Händ­chen­hal­ten nicht er­laubt

Tat­too-Stu­dio. Nach dem Lock­down boomt die Bran­che. Die Hy­gie­ne­re­geln wa­ren seit je­her streng

Kurier - - ERSTE SEITE - VON CHRIS­TOPH SCHWARZ

Nach dem Lock­down boomt die Bran­che. Auf Hy­gie­ne wur­de stets ge­ach­tet, jetzt gilt auch: Ab­stand hal­ten.

Die Idee kam spon­tan, der Ent­wurf war rasch um­ge­setzt: Ei­ne Zom­bie-Hand, die nach ei­ner Rol­le Klo­pa­pier greift. Dar­über der Schrift­zug „Co­ro­na Apo­ka­lyp­se Sur­vi­ved“. Das Mo­tiv stand nicht lan­ge auf So­ci­al Me­dia, da fan­den sich ers­te Be­geis­ter­te. Mitt­ler­wei­le ziert die Klo­pa­pier-Rol­le be­reits den Kör­per ei­nes Kun­den.

Für Tä­to­wie­rer wie Erich Mäh­nert, der sein Stu­dio in der Brün­ner Stra­ße in Flo­rids­dorf hat, ist das Ge­schäft nach dem Co­ro­na-Lock­down wie­der an­ge­lau­fen. Und es läuft gut: Vie­le Kun­den hät­ten lan­ge auf ih­re ge­plan­ten Sit­zun­gen bei ihm war­ten müs­sen und wol­len die Ter­mi­ne nach­ho­len, er­zählt er. Skep­sis we­gen des Co­ro­na­vi­rus herr­sche bei den meis­ten von ih­nen kei­ne.

Denn – und das ist ei­ne Be­son­der­heit: Im Ge­gen­satz zu vie­len an­de­ren Bran­chen hat sich in den Tat­too-Stu­di­os durch Co­ro­na kaum et­was ver­än­dert. „Am Ein­gang steht nun ein Spen­der mit Des­in­fek­ti­ons­mit­tel, sonst ist al­les wie bis­her.“Der Grund da­für: Schon zu­vor gal­ten stren­ge Hy­gie­ne- und Si­cher­heits­richt­li­ni­en.

Die Ses­sel, auf de­nen die Kun­den lie­gen, tra­gen seit je­her Ein­weg-Schutz­be­zü­ge, das Werk­zeug wird stets des­in­fi­ziert. Auch Mas­ken, Är­mel­scho­ner und OP-Schu­he wa­ren bei den Tä­to­wie­rern schon zu­vor üb­lich.

„Oder doch“, sagt Mäh­nert nach kur­zem Nach­den­ken. Ei­ne Sa­che ha­be sich noch ver­än­dert: „Die Be­gleit­per­so­nen, die den Kun­den das Händ­chen hal­ten, dür­fen der­zeit nicht mit.“Auch im Tat­too-Stu­dio gilt die Ab­stands­re­gel über­all dort, wo man sie ein­hal­ten kann. „Das ist an­ge­nehm. Das be­hal­ten wir bei.“Viel­fach wür­den Kun­den von der Be­glei­tung nicht be­ru­higt – son­dern sind un­auf­merk­sam und hal­ten beim Ste­chen nicht still.

Die Bran­che boomt üb­ri­gens: In den ver­gan­ge­nen #wie­derimg­schäft

Die Wirt­schafts­kam­mer Wi­en kämpft mit ei­ner In­fo-Kam­pa­gne ge­gen die Fol­gen, die der Co­ro­na-Lock­down vor al­lem für klei­ne, lo­ka­le Ge­schäf­te und Di­enst­leis­ter hat: Zehn­tau­sen­de Un­ter­neh­mer in Wi­en müss­ten um den Er­halt ih­res Be­trie­bes und um Ar­beits­plät­ze fürch­ten, sagt Wi­ens Wirt­schafts­kam­merChef Wal­ter Ruck. Um sich ge­gen in­ter­na­tio­na­le On­li­neMul­tis durch­set­zen zu kön­nen, sei­en die Un­ter­neh­mer jetzt mehr denn je auf ih­re Wie­ner Kun­den an­ge­wie­sen fünf Jah­ren hat sich die Zahl der Ge­wer­be­be­rech­ti­gun­gen von 77 auf 153 ver­dop­pelt. Wer die Kun­den sind? „Al­le“, sagt Erich Mäh­nert. Ar­bei­ter, Haus­frau­en, der Herr Dok­tor.

Ge­fragt sei­en der­zeit Tat­toos im „Neo Tra­di­tio­nal“-Stil. (Zu­ge­ge­ben: Für Lai­en sind die Stil­rich­tun­gen schwer aus­ein­an­der­zu­hal­ten.) Die so­ge­nann­ten „Tri­bals“, die man viel­fach sieht, sind je­den­falls aus der Mo­de ge­ra­ten. „Zum Glück“, sagt Mäh­nert.

Bei der Aus­wahl der Kör­per­stel­len sei­ner Kun­den ist er streng: Ju­gend­li­chen rät er beim ers­ten Mal von sicht­ba­ren Tat­toos ab. „In vie­len Jobs ist das bis heu­te nicht ger­ne ge­se­hen.“(Tat­toos im Ge­sicht sind über­haupt der Sze­ne, al­so Kol­le­gen und an­de­ren Ein­ge­weih­ten, vor­be­hal­ten.)

Mäh­nert ist mo­men­tan da­bei, Ter­mi­ne, die er we­gen des Lock­down ver­schie­ben muss­te, ab­zu­ar­bei­ten. Er hat so­gar ei­nen zu­sätz­li­chen Tag pro Wo­che ge­öff­net.

Aber nicht nur bei den Tat­too-Stu­di­os, auch bei ih­ren Kol­le­gen aus der In­nung der Fuß­pfle­ger, Kos­me­ti­ker und Mas­seu­re – zu der Tä­to­wie­rer ge­hö­ren – läuft es gut: „Vie­le ha­ben sehn­süch­tig ge­war­tet und sind, et­wa bei der Fuß­pfle­ge, auch auf die Be­hand­lung

an­ge­wie­sen“, sagt Pe­tra Fel­ber, In­nungs­meis­te­rin bei der Wie­ner Wirt­schafts­kam­mer. Egal ob Ple­xi­glas­schei­ben bei der Ma­ni­kü­re oder ein dop­pel­ter Ge­sichts­schutz bei der Kos­me­tik: Die Un­ter­neh­men hät­ten vor­ge­sorgt.

Un­ter dem Slo­gan #wie­derimg­schäft hat die Kam­mer ei­ne Initia­ti­ve (sie­he links) ge­star­tet, mit der die lo­ka­len Fir­men un­ter­stützt wer­den sol­len. „Wir müs­sen den Men­schen wie­der Si­cher­heit ge­ben“, sagt Fel­ber. „Sie kön­nen dar­auf ver­trau­en, dass die Un­ter­neh­mer al­les tun, da­mit ih­re Kun­den in Co­ro­na-Zei­ten si­cher sind.“

Ju­lia, Ort­win, Ri­ta

Erich Mäh­nert in sei­nem Stu­dio „Tat­toos by Erich“– er selbst hat mehr als 100 Tat­toos: „Ir­gend­wann hört man auf zu zäh­len“ Wi­en.

Neue Ent­wür­fe: Als Tä­to­wie­rer muss man mit der Zeit ge­hen

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