Fei­nes Händ­chen

Wie Rem Kool­haas die Ar­chi­tek­tur be­ein­flusst? SVFS* von der TU Wi­en ge­ben Ant­wor­ten.

Kurier Magazine - Architektur - - Rem Koolhaas -

Re­mKool­haa­si st ei­ner der ein­fluss­reichs­ten Ar­chi­tekt der Welt. Was macht sein Schaf­fen so ein­zig­ar­tig und was ist das Ge­heim­nis sei­nes Er­fol­ges? SVFS:

Er be­weist stets ein fei­nes Händ­chen da­für, in­wie­weit ei­ne Neu in­ter­pre­ta­ti­on an­ge­mes­sen ist oder ob ein kon­zept ei­ner aus­ar­bei­tung in„ sei­ner“Sphä­re be­darf. Ob bei­spiels­wei­se er­folg­rei­ches tra­te­gi­end er klas­si­schen Mo­der­ne wei­ter ge­tra­gen wer­den, die Vor­be­rei­tung der Post­mo­der­ne, ein Flirt mit dem Sur­rea­lis­mus, In­ter­pre­ta­tio­nen von Gil­les De­leu­zes phi­lo­so­phi­schen Kon­zep­ten … Er über­setzt au fei­ne an­de­re ebe­ne als ur­sprüng­lich in­ten­diert, was als wich­ti­ge Ges­te im Schaf­fen von Ar­chi­tek­tur wir­ken kann, als kul­tur­schaf­fend.

Was ist sein wich­tigs­ter Bei­trag zur zeit­ge­nös­si­schen Ar­chi­tek­tur?

Große Ges­ten und un­ge­kann­te Kon­zep­te sind im­mer auch Wag­nis. Sol­che treibt er gern vor­an und prägt da­mit auch die Rol­le des Ar­chi­tek­ten als In­tel­lek­tu­el­ler: als Den­ker vor Di­enst­leis­ter. Wich­ti­ge Bei­trä­ge sind bei­spiels­wei­se „De­li­rious New york “, die wei­ter­ent­wick­lung der mo­der­ne, be­son­ders von Le Cor­bu­si­ers Prin­zi­pi­en, so­wie die Sha­pe-ver­sus-form-dis­kus­si­on, die sich um den Bau des CCTV Head­quar­ter ent­spon­nen hat.

Gibt es ei­ne Si­gna­tu­re, an der man ei­nen Kool­haasEnt­wurf er­ken­nen kann?

Mehr als um ei­ne For­men­spra­che, die ver­läss­lich den Na­men ei­nes Ar­chi­tek­ten schreit, geht es bei Kool­haas um eben­je­nen Pro­zess, bei dem ein ge­dreht und ge­wen­de­ter ge­dan­ke zu ent­wurf und schließ­lich zum Ge­bäu­de wird. Mehr als man­che Zeit­ge­nos­sen re­agiert er auf Zei­chen der Zeit, die er zum Bei­spiel in ei­ner mo­der­nis­ti­schen For­men­spra­che dis­ku­tiert. Er kann ei­ner Pro­ble­ma­tik da­mit of­fen be­geg­nen, das er­geb­nis ist zum glück erst­mal of­fen.

Wor­in un­ter­schei­det sich die Mu­se­ums ar­chi­tek­tur von Kool­haas von der von Frank Gehry?

Kunst­hal­le Rot­ter­dam ver­sus Bil­bao Mu­se­um: hier die spek­ta­ku­lä­re, dort die über­di­men­sio­nier­te, for­ma­lis­ti­sche Ges­te. Kool­haas war einst Dreh­buch­au­tor, man könn­te sa­gen, dass er die Ab­läu­fe dra­ma­tur­gisch denkt, die Kon­zep­ti­on der Au­ßen­hül­le kommt da­bei erst spä­ter ins Spiel. Gehry baut kom­ple­xe Mo­del­le, lässt sie prä­zi­se di­gi­ta­li­sie­ren und als sol­che wer­den sie dann auch rea­li­siert.

*SVFSi st­ei­ne Grup­pe des Fach­be­reich s Ar­chi­tek­tur theo­rie und Tech­nik phi­lo­so­phie vom In­sti­tut für Ar­chi­tek­tur wis­sen­schaf­ten, Tech­ni­sche Uni Wi­en: Bsc. Ma­rie Scham­böck, Mag. Vil­la Ric­car­do, Dr. Kris­ti­an Fa­schin­ge­der, Sen. Sci. Dr. Oli­ver Schü­rer

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