AT­TEN­TA­TE AUF HIT­LER

Kurier Magazine - Die 8er Jahre - - INHALT - VON GE­ORG MAR­KUS

40 An­schlä­ge wa­ren auf den „Füh­rer“ge­plant. Kei­ner ge­lang.

Hun­dert­tau­sen­de Men­schen, die im Krieg star­ben oder er­mor­det wur­den, hät­ten mög­li­cher­wei­se ge­ret­tet wer­den kön­nen, wenn ei­ner der rund 40 An­schlä­ge, die auf den „Füh­rer“ge­plant wa­ren, ge­lun­gen wä­re. Doch der hat­te im­mer wie­der unglaubliches Glück, manch­mal ging es nur um Mi­nu­ten, die das Le­ben des Mas­sen­mör­ders si­cher­ten.

NIE GE­GLÜCKT. Rund 40 At­ten­ta­te wur­den auf Hit­ler ge­plant oder ver­übt – aber er kam im­mer wie­der mit dem Le­ben da­von. Hun­dert­tau­sen­de, ja Mil­lio­nen Men­schen hät­ten mög­li­cher­wei­se über­lebt, wä­re ei­ner der An­schlä­ge ge­glückt. Hier wer­den die wich­tigs­ten (und best­do­ku­men­tier­ten) auf­ge­zählt:

No­vem­ber 1921 Bei ei­ner Saal­schlacht wer­den in­fol­ge ei­ner het­ze­ri­schen Re­de ge­zielt meh­re­re Pis­to­len­schüs­se auf Hit­ler ab­ge­ge­ben. Der Tä­ter ent­kommt un­er­kannt.

Jän­ner 1923 Im Ber­li­ner Ho­tel Kai­ser­hof wird das Es­sen an Hit­lers Tisch ver­gif­tet. Al­le über­le­ben, die Tä­ter blei­ben un­be­kannt.

1923 In Tü­bin­gen wird auf Hit­ler ge­schos­sen.

15. März 1932 Un­be­kann­teTä­ter­feu­ern Schüs­se auf den Zug Mün­chen–Wei­mar, in dem Hit­ler ver­mu­tet wird.

9. Fe­bru­ar 1933 Der „Füh­rer“er­hält vom deut­schen Ex-Kom­mu­nis­ten Lud­wig Aß­ner ei­nen Brief, der ei­ne gif­ti­ge Sub­stanz be­inhal­tet. Hit­ler wird recht­zei­tig ge­warnt.

4. März 1933 Kom­mu­nis­ten pla­nen in Kö­nigs­berg ei­nen Spreng­stoff­an­schlag, wer­den aber ver­ra­ten und fest­ge­nom­men.

1933 Un­be­kann­te schie­ßen auf den Wa­gen des „Füh­rers“. Die Tä­ter ent­kom­men. Nie­mand wird bei die­sem An­schlag ver­letzt.

21. März 1933 Un­be­kann­te bau­en in Pots­dam ei­nen Tun­nel, von dem aus Hit­ler in die Luft ge­sprengt wer­den soll. Der Tun­nel wird ent­deckt.

1934 Dr. Hel­muth My­li­us plant mit an­de­ren Op­po­si­tio­nel­len ei­nen An­schlag in Ber­lin. Die Grup­pe wird vor der Aus­füh­rung ver­haf­tet.

Mai 1935 Die „Grup­pe Mark­witz“will Hit­ler tö­ten, wird je­doch von der Gesta­po er­kannt und ver­haf­tet. Al­le Mit­glie­der wer­den hin­ge­rich­tet.

De­zem­ber 1937 Der Stu­dent Hel­mut Hirsch wird hin­ge­rich­tet, weil er ein Spreng­stoff­at­ten­tat auf Hit­ler ge­plant ha­ben soll.

26. No­vem­ber 1937 Ei­nem Mann ge­lingt es, mit ge­la­de­ner Pis­to­le bis vor Hit­lers Ar­beits­zim­mer in der Reichs­kanz­lei vor­zu­drin­gen. Er wird ab­ge­fan­gen und fest­ge­nom­men. Sein Schick­sal ist un­ge­wiss.

1937 Ein Un­be­kann­ter pos­tiert ei­ne Bom­be an der Red­ner­tri­bü­ne im Sport­pa­last Ber­lin. Der An­schlag miss­lingt.

28. Sep­tem­ber 1938 Hit­ler soll durch ei­nen Stoß­trupp un­ter der Füh­rung von Ma­jor Fried­rich Heinz und Kor­vet­ten­ka­pi­tän Franz Lie­dig er­schos­sen wer­den. Der Plan wird ver­wor­fen.

No­vem­ber 1938 Der Schweizer Stu­dent Mau­rice Ba­vaud will Hit­ler in Mün­chen er­schie­ßen, kommt aber nicht na­he ge­nug an ihn her­an.

1938–1940 Ge­heim­dienst­chef Wil­helm Ca­na­ris be­für­wor­tet Um­sturz­plä­ne, lehnt aber ein At­ten­tat auf Hit­ler ab. Er wird im April 1945 hin­ge­rich­tet.

10. Sep­tem­ber 1939 Ge­ne­ral Kurt von Ham­mer­stein-Equord teilt Ge­ne­ral Lud­wig Beck mit, dass es beim Be­such Hit­lers bei der Hee­res­grup­pe A zu­ei­nem „tra­gi­schen Un­fall“kom­men wer­de. Hit­lers Be­such wird ab­ge­sagt.

