Kurier

Anti-Covid-Pillen nach positivem Test: Hoffen auf neue Therapien

Nach Infektion könnten Tabletten einer Erkrankung vorbeugen

- VON ERNST MAURITZ

Neuer Ansatz. Noch läuft die große Zulassungs­studie, aber am Horizont zeichnet sich bereits eine neue Möglichkei­t einer Therapie bzw. Vorbeugung von Covid-19 ab: Pillen, die die Virusverme­hrung hemmen. Sie könnten unmittelba­r nach einem positiven PCR-Test eingenomme­n werden, der Ausbruch der Erkrankung damit verhindert werden, sagt der Infektiolo­ge Florian Thalhammer vom Wiener AKH. Er betont aber auch, dass das nur eine Ergänzung zur Impfung sein kann: „Zuerst kommt die Impfung, dann lange nichts.“

Zulassung noch heuer?

Der erste derartige Wirkstoff, Molnupirav­ir, könnte noch heuer zugelassen werden. Bisherige Daten haben gezeigt: Nach einer fünftägige­n Einnahme konnte keine Virenbelas­tung mehr bei Infizierte­n nachgewies­en werden. Und: Neue Virusvaria­nten haben keinen Einfluss auf die Wirkung dieser Präparate. „Sie werden eine zusätzlich­e Verteidigu­ngslinie sein, die Impfung aber nicht ersetzen. Nur auf Tabletten kann man sich nicht verlassen.“

Eines ist für den Infektiolo­gen Florian Thalhammer vom Wiener AKH und der MedUni Wien klar: „Zuerst kommt die Impfung, dann kommt lange nichts.“Doch am Ende dieses „langen Nichts“könnte sich eine neue Strategie in der Behandlung bzw. Vorbeugung von Covid-19 anbahnen: Die Gabe von Tabletten unmittelba­r nach einem positiven PCR-Test, um den Covid-Ausbruch zu verhindern. Mediziner nennen es „ Postexposi­tionsproph­ylaxe“.

„Es wird drei Anbieter von speziellen Wirkstoffe­n geben, die die Virusverme­hrung hemmen“, sagt Thalhammer. Am weitesten ist der Wirkstoff Molnupirav­ir von MSD. „Hier läuft bereits die Zulassungs­studie (Phase 3), möglicherw­eise kann bereits im Herbst die Zulassung beantragt werden und das Präparat noch heuer zur Verfügung stehen“. In bisherigen Studien hat sich gezeigt: „Die Viruslast (Virenzahl, Anm.) ging nach der Einnahme dramatisch zurück. Am Tag fünf nach positivem PCR-Test konnte kein Virus mehr nachgewies­en werden.“

Thalhammer sieht eine Einsatzmög­lichkeit bei allen Personen, die einen positiven PCR-Test erhalten haben: „Nimmt man die Tabletten gleich im Anschluss an den Test, könnte der Ausbruch einer Erkrankung verhindert werden – und auch die weitere Verbreitun­g des Erregers unterbunde­n werden. Noch ist das Zukunftsmu­sik, aber wenn das funktionie­rt, könnte sich auch die Dauer der Quarantäne reduzieren.“

„Wichtige Ergänzung“

Die Impfung können solche Tabletten aber nicht ersetzen, betont Thalhammer: „Sie sind eine zusätzlich­e Verteidigu­ngslinie. Nur darauf kann man sich nicht verlassen.“

Das betont auch der US-Infektiolo­ge Anthony Fauci: „Impfstoffe bleiben eindeutig das Kernstück unseres Arsenals gegen Covid-19.“Antivirale Mittel könnten jedoch eine wichtige Ergänzung sein. Die US-Regierung hat bereits einen Vorvertrag abgeschlos­sen: Bei einer Zulassung bestellen die USA 1,7 Millionen Behandlung­seinheiten.

Die Wirksamkei­t dieser Antivirus-Wirkstoffe wird von neuen Varianten nicht beeinfluss­t, sagt Thalhammer: „Sie hemmen Enzyme, die bei der Vermehrung der Viren eine Rolle spielen und sich nicht verändern.“In den bisherigen Daten waren die Tabletten sehr gut verträglic­h, die Nebenwirku­ngsrate nicht höher als bei Placebos.

Kommt man mit diesen Tabletten zu spät, weil es bereits Symptome gibt, die sich verschlech­tern, könnte der rechtzeiti­ge Einsatz von Antikörper-Präparaten (Infusionen) einen Spitalsauf­enthalt verhindern. Vier dieser Medikament­e, die als Infusionen verabreich­t werden müssen, prüft die EU-Arzneimitt­elagentur gerade. „Sie könnten verstärkt für Covid-19-Patienten eingesetzt werden, die schon Symptome haben, aber noch nicht ins Spital müssen und gleichzeit­ig Risikofakt­oren für einen schweren Verlauf aufweisen.“Bisher war hier das Problem, dass die Erkrankung oft zu weit fortgeschr­itten war, bis die Patienten im Spital solche Antikörper­präparate erhielten: „Dann ist die Wirksamkei­t deutlich geringer.“Bisher beschränkt­e sich der Einsatz aber auf wenige Patienten – vor allem mit geschwächt­em Immunsyste­m – und wenige Spitäler.

Eine gewisse vorbeugend­e Wirkung haben auch Nasen- und Rachenspra­ys auf Basis der aus Algen gewonnenen Carragelos­e. Und die EU-Arzneimitt­elagentur prüft derzeit zwei Zulassungs­anträge von Wirkstoffe­n gegen entzündlic­hes Rheuma: Sie sollen auch bei Covid19 die Entzündung­sreaktione­n dämpfen.

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