„Räum­li­che Dis­tanz birgt Chan­cen“

Paarthe­ra­peu­tin Bet­ti­na Rus­sold über her­aus­for­dern­de Zei­ten für die Lie­be

Kurier - - LE­BENS­ART - JU­LIA PFLIGL

Vie­le Paa­re be­fin­den sich gera­de in ei­ner au­ßer­ge­wöhn­li­chen Si­tua­ti­on, auf die sie sich nicht vor­be­rei­ten konn­ten. Wie kann sich das auf die Be­zie­hung aus­wir­ken?

Bet­ti­na Rus­sold:

Das hängt von vie­len Va­ria­blen ab: Wel­che Ge­schich­te teilt das Paar? Wie war die Zuf­rie­den­heit vor der Kri­se? Wie wur­den die Per­so­nen vor der Part­ner­schaft ge­prägt? Part­ner­schaf­ten, in de­nen die Be­tei­lig­ten die Fühl-, Denk- und Ver­hal­tens­mus­ter des an­de­ren ken­nen, wis­sen ten­den­zi­ell, was er oder sie für die Be­wäl­ti­gung von Her­aus­for­de­run­gen be­nö­tigt. Für Paa­re, die auf die­se Er­fah­run­gen noch nicht zu­rück­grei­fen kön­nen, kann so ei­ne Si­tua­ti­on Ge­füh­le wie Un­si­cher­heit und Angst schü­ren und ei­ne jun­ge Be­zie­hung aus dem Gleich­ge­wicht brin­gen.

Ist Sehn­sucht per se ein ne­ga­ti­ves Ge­fühl?

Sehn­sucht be­deu­tet ein in­ni­ges, auch kör­per­lich als schmerz­lich er­leb­tes Ver­lan­gen nach Per­so­nen, Din­gen oder Zu­stän­den. Men­schen, die ein­an­der we­gen äu­ße­rer

Um­stän­de nicht se­hen kön­nen, kön­nen Sehn­sucht in Form der Vor­freu­de auf ein bal­di­ges Wie­der­se­hen auch als lust­voll er­le­ben.

Vie­le ha­ben Angst, dass nun auch die emo­tio­na­le Dis­tanz wächst. Be­rech­tigt?

Rä­um­lich ge­trennt zu sein, zieht nicht zwangs­läu­fig auch emo­tio­na­le Dis­tanz nach sich, die Zeit des Ge­trennt­seins kann aber ei­ne Be­wäh­rungs­pro­be sein. Räum­li­che Dis­tanz birgt Chan­cen, wie sich über die Zu­kunft der Part­ner­schaft oder ei­ge­ne Zie­le kla­rer zu wer­den. Ver­mei­den soll­te man gera­de jetzt über­has­te­te Ent­schei­dun­gen.

Was ra­ten Sie ge­trenn­ten Paa­ren nun kon­kret?

Mit­ein­an­der re­den. Die Ge­füh­le, die ei­nen im Zu­sam­men­hang mit der Si­tua­ti­on be­schäf­ti­gen, in Wor­te fas­sen. Fra­gen, was der an­de­re braucht. Plä­ne schmie­den, die man beim Wie­der­se­hen in die Tat um­set­zen kann. Und sich be­wusst wer­den, dass ein vor­über­ge­hen­des Ge­trennt­sein die Chan­ce birgt, In­ter­es­sen zu pfle­gen.

Was emp­feh­len Sie ge­gen die Sex-Flau­te?

In Zei­ten, wo kör­per­li­che Nä­he nicht mög­lich ist, gilt es, ge­mein­sam neue Mög­lich­kei­ten zu su­chen, um ein­an­der nah zu sein. Es ist ei­ne gu­te Zeit, um dem krea­ti­ven Teil in sich Raum für Ent­fal­tung zu ge­ben. Er­laubt ist al­les, was bei­den ge­fällt.

Bet­ti­na Rus­sold be­rät Paa­re, auch bei Fern­be­zie­hun­gen

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