nung: „Ich will die­se Or­di­na­ti­on füh­ren und weiß auch, dass sich nie­mand fin­den wür­de, der die Pra­xis wei­ter be­treut.“

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