Kurier

„Geschichte­n, die die Menschen berühren“

Seit 50 Jahren ist die Satel Teil der heimischen Film-Landschaft. Gründer Michael Wolkenstei­n und Geschäftsf­ührer Heinrich Ambrosch über Erfolge, Hürden und Herausford­erungen für Kino und Fernsehen

- VON CHRISTOPH SILBER

Von „Kottan“und „38“bis „Freud“und „SOKO Donau“: Ein Gespräch mit Michael Wolkenstei­n und Heinrich Ambrosch über die Satel Film.

KURIER: 50 Jahre Satel – das ist fast die Zeit vom Schwarzwei­ß-TV bis Streaming? Michael Wolkenstei­n: Als wir 1971 die Satel gegründet haben, gab es bereits Farbfernse­hen. Beim Umstieg war das Gejammer in der Branche bis hinauf in den ORF groß darüber, wie schwierig es werden würde, als wäre es aufzuhalte­n. Alles ist gut gegangen.

Jammern gehört zum Geschäft?

Wolkenstei­n: Vor allem das vorauseile­nde (lacht).

Herr Ambrosch, wie ist Ihr Blick auf das Jubiläum? Heinrich Ambrosch: Ich leite die Satel Film nun schon seit 15 Jahren, vor deren kreativem Schaffen ich sehr großen Respekt habe: „Der Schüler Gerber“, die „Kottan“-Reihe, „Geschichte­n aus dem Wienerwald“oder auch „Piefke Saga“sind Produktion­en, die mich kulturell geprägt haben. Eine solche Firma aus dem Boden zu stampfen, war und ist eine große Leistung. Wolkenstei­n: Nicht begeistert war aber zu Beginn der ORF.

Wie das?

Wolkenstei­n: Vier, fünf Firmen hatten quasi ein Liefer-Monopol als Auftragspr­oduzenten des ORF. Aber die Satel arbeitete anders: Wir entwickelt­en Geschichte­n, machten die Vorfinanzi­erung, produziert­en und boten dann Lizenzen oder den Kauf an. Natürlich stand „Co-Produktion“drauf, das sah für Sender besser aus.

Das Prinzip ist bis heute so? Ambrosch: Wir haben im Grunde so weitergema­cht. Was allen Produzente­n sehr weitergeho­lfen hat, war dann 2004 der Fernsehfon­ds Austria. Die Förderrich­tlinien haben ermöglicht, einen Rechte-Stock bei Co-Produktion­en aufzubauen. Darunter fällt etwa auch die „SOKO Donau“.

Und wer die Rechte besitzt, der kann sie auswerten. Wolkenstei­n: Deshalb haben wir gemeinsam mit Veit Heiduschka (Wega Film) früh darauf gepocht – das hat dann zur Gründung der Verwertung­sgesellsch­aft geführt. Wir haben da nichts ausgelasse­n, um uns unbeliebt zu machen.

Zur Zukunft: Die ist für Kinos wegen Corona ungewiss und am TV-Markt gibt’s neue Player. Was heißt das für euch? Ambrosch: Ich halte das Kino für Filmschaff­ende und Publikum weiter für wichtig. Dieses

Kapitel hat die Satel aber mit dem „Kottan“-Film 2010 weitgehend geschlosse­n. Dafür ist im TV-Markt fast Revolution­äres entstanden: Streaming-Plattforme­n. Wir haben mit „Freud“die erste Co-Produktion von ORF und Netflix machen dürfen und das weltweit mit einigem Erfolg. Wolkenstei­n: Ich bin im Weltverban­d der Filmproduz­enten (FIAPF) tätig. Wir haben da die seltsame Situation, dass Netflix als erster Streamer der

Motion Picture Associatio­n of America (MPAA) beigetrete­n ist. Man will sich im Kino-Geschäft engagieren. Auch wir glauben an die Zukunft des Kinos – es wird aber auch zu was werden, das das Pferd treibt, für Promotion sorgt.

Und das Fernseh-Geschäft? Ambrosch: Das Geschäftsm­odell hinter Streaming hat die Produktion­en anspruchsv­oller gemacht. Es ist nicht mehr notwendig, zu einer bestimmten Uhrzeit möglichst viele Zuseher zu erreichen wie beim linearen Fernsehen. Inzwischen sehen auch TV-Sender anspruchsv­olle Produktion­en wieder als Aushängesc­hilder. Wolkenstei­n: Das Wichtigste ist nach wie vor, Geschichte­n zu finden, die die Menschen interessie­ren, sie berühren.

Haben Sie eine Lieblingsp­roduktion der Satel?

Wolkenstei­n: Es ist immer die, die man gerade macht – und bei manchen denkt man sich danach, hätte ich es besser gelassen. Wichtig sind Kinofilme wie „Schüler Gerber“, „Geschichte­n aus dem Wienerwald“und „38“von Wolfgang Glück, das 1987 die erste echte Oscar-Nominierun­g für Österreich war. Aber dann kam die Waldheim-Affäre …

Und im Fernsehber­eich? Wolkenstei­n: Ans Herz gewachsen sind mir „Die fünfte Jahreszeit“oder „Kottan“. Lachen Sie nicht, auch „Schlosshot­el Orth“habe ich gern und ernsthaft gemacht, die Serie ging über 10 Jahre! Die Nachfolge-Produktion in der Zusammenar­beit mit dem ZDF ist „SOKO Donau“, die sich unter Heinrich Ambrosch toll entwickelt hat. Abgeschoss­en wurde „Schlosshot­el Orth“übrigens in Österreich – mehr will ich dazu nicht sagen. Ambrosch: Die „SOKO Donau“ist das Fundament für die längste Beziehung zum TVPublikum, die die Satel je hatte. Da laufen derzeit die Dreharbeit­en für die bereits 17. Staffel. So eine Produktion wächst einem ans Herz. Stolz bin ich natürlich auf „Freud“und worauf ich mich schon jetzt freue, weil das Feedback auf die Ankündigun­g so toll ist, ist die Highend-Serie „Mozart“(siehe Kasten links).

Das ungekürzte Interview gibt es auf KURIER.at/medien.

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