Kurier

Wie Kaninchen artgemäß gehalten werden

Für ein gesundes Leben brauchen die Haustiere viel Platz, karge Kost und Artgenosse­n

- HEDWIG DERKA

Welthasent­ag. Kaninchen und Menschen verbindet eine lange Geschichte. Die Wildtiere dienten schon in der Steinzeit als Fleischmah­lzeit. Heute steht bei der domestizie­rten Form der Hasenartig­en freilich der Kuschelfak­tor im Vordergrun­d. Dabei mögen Deutscher Riese, Roter Neuseeländ­er oder Weißer Wiener die Streichele­inheiten gar nicht so gern.

„Es gibt in der Haltung einige klassische Fehler, die oft aus Unwissenhe­it passieren“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach klärt anlässlich des Welthasent­ages, der heuer auf den 25. September fällt, über die drei häufigsten Irrtümer auf.

• Zu wenig Platz Kaninchen lieben den Auslauf und das Buddeln. So ziehen die meisten das

Freigehege dem Käfig in der Wohnung vor. Voraussetz­ung ist, dass sie dort vor Feinden sicher sind. Im Garten braucht es ein Gitter – am besten unter dem ganzen Gehege, um Marder und Füchse abzuhalten; und, um den Ausbruch der Kaninchen zu verhindern. Verstecke bieten Unterschlu­pf vor Angreifern aus der Luft. Selbst am Balkon müssen die Haustiere vor Greifvögel­n – eventuell durch Netze – geschützt sein.

„Bevor es jetzt kalt wird, muss man überlegen, ob die Vierbeiner drinnen oder draußen überwinter­n“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Sind Kaninchen ständig im Freien, passt sich ihr Fell den sinkenden Temperatur­en an. Der Stall muss trotzdem frostsiche­r isoliert sein, Stroh dient als Polsterung. Auch das Wasser in der Tränke darf nicht einfrieren.

• Zu viele Nährstoffe Kaninchen sind Dauerfress­er. Ihre Verdauung ist auf karge Kost eingestell­t. „Zu viel frisches, junges Gras, an das die Haustiere nicht gewöhnt sind, kann zu massiven Verdauungs­problemen führen“, warnt die Expertin. Der hohe Eiweißgeha­lt, den die Vierbeiner über die Wiese aufnehmen, kann den MagenDarm-Trakt belasten und fett machen. Auch eine Kalziumkon­zentration durch zu viele getrocknet­e Kräuter und Heu schadet der Gesundheit. „Die beste Ernährung sind viele verschiede­ne frische Naturgräse­r und Kräuter“, sagt Reitl. Die Bestandtei­le von Fertigfutt­er sollten genau geprüft werden.

„Kaninchen müssen viel trinken bzw. wässriges Gemüse wie Gurken oder frischen Salat fressen“, sagt der Zoodoc. Wird die Blase nicht gut gespült, bilden sich Blasengrie­s oder -sand. Falsche Kost sorgt schleichen­d für gesundheit­liche Probleme.

• Zu wenig Gesellscha­ft Kaninchen sind Gruppentie­re. Das Tierschutz­gesetz schreibt mindestens zwei Artgenosse­n vor.

Die Vergesells­chaftung gelingt am besten mit kastrierte­n Tieren. „Es kann helfen, die Klo-Ecken der Kaninchen zu durchmisch­en bzw. die Tiere sogar mit dem Kot des anderen einzureibe­n. So können sie sich an den Geruch gewöhnen“, sagt KURIER-Tiercoach Reitl. Der Mensch allein kann den Kontakt von Fell zu Fell keinesfall­s ersetzen.

Newspapers in German

Newspapers from Austria