8. No­vem­ber 1939 Zwei Mo­na­te nach dem Über­fall deut­scher Trup­pen auf Po­len schei­tert das Bom­ben­at­ten­tat des Tisch­lers Ge­org El­ser im Münch­ner Bür­ger­bräu­kel­ler, da Hit­ler das Lo­kal frü­her als ge­plant ver­lässt. Zwei Per­so­nen wer­den ge­tö­tet, 63 ver­letzt. El­ser wird am 9. April 1945 hin­ge­rich­tet.

11. No­vem­ber 1939 Der Di­plo­mat Erich Kordt will sich mit Hit­ler in der Reichs­kanz­lei in die Luft spren­gen. Als Fol­ge des El­ser-At­ten­tats wur­den aber die Si­cher­heits­vor­keh­run­gen ver­schärft, so­dass der Ver­such miss­lingt.

27. Ju­ni 1940 In Pa­ris ist ei­ne Wehr­machts­pa­ra­de ge­plant, wäh­rend der Fritz von der Schu­len­burg und Eugen Gers­ten­mai­er Hit­ler er­schie­ßen sol­len. Die Pa­ra­de fin­det nicht statt.

21. Mai 1941 Auch der zwei­te Ver­such, Hit­ler in Pa­ris zu tö­ten, schei­tert dar­an, dass der „Füh­rer“sei­nen Be­such un­er­war­tet ab­sagt.

1942 So­wje­ti­sche Flug­zeu­ge be­schie­ßen Hit­lers „Fo­cke-Wulf 200“bei ei­nem Front­be­such. Der „Füh­rer“ent­kommt un­ver­sehrt.

13. März 1943 Oberst Hen­ning von Tre­sckow schmie­det ei­nen mehr­stu­fi­gen Plan, den Dik­ta­tor zu li­qui­die­ren. „Deutsch­land und die Welt von dem größ­ten Ver­bre­cher der Welt­ge­schich­te zu be­frei­en, ist den Tod ei­ni­ger we­ni­ger Un­schul­di­ger wert“, er­klärt von Tre­sckow, ne­ben Graf St­auf­fen­berg die zen­tra­le Fi­gur des mi­li­tä­ri­schen Wi­der­stands ge­gen den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus. Doch auch sei­ne At­ten­tats­plä­ne sind zum Schei­tern ver­ur­teilt.

1943 Meh­re­re Of­fi­zie­re wol­len ei­nen Front­be­such nüt­zen, um Hit­ler zu tö­ten. Der sagt den Be­such im letz­ten Mo­ment ab.

21. März 1943 Bei ei­ner Aus­stel­lungs­er­öff­nung in Ber­lin will sich der Of­fi­zier Ru­dolf von Gers­dorff mit Hit­ler und an­de­ren Na­zi­grö­ßen in die Luft spren­gen. Hit­ler ver­lässt das Ge­bäu­de vor­zei­tig.

16. De­zem­ber 1943 Haupt­mann Axel von dem Bus­sche plant, Hit­ler bei ei­ner Uni­form­vor­füh­rung mit ei­ner Hand­gra­na­te zu tö­ten. Die Vor­füh­rung wird kurz­fris­tig ab­ge­sagt.

11. März 1944 Haupt­mann Eberhard von Brei­ten­buch, der Ge­ne­ral­feld­mar­schall Ernst Busch auf den Berg­hof be­glei­tet, plant, Hit­ler dort zu er­schie­ßen. Er wird als ein­fa­cher Or­don­nanz­of­fi­zier nicht ein­ge­las­sen.

20. Ju­li 1944 Oberst Claus Schenk Graf von St­auf­fen­berg, schon seit 1943 an der Spit­ze des deut­schen Wi­der­stan­des, ver­übt – nach meh­re­ren miss­lun­ge­nen At­ten­tats­ver­su­chen – in ei­ner Ba­ra­cke des Füh­rer­haupt­quar­tiers Wolfs­schan­ze in Ost­preu­ßen ein Bom­ben­at­ten­tat. Hit­ler be­fin­det sich in ei­nem Ne­ben­ge­bäu­de und wird nur leicht ver­letzt. St­auf­fen­berg wird stand­recht­lich er­schos­sen.

Wa­ren die At­ten­tä­ter Hel­den oder Ver­bre­cher? Sie wa­ren na­tür­lich Hel­den, vie­le von ih­nen wur­den nach­träg­lich als Wi­der­stands­kämp­fer an­er­kannt. Zwar hat die ka­tho­li­sche Kir­che den Ty­ran­nen­mord nie le­gi­ti­miert, sie er­kennt aber Wi­der­stand, der sich auf das Ge­wis­sen und das Ge­mein­wohl des Vol­kes be­ru­fen kann, an. Das gilt im Fall ei­nes Mas­sen­mör­ders wie Hit­ler auch dann, wenn es als letz­tes Mit­tel kei­nen an­de­ren Aus­weg als die Tö­tung gibt.

Die von Ge­org El­ser (Fo­to oben) ge­bau­te Bom­be ex­plo­dier­te we­ni­ge Mi­nu­ten nach Hit­lers Re­de am 8. No­vem­ber 1939 im Münch­ner Bür­ger­bräu­kel­ler (gro­ßes Bild). Der „Füh­rer“hat­te das Po­di­um vor­zei­tig ver­las­sen

Claus Schenk Graf von St­auf­fen­berg be­zahl­te das Hit­ler-At­ten­tat vom 20. Ju­li 1944 mit sei­nem Le­ben

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