Nochn To­ast, nochn ...

Kurier - - REISE GENUSS - THO­MAS RAAB_SCHRIFTSTE­LLER

Neu­lich. Vor mir das Meer. Ein Papp­tel­ler auf mei­nem Schoß. Dar­auf ein sim­pler Schin­kenKä­se­toast mit Ketch­up-Ma­jo. In mei­ner Hand ei­ne 0,33 Li­ter Long­neck-Mehr­weg-Glas­fla­sche. Da­rin zu­erst ein Blon­des Mär­zen, dann ein Bio Rha­bar­ber G’Spritz­ter. Wer sich nun ku­li­na­risch ge­frot­zelt fühlt und auch von ei­nem Pa­ckerl Man­ner­schnit­ten nicht trös­ten lässt, kann sich das Wei­ter­le­sen er­spa­ren, denn so viel mehr stand nicht zur Aus­wahl. Trotz Meer. An die­ser Stel­le muss ich nun ein we­nig aus­ho­len, bit­te ver­zei­hen Sie, aber wäh­rend sich in See­bä­dern die Leut’ sta­peln und hau­fen­weis Clus­ter bil­den (Clus­ter, ein Syn­onym für „Wo­an­ders“, oder für „Geht mi nix an“), drückt mich mitt­ler­wei­le ein schwe­res Über­sät­ti­gungs­ge­fühl hin­sicht­lich die­ser stän­di­gen „Mach-Ur­laub-in-Ös­ter­reich“-Be­du­de­lung. Vor Kur­zem wur­de in den Nach­rich­ten ein po­li­tisch tä­ti­ger Mensch, der sich zwecks Er­ho­lung ins Aus­land be­ge­ben will, vor­wurfs­voll ge­fragt, ob das denn in Ord­nung sei? Er es rich­tig fän­de, nicht den hei­mi­schen Frem­den­ver­kehr, sprich die Wirt­schaft zu un­ter­stüt­zen, son­dern bei­spiels­wei­se die zy­prio­ti­sche? Idio­tisch, ir­gend­wie! dacht ich mir. So weit sind wir al­so schon! Hät­te die­ser Gast einst da­für plä­diert, die Ös­ter­rei­cher mö­gen aus­schließ­lich in Ös­ter­reich ur­lau­ben, er wä­re wohl ge­fragt wor­den: „Wie sieht es mit Ih­rer Welt­of­fen­heit aus, Ih­rem Eu­ro­pa­be­wusst­sein? Grün­den Sie jetzt die Neue Rech­te?“Mies hab’ ich mich ge­fühlt, wie ein Lan­des­ver­rä­ter, weil ja selbst Aus­lands-Ur­lau­ber. Und noch viel schlech­ter ist es mir dann un­ter­wegs zu­rück aus Bi­bi­o­ne Pi­ne­da im In­ne­ren ei­ner über­füll­ten Rast­sta­ti­on er­gan­gen, als Ein­zi­ger mit Mund­schutz und dem hier aus­ge­stor­be­nen Ba­by­e­le­fan­ten an der Sei­te. Für uns „Heim­keh­rer“ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, denn in Ita­li­en Des­in­fek­ti­ons­mit­tel und Mas­ken übe­r­all, In­door so­gar flä­chen­de­ckend, selbst auf dem Wo­chen­markt in Por­to­gru­aro Mas­ken, Ab­stand, Vor­sicht. Und hier­zu­lan­de? Das Ein­zi­ge, was ak­tu­ell die hei­mi­sche Wirt­schaft und den Frem­den­ver­kehr un­ter­stützt, sind bit­te ein paar Leut’ we­ni­ger, die glau­ben, Co­ro­na hät­te sich wie­der in sei­ne Bier­fla­sche vert­schüsst! Co­vid-19 der Po­li­tik zu über­las­sen und nur auf Ver­ord­nung das Hirn ein­zu­schal­ten, wird uns ei­nen Herbst be­sche­ren, der sich ge­wa­schen hat. Al­so schnell zu­rück ans Meer. Das Blon­de Mär­zen in mei­ner 0,33 Li­ter Glas­fla­sche war üb­ri­gens ein herr­li­ches Gol­ser Premium, der Bio Rha­bar­ber G’Spritzt von Rauch, ja und die stil­le See das Meer der Wie­ner. Am Po­ders­dor­fer Nord­ufer sind wir ge­ses­sen, nach 17 h, Ein­tritt frei. In der Ki­te-Bar. Kein Wind, nix los. Ein Ort, der Ru­he und Ge­las­sen­heit aus­strahlt, das Le­ben auf sich selbst re­du­ziert. Die Leut’ al­le tie­fen­ent­spannt, die Mu­sik ein un­auf­dring­li­ches Pul­sie­ren. Die Fan­tas­ti­schen Vier. Tag am Meer. Per Stand-up-Padd­le-Bo­ards (kön­nen in der Kit­bar aus­ge­lie­hen wer­den) sind wir hin­ein in ei­nen Son­nen­un­ter­gang ge­ru­dert, wie es ihn schö­ner kaum zu se­hen gibt, bis hin­über zum Po­ders­dor­fer-Leucht­turm und wie­der zu­rück, wäh­rend sich hun­dert Me­ter wei­ter drü­ben ver­mut­lich die Leut auf die Fü­ße tre­ten, oh­ne Mund­schutz. Und ja, wir wa­ren glück­lich, frei, auch vi­ren­frei und vor al­lem so gut wie al­lein. Ur­laub in Ös­ter­reich kann wahr­lich ein Traum sein – und da­mit das auch so bleibt, wird sich die­se Ko­lum­ne nach dem Le­sen selbst­zer­stö­ren ... drei, zwo, eins ...

Ki­te-Bar Nord­strand,

7141 Po­ders­dorf am Neu­sied­ler See

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