Ein Haus für Men­schen

RICH­TUNGS­WEI­SEND ES BAUJUWEL

Kurier Magazine - Architektur - - Otto Wagner -

Im Um­feld der opu­len­ten Ring­stra­ßen pa­lais wuchs ab 1904 ein bei­spiel­lo­ser Bau aus Zie­gel und Stahl­be­ton in die hö­he. Ar­chi­tek­ten­wie­le Cor­bu­si­er und Frank Lloyd Wright soll­ten spä­ter nach Wi­en kom­men, nur­um­zu­se­hen, wasot­to­wag­ner­da am Ge­org-coch-platz er­dacht und ge­plant hat­te: Je­des Bau-und Auss tat tungs­de­tail­wa rei­ne Re­duk­ti­on auf das We­sent­li­che. Funk­tio­na­li­tät war in der Ar­chi­tek­tur da­mals bei Wei­tem nicht un­be­kannt, aber Wag- ner ver­stand es, ihr das Trost­lo­se zu neh­men und Äs­t­he­tik zu ge­ben.

SCHATZ­TRU­HE.

Das gan­ze Kon­zept des Baus ba­siert auf Ma­te­ri­al­öko­no­mie und Zweck­mä­ßig­keit. Die Fas­sa­de mit den Mar­mor­ta­feln und den an Ei­sen­bol­zen er­in­nern­de Ap­pli­ka­tio­nen lässt das Haus selbst wie ei­nen Geld­spei­cher wir­ken. Im In­ne­ren for­men sich die Ge­blä­se der Zen­tral­hei­zung zu fu­tu­ris­ti­schen Skulp­tu­ren, das Glas­dach über der Kas­sen­hal­le und ein Bo­den aus Glas­bau­stei­nen füh­ren das Licht bis in den Kel­ler. Es sind die ein­ge­setz­ten Ma­te­ria­li­en, die Wa­g­ners funk­tio­na­ler Bau­wei­se zu ih­rer un­ver­kenn­ba­ren Äs­t­he­tik und In­di­vi­dua­li­tät ver­hel­fen .„ Merk­wür­dig, wie gut die men­schen hier­hin ein­pas­sen “, soll Franz Jo­seph I. er­staunt kom­men­tiert ha­ben. Der An­ek­do­te nach blieb Wa­gner ihm kei­ne Ant­wort schul­dig :„ ja, Ma­jes­tät, das ist der Sinn der mo­der­nen ar­chi­tek­tur–dass sie zu den mo­der­nen men­schen passt .“

Mit der Pla­nung der Post­spar­kas­se läu­te­te Ot­to Wa­gner ei­ne Ar­chi­tek­tur­epo­che ein, die sich vom Prunk ver­gan­ge­ner Zei­ten ver­ab­schie­de­te und in der Funk­tio­na­li­tät ei­ne neue Schön­heit fand.

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