Bjar­ke In­gels

Kurier Magazine - Architektur - - Inhalt - VON ANJA GE­RE­VI­NI

Spie­le­ri­sche tref­fen kla­re, pla­ka­ti­ve und prag­ma­ti­sche Ide­en

Für Bjar­ke In­gels sind we­der Avant­gar­de noch zweck­mä­ßi­ge Bau­ten der rich­ti­ge Weg. Je­des Pro­jekt wird neu durch­dacht. So führt der Dä­ne die Ar­chi­tek­tur in ei­ne neue Sphä­re.

Wer Le Cor­bu­si­er, Rem Koohl­haas und Ba­rack Oba­ma ein­fach in ei­ne schwarz-wei­ße Co­mi­cwelt ver­setzt, zeigt, was er von Kon­ven­tio­nen hält. Nicht viel näm­lich. Bjar­ke In­gels, von den me­di­en als shoot ing star der ar­chi­tek­tur sze­ne ge­hypt,hats ei­ne Phi­lo­so­phie über dasb au­en nicht in worte­ge- fasst, son­dern mit Bil­dern ver­se­hen. Sein Ma­ni­fest „Yes is mo­re“kommt in Form ei­nes Co­mics da­her. „Als Kind woll­te ich im­mer Co­mic­zeich­ner wer­den“, er­zählt­der43-jäh­ri­ge­dä­ne.„mit der Zeit merk­te ich aber, dass in den meis­ten Co­mics und Gra­phic No­vels fast nur Men­schen und Tie­re vor­kom- men. Die Ar­chi­tek­tur fehlt kom­plett. Al­so hab eich be­schlos­sen, ge­nau das zu stu­die­ren.“Um sei­ne Idee vom Bau­en zu er­klä­ren, hat Bjar­ke In­gels dann doch­wie­der­zu­blei- un­d­tu­sche­stif­ten ge­grif­fen. Es ist wohl das ers­te mal, dass Ar­chi­tek­tur theo­rie mit so­viel Au­gen­zwin­kern dar­ge­stellt wird.

AN­DE­RER WEG.

Un­kon­ven­tio­nell ist auch in­gels her­an­ge­hens­wei­se an das Pla­nen. In ei­nem In­ter­view sag­te er, dass das Ra­di­ka­le an sei­nen Ent­wür­fen ein­fach nur die Tat­sa­che sei, dass er al­le glück­lich ma­chen wol­le. Da­her auch sein Mot­to „Yes ist mo­re“, das na­tür­lich ei­ne An­leh­nung an die be­rühm­te Äu­ße­rung „Less ist mo­re“ist. Un­mög­lich ist in den Au­gen des Ar­chi­tek­ten, der88.200fol­low er auf

Twit­ter hat, nichts. Man müs­se halt nur or­dent­lich dar­über nach­den­ken. „So wie man bei der Soft­ware-pro­gram­mie­rung be­strebt ist, im­mer kür­ze­re co­des für im­mer kom­ple­xe­re In­hal­te zu­schrei­ben, so ver­su­chen wir in der Ar­chi­tek­tur den ma­xi­ma­len Ef­fekt mit mög­lichst we­nig Mit­teln zu er­rei­chen“, fasst Bjar­ke In­gels zu­sam­men. „Das Ma­xi­mum an Mög­lich­kei­ten mit ei­nem Mi­ni­mum an In­vest­ment.“Das ist wohl der Grund, war­um Bau­her­ren ihn so schät­zen, vor al­lem, wenn es um so­zia­le wohn­bau pro­jek­te geht. Moun­tain Dwel­ling ist ein Bei­spiel. Die­auf­ga­be­war, mög­lichst­viel Wohn­raum mit ge­nü­gend Park­plät­zen zu schaf­fen. In­gels An­lie­gen war, dass der Aus­blick für al­le Be­woh­ner- gleich sein soll­te. Kei­ner soll­te auf graue Mau­ern der Ga­ra­ge bli­cken müs­sen. Die Lö­sung wird von Kri­ti­kern als Auf­lö­sung der tra­di­tio­nel­len Block­be­bau­ung ge­fei­ert: Über dem Park­haus liegt ein ter­ras­sier­ter be­grün­ter Hü­gel, in dem die Woh­nun­gen un­ter­ge­bracht sind. Der un­kon­ven­tio­nel­le An­satz be­wirkt, dass der Aus­blick aus al­len ein­hei­ten gleich ist. Und zur gro­ßen freu­de der bau­her­ren sind die Kos­ten für Moun­tain Dwel­ling nicht hö­herals­bei ei­nem kon­ven­tio­nel­len Wohn­bau.

WEI­TER GE­DACHT.

