Ge­sund­heits­kas­se: Bis 2024 Mil­li­ar­den­ver­lust

Zah­len viel schlech­ter als bis­her be­kannt

Kurier - - ERSTE SEITE - VON MICHA­EL BACHNER

Die von Tür­kis-Blau auf den Weg ge­brach­te Ös­ter­rei­chi­sche Ge­sund­heits­kas­se (ÖGK), der Zu­sam­men­schluss der bis­her neun Ge­biets­kran­ken­kas­sen, steht we­sent­lich schlech­ter da als bis­her be­kannt. Das zeigt ih­re „Ge­ba­rungs­vor­schau“bis zum Jahr 2024. Die jähr­li­chen Ver­lus­te dürf­ten sich in die­sem Zei­t­raum laut der ei­ge­nen Pro­gno­se auf 1,7 Mil­li­ar­den Eu­ro sum­mie­ren. Dem­ge­gen­über sol­len aber Rück­la­gen in der Er­öff­nungs­bi­lanz von rund 1,37 Mil­li­ar­den Eu­ro vor­han­den sein. An­ge­sichts der Zah­len kün­digt ÖGK-Ge­ne­ral­di­rek­tor Bern­hard Wur­zer ei­nen „Kon­so­li­die­rungs­pfad“an. Man wer­de jetzt ver­su­chen, „das Ru­der her­um­zu­rei­ßen“.

Am Mitt­woch­abend schlug die De­fi­zit­pro­gno­se für 2020 und 2021 der neu­en Ös­ter­rei­chi­schen Ge­sund­heits­kas­se (ÖGK) wie ei­ne Bom­be ein. Die Zah­len stam­men aus ei­ner SPÖ-An­fra­ge, die der neue So­zi­al­mi­nis­ter, der Grü­ne Ru­dolf An­scho­ber, be­ant­wor­te­te.

Mit den nun be­kann­ten De­tails wird klar, dass die po­li­tisch ver­spro­che­nen Ein­spa­run­gen durch die er­folg­te Zu­sam­men­le­gung der neun Ge­biets­kran­ken­kas­sen zur ÖGK („Pa­ti­en­ten­mil­li­ar­de“) auch bis 2024 nicht zu­stan­de kom­men. Das Mi­nus ist viel grö­ßer als bis­her be­kannt. Das zeigt die so­ge­nann­te Ge­ba­rungs­vor­schau der ÖGK.

Laut die­ser Pro­gno­se wird für heu­er, den ers­ten 12 Mo­na­ten der ÖGK, ein Ver­lust

von 175,3 Mil­lio­nen Eu­ro er­war­tet, der sich wei­ter stei­gern soll. 2023 soll er 507,9 Mil­lio­nen be­tra­gen und im Jahr dar­auf über­haupt 544 Mil­lio­nen Eu­ro.

Ku­mu­liert be­deu­tet das ei­nen Bi­lanz­ver­lust in fünf

Jah­ren von 1,7 Mil­li­ar­den Eu­ro. Laut An­scho­ber ste­hen dem Mi­nus Rück­la­gen in der Er­öff­nungs­bi­lanz von 1,37 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­gen­über.

An­ge­sichts die­ser Zah­len kün­digt ÖGK-Ge­ne­ral­di­rek­tor Bern­hard Wur­zer ei­nen „Kon­so­li­die­rungs­pfad“an. Man wer­de jetzt ver­su­chen, „das Ru­der her­um­zu­rei­ßen“.

Kür­zen wol­le man aber nicht bei den Leis­tun­gen für die Ver­si­cher­ten, son­dern bei künf­ti­gen Ho­no­rar­ver­trä­gen für Ärz­te und an­de­re Leis­tungs­an­bie­ter. Man wer­de „den Gür­tel en­ger schnal­len“müs­sen, sag­te Wur­zer. So wer­de bei künf­ti­gen Ho­no­rar­ver­trä­gen die Stei­ge­rung nicht über den Bei­trags­ein­nah­men lie­gen kön­nen.

Ganz an­de­res be­fürch­tet hin­ge­gen SPÖ-Che­fin Pa­me­la Ren­di-Wa­gner. Sie sagt: „Die Zer­schla­gung der So­zi­al­ver­si­che­rung

durch Schwar­zBlau ist ein rie­si­ges fi­nan­zi­el­les De­sas­ter und ein ge­sund­heits­po­li­ti­scher Skan­dal zu­las­ten der Men­schen.“Sie be­fürch­tet nun Bei­trags­er­hö­hun­gen, Selbst­be­hal­te und Leis­tungs­kür­zun­gen für die Pa­ti­en­ten.

Die­se stellt Wur­zer in Abre­de. Bei der Har­mo­ni­sie­rung der Leis­tun­gen für die Ver­si­cher­ten will der ÖGKChef de­zi­diert nicht spa­ren.

Ne­ben der schwä­che­ren Kon­junk­tur macht er als Ur­sa­che für die Ent­wick­lung aus, dass die Kas­sen vor der Fu­sio­nie­rung „in den letz­ten zwei Jah­ren über ih­re Ver­hält­nis­se ge­lebt“hät­ten. So hät­ten ein­zel­ne Ge­biets­kran­ken­kas­sen vor der Zu­sam­men­le­gung über­durch­schnitt­li­che Ver­trä­ge mit ei­ner Stei­ge­rung von bis zu elf Pro­zent bei den Ärz­te­ho­no­ra­ren ab­ge­schlos­sen.

„Wir wer­den aus­ga­ben­sei­tig den Gür­tel en­ger schnal­len müs­sen“

Bern­hard Wur­zer ÖGK-Ge­ne­ral­di­rek­tor

Aus neun Ge­biets­kran­ken­kas­sen wur­de die Ge­sund­heits­kas­se. Fi­nan­zi­ell ge­sun­de Bi­lan­zen wer­den noch lan­ge auf sich war­ten las­sen

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