Der Kampf ge­gen kal­te Bet­ten

Fe­ri­en­do­mi­zi­le. Die An­zahl an Zweit­wohn­sit­zen wächst vor al­lem in be­lieb­ten Ur­laubs­or­ten. Das treibt die Grund­stücks­prei­se nach oben. Be­trof­fe­ne Bun­des­län­der ver­su­chen nun, die Richt­li­ni­en zu ver­schär­fen

Kurier - - ERSTE SEITE - VON ELI­SA­BETH HOL­ZER UND CHRIS­TI­AN WILLIM

Bun­des­län­der ver­su­chen, die teils aus­ufern­den Ne­ben­wohn­sit­ze mit Schran­ken in den Griff zu be­kom­men.

Ob im Ski­ge­biet, am See oder im Wein­land, der Trend zum Wo­che­n­end- oder Fe­ri­en­do­mi­zil ist un­ge­bro­chen: Rund 1,2 Mil­lio­nen ge­mel­de­te Ne­ben- oder Zweit­wohn­sit­ze gibt es in Ös­ter­reich − ver­gli­chen mit 2012 ein Zu­wachs um rund vier Pro­zent.

Nicht al­le Bür­ger­meis­ter sind von die­ser Ent­wick­lung glei­cher­ma­ßen ent­zückt. Vor al­lem in den Tou­ris­mus­ge­mein­den stößt man sich dar­an: Zweit­wohn­sitz-In­ha­ber (oder die In­ves­to­ren da­hin­ter) wür­den Ein­hei­mi­sche verdän­gen be­zie­hungs­wei­se ih­nen den (Bau-)Platz teu­rer ma­chen. Das rüg­te et­wa ei­ne Bür­ger­initia­ti­ve in Schlad­ming kürz­lich.

Un­leist­ba­re Sum­men

Ei­ne Sor­ge, die Ger­hard Koch, FPÖ-Bür­ger­meis­ter von Wei­ßen­see in Kärn­ten, nach­voll­zie­hen kann: „In­ves­to­ren zah­len Sum­men, die kann sich ein Ein­hei­mi­scher gar nicht mehr leis­ten.“1.000 Eu­ro pro Qua­drat­me­ter sei­en da schon kei­ne Sel­ten­heit mehr. „Se­en­ge­bie­te wer­den in­ter­es­san­ter, da weiß man, der Wert des Grund­stücks wird stei­gen.“In Wei­ßen­see liegt das Ver­hält­nis bei 800 Haupt- zu 500 Ne­ben­wohn­sit­zen.

Im­mer mehr Bun­des­län­der ver­su­chen des­halb, den Zu­gang zu Frei­zeit­do­mi­zi­len zu be­schrän­ken. Sie sind be­son­ders dort be­gehrt, wo die Men­schen auch gern ih­ren Ur­laub ver­brin­gen: Es ist da­her kein Zu­fall, dass das so­ge­nann­te Pro­blem der „kal­ten Bet­ten“– al­so von vor­nehm­lich nur für Wo­che­n­en­den und Fe­ri­en ge­nutz­ten und an­sons­ten leer ste­hen­den Ei­gen­hei­men – im Wes­ten be­son­ders drän­gend ist. Rund 20 Mil­lio­nen der 46 Mil­lio­nen Ös­ter­reich-Ur­lau­ber kom­men jähr­lich nach Ti­rol und Salz­burg:

Die Lust der Gäs­te auf ei­ne Woh­nung oder gar Lu­xus­vil­la im Fe­ri­en­ort treibt in vie­len Tou­ris­mus­ge­mein­den die Prei­se in die Hö­he.

In Ti­rol ver­sucht das Land be­reits seit Jah­ren mit ei­ner ei­ge­nen Wid­mungs­ka­te­go­rie – dem Frei­zeit­wohn­sitz – über die Raum­ord­nung re­gu­lie­rend ein­zu­grei­fen. Frei­zeit­wohn­sit­ze sind be­wil­li­gungs­pflich­tig. Doch ei­ne 2016 ein­ge­führ­te Ober­gren­ze von acht Pro­zent je Ge­mein­de kam in Hots­pots wie dem Be­zirk Kitz­bü­hel zu spät.

Saf­ti­ge Stra­fen

Ne­ben mehr als 16.000 be­reits le­gal exis­tie­ren­den Frei­zeit­wohn­sit­zen in ganz Ti­rol gibt es noch ge­schätz­te 10.000 il­le­ga­le. Um die­se auf­zu­de­cken, wol­len Land und Ge­mein­den nun ein ei­ge­nes Kon­troll­or­gan in­stal­lie­ren. In Salz­burg denkt die Re­gie­rung an ei­ne Leer­stands- so­wie Zweit­wohn­sitz­ab­ga­be wie in Kärn­ten und Vor­arl­berg. En­de 2019 lief die Frist ab,

Zweit­wohn­sit­ze zu mel­den: An­dern­falls droh­ten Stra­fen von bis zu 25.000 Eu­ro − oder gar die Ver­stei­ge­rung des Ob­jekts. Ge­mel­det wur­den 3.000 − al­ler­dings wur­den zu­vor bis zu 60.000 Zweit­wohn­sit­ze ver­mu­tet.

In der Stei­er­mark be­fasst sich ein Un­ter­aus­schuss im Land­tag mit der Pro­ble­ma­tik, denn pro Jahr kom­men rund 1.200 neue Zweit­wohn­sit­ze da­zu. „Es wird sich zei­gen, ob und in­wie­weit nach­ge­schärft wer­den muss“, sagt Lan­des­rä­tin, Ur­su­la Lack­ner, SPÖ. „Wenn das nö­tig ist, wird die Re­gie­rung die ent­spre­chen­den Schrit­te set­zen.“Mög­lich wä­re ei­ne Än­de­rung im Bau­ge­setz oder die Aus­wei­tung der Be­schrän­kungs­zo­nen, in de­nen kei­ne Zweit­wohn­sit­ze ge­stat­tet sind.

„Es ist aber ein Spa­gat“, be­schreibt je­doch Franz Frosch, ÖVP-Bür­ger­meis­ter von Bad Aus­see. „Wir wol­len un­se­re Hei­mat nicht aus­ver­kau­fen, aber auch die Zweit­wohn­sitz­ler nicht ver­dam­men.“Aber Spe­ku­lan­ten ein­däm­men: Seit 2014 müs­sen je­ne, die in Bad Aus­see Grund er­wer­ben, ei­ne Wid­mung un­ter­zeich­nen, wo­nach sie in­ner­halb von fünf Jah­ren ein Haus fer­tig ha­ben. Läuft die Frist ab, müs­sen sie das Grund­stück um 60 Eu­ro pro Qua­drat­me­ter zum Kauf an­bie­ten.

„In­ves­to­ren bie­ten für Grund­stü­cke schon Sum­men, die kön­nen sich Ein­hei­mi­sche gar nicht mehr leis­ten“

Ger­hard Koch Bür­ger­meis­ter, Wei­ßen­see

„Es ist ein Spa­gat: Wir wol­len die Hei­mat nicht aus­ver­kau­fen, aber auch nicht Zweit­wohn­sitz­ler ver­dam­men“

Franz Frosch Bür­ger­meis­ter, Bad Aus­see

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