Von Bua­ma und Men­scha

Kurier - - MENSCHEN - VON RE­NÉ FREUND

Zum Jun­gen re­spek­ti­ve Bu­ben sagt man in Ober­ös­ter­reich „Bua“. Mehr­zahl „Bua­ma“. Wäh­rend der Weg von „Bub“zu „Bua“in­ner­halb früh­mit­tel­al­ter­li­cher Laut­ver­schie­bun­gen nach­voll­zieh­bar er­scheint, bleibt die ober­ös­ter­rei­chi­sche Be­zeich­nung für jun­ge Frau, re­spek­ti­ve das Mäd­chen, rät­sel­haft: Mensch. Mehr­zahl Men­scha, wo­bei das Wort säch­lich ist. Man sagt al­so „das blö­de Mensch“, wäh­rend „der blö­de Bua“auch sprach­lich sein bio­lo­gi­sches Ge­schlecht be­hält. Wä­re Her­bert Grö­ne­mey­er Ober­ös­ter­rei­cher, sein Hit „Mensch“hät­te den Re­frain: „Und das Mensch bleibt Mensch, weil es ver­gisst, weil es ver­drängt …“Wie aber ist die­ses rät­sel­haf­te Wort zu er­klä­ren? Wa­ren für die Leu­te in Ober­ös­ter­reich Frau­en im­mer schon Men­schen? Das wä­re ja ei­gent­lich sehr schön und fort­schritt­lich, au­ßer­dem in ka­tho­li­schen Län­dern nicht so selbst­ver­ständ­lich. In Frank­reich zum Bei­spiel be­zeich­net „hom­me“den Mann und den Men­schen, bei uns ist „Mensch“der Über­be­griff für die Frau und den Men­schen. Mög­li­cher­wei­se kommt al­so ei­nes Ta­ges das Ma­tri­ar­chat aus Ober­ös­ter­reich über die Welt. Mensch, das wird was!

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