TEL­LER­RAND

Kurier - - REISE GENUSS - Nicht je­der mag Schne­cken, aber dass je­mand kei­ne Erb­sen mag, wun­dert Axel Halb­hu­ber, der kei­ne Oli­ven mag axel.halb­hu­ber@ku­ri­er.at

Als die ge­schätz­te Kol­le­gin Ani­ta Kat­tin­ger mir jüngst vor­schlug, ei­ne Dop­pel­sei­te über Erb­sen zu schrei­ben, frag­te ich mich na­tür­lich, wie man über et­was so Klei­nes so viel schrei­ben kann. Nicht nur, dass die Erb­se ein win­zi­ges Le­bens­mit­tel ist, das beim Ent­kom­men in je­de Rit­ze kul­lert, ist auch ih­re Be­deu­tung in der gro­ßen Kü­che klein ge­blie­ben. Mir ist im stun­den­lan­gen Gr­ü­beln über die­se win­zi­ge Fra­ge mein Freund Mar­cus M. ein­ge­fal­len. Der ist ein Gast je­ner Sor­te, die sich je­der Ko­chen­de wünscht: kriegt beim Be­tre­ten der Kü­che glän­zen­de Au­gen ob des Ge­ru­ches (egal wo­nach), ent­wi­ckelt ein vor­freu­di­ges Lä­cheln, wenn das Es­sen auf den Tisch kommt (egal was) und ver­sucht sich fast im­mer in der Auf­ga­be, den Topf leer zu ma­chen (egal wie viel). Wür­de nur Mar­cus M. zu mir es­sen kom­men, hiel­te ich mich für den bes­ten Koch seit Er­fin­dung des Koch­löf­fels.

Au­ßer es gibt Erb­sen. Um die klei­nen grü­nen Ku­geln isst Mar­cus M. ei­nen Bo­gen, und das kommt mir ge­ra­de bei Erb­sen ko­misch vor. Da­bei bin ich in

Ge­schmacks­fra­gen sehr ver­ständ­nis­voll, wenn ei­ner et­was nicht mag, mag er es eben nicht. Ich hal­te sal­bungs­vol­le Mis­si­ons­kö­che nicht aus, die ei­nem Gast ein­re­den wol­len, dass so ein Ok­to­pus oder so ei­ne Schne­cke doch eh gut schmeckt, ob­wohl dem Gast schon beim Ge­dan­ken an den Biss das Grü­ne ins Ge­sicht steigt. Man muss die Men­schen es­sen las­sen, was sie wol­len, be­son­ders bei Exo­ti­schem.

Aber Erb­sen? Die hät­te ich im­mer zum Al­ler­welts­es­sen ge­zählt, das je­dem schmeckt. Dass „Al­ler­welts­es­sen“falsch ist, weiß ich seit der Lek­tü­re von Kol­le­gin Kat­tin­gers Text (sie­he Sei­ten 6 und 7). Und dass Erb­sen nicht je­dem schme­cken, seit Mar­cus M. „Es ist die Kon­sis­tenz“, ver­riet er mir ein­mal. Ich neh­me das so hin, schließ­lich bin ich ja ver­ständ­nis­voll in Ge­schmacks­fra­gen.

Au­ßer es stellt mir je­mand Oli­ven vor die Na­se. Aber das ist ei­ne an­de­re Ge­schich­te. Und was für ei­ne.

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