Ganz an­ders die Idee bei 8 Hou­se. Es ist der größ­te Wohn­kom­plex, der bis­her in Ko­pen­ha­gen ge­baut wur­de, den­noch ist er öko­lo­gisch durch­dacht. Das Ge­bäu­de mit 476 Ein­hei­ten ist wie ei­ne Schlei­fe ge­plant. So ent­steht ei­ne Ram­pe, die als Zu­gang dient. Ra­deln bis vor die Haus­tü­re ist mög­lich. Und da Kom­ple­xe die­ser Grö­ßen­ord­nung städ­ti­sche Wär­mein­seln dar­stel­len, neig­te der Ar­chi­tekt die 1700 Qua­drat­me­ter gro­ßen Dä­cher und ließ sie be­grü­nen. So schuf er ei­nen Tem­pe­ra­tur­aus­gleich auf na­tür­li­chem Weg. „Wir Ar­chi­tek­ten sind die Leu­te, die die Ober­flä­che des Pla­ne­ten per­ma­nent ver­än­dern“, so In­gels. „Und wir ha­ben die mit­tel und die mög­lich­keit, sie so zu ver­än­dern, dass es mehr Spaß macht, dar­auf zu woh­nen.“Spaß ist ein gu­tes stich­wort, denn der kommt bei­den ent­wür­fen des dä­nen auch nicht zu kurz. Der Auf­trag

für ei­ne Müll­ver­bren­nung san la­ge stand am An­fang. Nun be­sitzt die brett­le­be­ne Stadt Ko­pen­ha­gen ei­nen Ski­hü­gel. Ei­nem Ein­fall fol­gend, ver­lieh der Ar­chi­tekt dem Zweck­bau ein steil ab­fal­len­des dach mit ei­ner pis­te. „Schließ­lich ha­ben wir hier ein Win­ter­sport-kli­ma. Nur die Ber­ge feh­len“, wit­zel­te In­gels. Seit 2013 kön­nen die Dä­nen in der Haupt­stadt al­so dem Ski­sport frö­nen – und wenn sie auf das Dach fah­ren, er­ha­schen sie ei­nen blick in das in­ne­re der müll­ver­bren­nung san la­ge, wo sie se­hen, wie ihr Ab­fall in Ener­gie um­ge­wan­delt wird.

OH­NE STIL.

Wer Ber­ge nach Ko­pen­ha­gen ver­setzt, fällt auf. Längst plant der Dä­ne auf der gan­zen Welt. Das Hoch­haus Via 57 West in New York ist ein mar­kan­tes drei­ecki­ges Ge­bäu­de mit ei­nem be­grün­ten In­nen­hof und wur­de mit dem Hoch­haus­preis 2016aus­ge­zeich­net. Mits­ei­ne­ment­wurf für den zwei­ten Turm am Ground Ze­ro kick­te Bjar­ke In­gels Nor­man Fos­ter aus dem Ren­nen. Er sieht ei­ne Art Ver­ti­cal Vil­la­ge vor – der wol­ken­krat­zer gleicht ei­nem von Kin­der­hand zu­sam­men­ge­setz­ten Turm aus Bau­klöt­zen und bringt so­mit die Sil­hou­et­te von New York ins Wan­ken. Wei­te­re Aus­hän­ge­pro­jek­te sind das neue Head­quar­ter für Goog­le oder das Sta­di­on für die Wa­shing­ton Reds­kins. Das be­deu­tet aber lan­ge nicht, dass Bjar­ke In­gels nur mehr Groß­pro­jek­te an­nimmt. Im ver­gan­ge- nen Jahr wur­de das Le­go- Haus im dä­ni­schen Bil­lund er­öff­net. Es ist mit 25 Mil­lio­nen der be­rühm­ten Baustei­nen ge­füllt, da­mit die Be­su­cher wag­hal­si­ge Pro­jek­te bau­en kön­nen. Für In­gels ein ge­fun­de­nes Fres­sen. „ Ist Ar­chi­tek­tur gut ge­macht, kann sie ei­nem viel Kraft ver­lei­hen“, sagt er. „ Es ist die glei­che Kraft, die Le­go ei­nem Kind ge­ben kann.“Sprach’s und setz­te ei­nen ter­ras­sen­för­mi­gen Bau, der durch sei­ne mit bun­ten Flie­sen ver­klei­de­te Fas­sa­de wie aus Le­go­stei­nen zu­sam­men­ge­setzt wirkt, in die Land­schaft. Bjar­ke In­gels ist an­ge­tre­ten, um die Kluft zwi­schen lang­wei­li­ger All­tags ar­chi­tek­tur und ge­bau­ter Uto­pie zu fül­len. Da­für ist ihm je­des Mit­tel recht.

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