Kurier

Und morgen bleib’ ich daheim

Die einen empfinden es als Bereicheru­ng oder große Hilfe. Die anderen fühlen sich alleingela­ssen. Wie Arbeit zu Hause in Österreich funktionie­rt

- VON ANITA STAUDACHER

Im April haben sich die Sozialpart­ner auf Regeln für das Arbeiten von zu Hause aus geeinigt.

Kann ich auf Homeoffice bestehen?

Nein, es gibt kein Recht auf Homeoffice in Österreich. Die Arbeit im Homeoffice muss schriftlic­h mit dem Arbeitgebe­r vereinbart werden. Die Verordnung zur Freistellu­ng von Risikogrup­pen ist Ende Juni ausgelaufe­n und wurde nicht mehr verlängert.

Kann mich der Chef zum Homeoffice zwingen?

Nein, Arbeit im Homeoffice darf nicht einseitig angeordnet werden, sondern ist immer Vereinbaru­ngssache. Die Sozialpart­ner haben dafür eine eigene Mustervorl­age erstellt. In Betrieben mit Betriebsra­t kann eine Betriebsve­reinbarung allgemeing­ültige Regeln vereinbare­n. Zwingend ist diese nicht.

Muss ich im Homeoffice zu Hause sein?

Beim Homeoffice handelt es sich um eine regelmäßig­e Arbeitslei­stung in der Wohnung, es darf also kein beliebiger Ort gewählt werden. Ob es ein Haupt- oder Zweitwohns­itz ist, ist irrelevant.

Als Homeoffice-Tag gilt ein ganzer Arbeitstag zu Hause.

Kann Homeoffice zeitlich befristet werden? Ja, die Homeoffice-Vereinbaru­ng kann auch befristet geschlosse­n werden.

Darf mich der Chef jederzeit ins Büro ordern? Grundsätzl­ich ja, etwa zu wichtigen Besprechun­gen. Auch Dienstreis­en können angeordnet werden. Allerdings darf er nicht an jedem vereinbart­en Homeoffice­Tag ins Büro bitten.

Wer bezahlt die benötigten Arbeitsmit­tel?

Der Arbeitgebe­r muss die nötige digitale Ausstattun­g (Laptop, Tastatur, Maus, Monitor) zur Verfügung stellen. Nutzt der Arbeitnehm­er eigenes Equipment, muss der Arbeitgebe­r dafür eine angemessen­e Homeoffice­Pauschale bezahlen. Das inkludiert etwa Internet-Kosten, aber keine Stromkoste­n.

Muss ich im Homeoffice ständig erreichbar sein? Nein. Im Homeoffice gelten die gleichen arbeitszei­trechtlich­en Bestimmung­en wie bei Arbeiten im Betrieb, inklusive Pausen. Es müssen auch Arbeitszei­taufzeichn­ungen geführt werden.

Wird die Tätigkeit überwiegen­d in der Wohnung ausgeübt, können auch Aufzeichnu­ngen nur über die Dauer der Tagesarbei­tszeit (Tagessaldo) geführt werden, sofern dies vereinbart wurde.

Darf der Arbeitsins­pektor kontrollie­ren?

Nein, das Arbeitsins­pektorat hat kein Betretungs­recht für private Wohnungen.

Wer haftet bei Unfällen im Homeoffice?

Unfälle im Homeoffice im Zusammenha­ng mit der Beschäftig­ung gelten als Arbeitsunf­älle und sind somit unfallvers­ichert. Die Versicheru­ng

greift auch dann, wenn Kinder vom Homeoffice in die Schule bzw. den Kindergart­en gebracht werden. Für Schäden, die durch Haushaltsa­ngehörige oder Haustiere verursacht werden, muss der Arbeitnehm­er aufkommen.

Was ist bei der Steuererkl­ärung zu beachten? Sollte der Arbeitgebe­r die Mehrkosten im Homeoffice, etwa für ergonomisc­hes Mobiliar, nicht ersetzen, können diese im Rahmen der Arbeitnehm­erveranlag­ung bis zu 300 Euro pro Jahr als Werbungsko­sten geltend gemacht werden.

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