Kei­ne spon­ta­ne Ein­ge­bung

Prof. Mat­thi­as Boeckl über Frank Gehrys be­ein­dru­cken­de Si­gna­tu­re.

Kurier Magazine - Architektur - - Frank Gehry -

Frank Gehry ge­hört un­be­strit­ten zu den er­folg­reichs­ten und be­deu­tends­ten Ar­chi­tek­ten un­se­rer Zeit. Was aber ma­chen ihn und sei­ne Bau­wer­ke so er­folg­reich? Mat­thi­as Boeckl:

Sein Er­folg wur­zelt in sei­ner Fä­hig­keit, das tech­nisch-krea­ti­ve Den­ken sei­ner Zeit durch neue Ent­wurfs­me­tho­den, in­no­va­ti­ve Tech­no­lo­gi­en, ge­sell­schaft­li­che Re­le­vanz und ei­ne neue Äs­t­he­tik zu be­rei­chern – und da­mit letzt­lich ei­nen gro­ßen öf­fent­li­chen Mehr­wert im Ver­gleich zum kon­ven­tio­nel­len Bau­en her­zu­stel­len.

Gibt es ein Merk­mal, wor­an man ei­nen Gehry-ent­wurf so­fort er­ken­nen kann?

Sei­ne be­kann­tes­te Si­gna­tu­re sind zwei­fel­los die ver­dreh­ten, ge­knick­ten und ge­fal­te­ten Bau­kör­per, die in sei­nen Pro­jek­ten ein­an­der durch­drin­gen, sich auf­tür­men und pla­ka­tiv mit­ein­an­der kol­li­die­ren. In der Car­toon-se­rie „The Simpsons“wur­de die­se Ent­wurfs­me­tho­de hu­mo­ris­tisch dar­ge­stellt, in­dem Gehry ein Stück Pa­pier zu­sam­men­knüllt und weg­wirft – erst beim zwei­ten Blick auf das zer­knüll­te Ob­jekt er­kennt er dar­in plötz­lich das Mo­dell ei­nes Bau­werks, das er dann tat­säch­lich rea­li­siert. Der lan­ge rea­le Ent­wick­lungs­weg zu die­sem For­men­kos­mos war aber na­tür­lich auch funk­tio­nal mo­ti­viert und kei­ne „spon­ta­ne“Ein­ge­bung.

Im­mer wie­der wird im Zu­sam­men­hang mit Gehry die Fra­ge auf­ge­wor­fen: Ar­chi­tekt oder Künst­ler?

Selbst­ver­ständ­lich ist je­der große ar­chi­tekt auch ein gro­ßer Künst­ler, Ar­chi­tek­tur ist auch ei­ne künst­le­ri­sche Dis­zi­plin wie Ma­le­rei oder Ob­jekt­kunst. Da­her kann es hier kein „oder“ge­ben, son­dern nur ein „auch“.

Wenn Sie Gehry jetzt ei­ne ein­zi­ge Fra­ge stel­len könn­ten, wel­che wä­re das?

Ich wür­de ihn fra­gen, ob er sich 1977, als er be­gann, sein in San­ta Mo­ni­ca er­wor­be­nes Wohn­haus aus den 1920er-jah­ren um­zu­bau­en, hät­te vor­stel­len kön­nen, welch spek­ta­ku­lä­re Fol­gen sei­ne da­bei ent­wi­ckel­te Ar­beits­wei­se ha­ben wür­de.

Mat­thi­asBoeckl ist Chef­re­dak­teur des in­ter­na­tio­na­len Fach­ma­ga­zins ar­chi­tek­tur. ak­tu­ell (www.ar­chi­tek­tur-ak­tu­ell.at) und Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät für an­ge­wand­te Kunst in Wi­en.

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