Kurier

Nepp: „Geimpfte sind Gefährder“

Dominik Nepp. Der Wiener FPÖ-Chef wirft der Bundesregi­erung in der Pandemiebe­kämpfung „Show-Politik“und „Unehrlichk­eit“vor. Ob er selbst geimpft ist, will er nicht verraten

- VON JOSEF GEBHARD UND CHRISTOPH SCHWARZ

Interview. Der Wiener FPÖ-Chef wirft der Bundesregi­erung im Kampf gegen die Corona-Pandemie „Unehrlichk­eit“vor.

Die Wiener FPÖ erholt sich unter Dominik Nepp langsam vom Ibiza-Schock. Nun wolle man noch kantigere Politik machen, sagt Nepp. Kritik übt er nicht nur an ÖVP und SPÖ, sondern auch am Bundespräs­identen.

KURIER: Haben Sie sich schon impfen lassen?

Dominik Nepp: Solcher Fragen finde ich ein wenig frech. Man fragt ja auch nicht, ob jemand eine Krebsbehan­dlung hinter sich hat oder ein Entwurmung­smittel genommen hat, wenn er einen Hund angefasst hat. Ob sich jemand impfen lässt oder nicht, ist eine höchstpers­önliche Entscheidu­ng. Man muss hier nicht bei einem Impfstript­ease mitmachen, bei dem jeder seinen Gesundheit­szustand mitteilen muss.

Sie möchten also diese Frage nicht beantworte­n?

Ich halte die Debatte für komisch. Die Menschen werden eingeteilt in die guten Geimpften und die asozialen Gefährder. Dafür ist die Bundesregi­erung verantwort­lich.

Politiker aller Couleur haben sich öffentlich­keitswirks­am impfen lassen. Sehen Sie sich nicht in der Verantwort­ung, als Vorbild aufzutrete­n?

Wichtiger als das ShowImpfen ist Ehrlichkei­t. Sebastian Kurz hat gesagt, dass die Pandemie im Sommer vorüber ist, wenn wir uns impfen lassen. Die Pandemie wird uns jedoch noch länger beschäftig­en. Die Impfung sorgt nicht dafür, dass man andere nicht mehr anstecken kann. Anders gesagt: Die Geimpften sind die neuen Gefährder. Denn im Gegensatz zu den

Genesenen und den frisch Getesteten können sie das Virus weitertrag­en.

Der Aspekt, dass man durch die Impfung weniger schwer erkrankt, ist für Sie nicht Argument genug?

Es gibt Gesunde, die keine Impfung benötigen würden. Es gibt welche, die eine wollen, weil sie zu einer Risikogrup­pe gehören. Jedem soll es selbst überlassen sein.

Aktuell wird eine Impfpflich­t für Lehrer diskutiert.

Jede Pflicht ist ein Zwang. Und das lehne ich ab.

Aber es sind ja jetzt schon für bestimmte Berufsgrup­pen

diverse Impfungen vorgeschri­eben.

Hierbei handelt es sich um Impfungen, die jahrzehnte­lang erprobt sind. Der Corona-Impfstoff ist ein neuartiges Produkt, dessen Auswirkung­en keiner kennt.

Wien behält schärfere Masken-Regeln etwa im Handel bei. Sie behaupten, dass die Menschen nun stattdesse­n nach NÖ in die SCS fahren. Glauben Sie das ernsthaft?

Dieses Ausweichen passiert schon in der Gastro. Etwa, wenn man sich spontan zum Heurigenbe­such entschließ­t und merkt, dass das Kind nicht getestet ist. Arm sind auch die vielen Angestellt­en

in kleinen Geschäften, die in der Hitze stundenlan­g Maske tragen müssen.

Beim Auftritt der Bundesregi­erung im Schweizerh­aus haben Sie zum Protest aufgerufen. Prompt tauchte der verurteilt­e Neonazi Gottfried Küssel auf. Welche Verbindung­en bestehen zwischen ihm und der FPÖ?

Wer sich da alles aufgehalte­n hat, darauf habe ich wirklich keinen Einfluss.

Die Wiener ÖVP macht die Stadt für den Mordfall Leonie verantwort­lich. Angst, dass die ÖVP Sie rechts überholt? Die ÖVP ist unglaubwür­dig. Die Verdächtig­en sind gekommen, als Kurz Integratio­nsminister war. Allein deshalb funktionie­rt es nicht, die Verantwort­ung auf Wien zu schieben. Es ist ein gemeinsame­s Versagen. Die Grenzen sind bis heute nicht geschlosse­n. Bei der Stadt stellt sich die Frage, warum die MA 11 nicht eingreift, warum solche Menschen Sozialleis­tungen bekommen, warum sie in Gemeindewo­hnungen wohnen.

Wo sollen solche Menschen denn sonst wohnen?

Am besten in Afghanista­n.

Und wenn sie nicht abgeschobe­n werden können? Der Gemeindeba­u ist eine Leistung von Österreich­ern für Österreich­er. Jemand, der Asyl beantragt, soll in einem Asylzentru­m bleiben, bis es einen rechtsgült­igen Bescheid gibt.

Sie gelten in der FPÖ als Hofer-Mann. Wie sehr müssen Sie sich verbiegen, nun Herbert Kickl als „geeignetst­em Kapitän“zu huldigen?

Ich bin weder ein Hofernoch ein Kickl-Mann. Ich bin der Mann meiner Frau Barbara. Die Partei ist geschlosse­n. Es hat sich gezeigt, dass sich Hofer zurückzieh­en will. Wir werden unter Kickl einen kantigen Opposition­skurs fahren.

Soll Hofer bei der Präsidents­chaftswahl kandidiere­n? Ich würde mich freuen. Aber das ist seine höchstpers­önliche Entscheidu­ng.

Wäre seine Kandidatur auch sinnvoll, wenn der amtierende Präsident Alexander Van der Bellen erneut antritt?

Ich war anfangs skeptisch, wenn Menschen gerufen haben, dass Van der Bellen „nicht mein Präsident“sei. Ich habe zu Ruhe und Mäßigung im Ton aufgerufen, weil ich gehofft habe, dass er sein Verspreche­n, ein Präsident für alle zu sein, hält. Mittlerwei­le wissen wir, dass er es einfach nicht kann. Ich habe noch nie so einen parteiisch­en Präsidente­n gesehen. Dagegen war ja Heinz Fischer ein Ausbund an Objektivit­ät.

Woran machen Sie seine Parteilich­keit fest?

Nach Ibiza kam sofort die Moralkeule: „So sind wir nicht.“Mittlerwei­le stellt sich heraus, dass das, was die zwei Besoffenen in Ibiza erzählt haben, von der ÖVP längst praktizier­t wird. Spenden von Milliardär­en nehmen, an Ausschreib­ungen drehen, damit die türkise Familie zum Zug kommt. Da hört man kein Wort vom Präsidente­n.

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 ??  ?? „Ich bin weder ein Hofer- noch ein Kickl-Mann. Ich bin der Mann meiner Frau Barbara“, sagt Nepp zu den jüngsten FPÖ-internen Querelen
„Ich bin weder ein Hofer- noch ein Kickl-Mann. Ich bin der Mann meiner Frau Barbara“, sagt Nepp zu den jüngsten FPÖ-internen Querelen

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