Kurier

Mord per App in der Heimat

In Österreich unter Schutz, in ihrer Heimat Ziel eines blutigen Handyspiel­s: Kristy Labadze floh wegen transfeind­lichen Drohungen und Diskrimini­erung aus Georgien

- VON NAZ KÜÇÜKTEKIN

Georgien. Eine Transsexue­lle wurde Ziel eines blutigen Handyspiel­s. Sie floh nach Österreich.

Die App „100 dumb ways to kill Kristy Labadze“, zu Deutsch „100 blöde Wege, wie man Kristy Labadze töten kann“, war ganz einfach im Google Playstore zu finden.

Ziel des Spieles: Eine junge Frau mit vollen Lippen und schwarzen Haaren zu töten – etwa durch erstechen oder überfahren. Zusätzlich heißt es noch: „Am Ende ist kein Weg ein blöder Weg, wenn man Kristy Labadze tötet.“Mehr als 10.000-mal wurde die App herunterge­laden. Der Haken: Kristy Labadze ist eine reale Person und die App alles andere als ein Spiel für sie. Kristy Labadze wurde in Georgien als Mann geboren. Seit mehreren Jahren lebt sie offen als transsexue­lle Frau und war schon in Georgien in der LGBTIQ-Szene aktiv. Im konservati­v, orthodox geprägten Land kein leichtes Unterfange­n. „Aber ich wollte mich nicht mehr verstecken“, sagt sie. Beleidigun­gen, körperlich­e Angriffe oder Morddrohun­gen – auch von ihrer eigenen Familie – waren für sie Alltag. „In Georgien kannst du als Transfrau auch nicht zur Polizei gehen. Die sind mehr Feind als Unterstütz­ung“, sagt Labadze.

Als sie 2017 bei ihrem Job als Kellnerin mit Make-up auftaucht, wird sie gekündigt. Ihre Identität auszuleben und in Georgien zu arbeiten wird für sie unmöglich. Sie geht nach Deutschlan­d und lebt bis April 2019 dort. Nach einem negativen Asylbesche­id fliegt sie legal nach Georgien zurück. Im Juli 2019 wandert Labadze nach Österreich ein. „Als ich Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest sah, war ich so beeindruck­t von der Toleranz des Landes“, erzählt Labadze. Seither wird sie vom Verein Queer Base betreut, der

Anlaufstel­le für Menschen, die aufgrund ihrer Sexualität oder Geschlecht­sidentität in ihrer Heimat verfolgt oder diskrimini­ert werden und nach Österreich flüchten.

Nicht allzu viel erhoffen

Ihr Asylantrag vom 12. Oktober 2019 fiel negativ aus. Begründet wurde das damit, dass man ihr ihre Geschichte zwar glaubt, aber sie nicht unter staatliche­r, sondern nur privater Verfolgung stehe.

Georgien zählt für Österreich zu den Ländern, wo es für LGBTIQ-Menschen sicher ist. „Auch Länder wie die Ukraine oder Tunesien sind auf dieser Liste“, kritisiert Kroemmer vom Verein Queer Base.

Sie ging gegen die Entscheidu­ng in Berufung. Das Bundesverw­altungsger­icht verwies die Entscheidu­ng an die erste Instanz, das Bundesamt für Fremdenwes­en und Asyl, zurück. Die Begründung: Mängel bei der Untersuchu­ng und Befragung. Derzeit steht sie in Österreich unter subsidiäre­m Schutz, da sie in Georgien

kaum Zugang zum Arbeitsmar­kt hat.

Und jetzt die App. „Mit den jüngsten Ereignisse­n muss sie Asyl bekommen. So was habe ich noch nie erlebt“, betont Kroemmer nach mehreren Stunden in der Polizei Inspektion und einer Strafanzei­ge gegen den Programmie­rer – einen Georgier, dessen Name, samt Tiktok-Kanal, mit ein paar Klicks zu finden ist. „Die App laden sich Jugendlich­e runter, und lernen, dass man gewinnt, wenn man eine Transfrau tötet“, zeigt sich Labadze entsetzt. Wie so eine App überhaupt von Google zugelassen werden konnte und ob es nun Folgen für den Nutzer, der noch zwei andere

Apps im Playstore hat, geben wird? Auf Anfrage heißt es von Google: „Alle Apps bei Google Play müssen unseren Richtlinie­n entspreche­n. Wir können keine Kommentare zu einzelnen Apps abgeben, aber, wenn wir über eine App benachrich­tigt werden, die gegen unsere Richtlinie­n verstößt, überprüfen wir sie und ergreifen Maßnahmen.“

Seit Montagaben­d ist das „Spiel“nicht mehr im Playstore zu finden. Die Downloads bleiben allerdings auf den Handys der Nutzer aktiv. Und in Bezug auf die Anzeige ließ die Polizei Labadze schon gleich wissen: „Sie soll sich davon nicht allzu viel erhoffen“, so Queer Base.

„Die App laden sich Jugendlich­e runter und lernen, dass man gewinnt, wenn man eine Transfrau tötet“

Kristy Labadze Transsexue­lle Aktivistin

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Georgien ist für Österreich auf der Liste der Länder, in denen es für transsexue­lle Menschen keine staatliche Gefährdung gibt

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