ZWEI WOLL­TEN KÄMP­FEN

Es gab Of­fi­zie­re, die über­zeugt da­von wa­ren, dass sich Ös­ter­reich ver­tei­di­gen muss: der Staats­se­kre­tär im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um Wil­helm Zeh­ner und Feld­mar­schall-Leut­nant Al­f­red Jan­sa, der Chef des Ge­ne­ral­stabs.

Kurier Magazine - Die 8er Jahre - - INHALT - VON HEL­MUT BRANDSTÄTTER

Wil­helm Zeh­ner und Al­f­red Jan­sa plan­ten den Wi­der­stand.

MILITÄRISCHER WI­DER­STAND. Ei­ne Fra­ge muss uns noch heu­te be­we­gen, und mit ihr ha­ben sich seit da­mals Po­li­ti­ker, Of­fi­zie­re und auch Ge­werk­schaf­ter ernst­haft be­schäf­tigt: Kann und soll das ös­ter­rei­chi­sche Bun­des­heer bei ei­nem Ein­marsch deut­scher Trup­pen mi­li­tä­ri­schen Wi­der­stand leis­ten? Fak­tum ist, dass das Bun­des­heer klein war und kaum über mo­der­ne Aus­rüs­tung ver­füg­te. Zu den 30.000 Be­rufs­sol­da­ten ka­men seit Ein­füh­rung der Wehr­pflicht im Jahr 1936 noch rund 100.000 Mi­liz­sol­da­ten. „Ein er­heb­li­cher Teil die­ser Leu­te soll­te wohl – wie so oft in Ös­ter­reich – durch Tap­fer­keit aus­glei­chen, was an Waf­fen fehl­te“, schreibt der His­to­ri­ker Man­fried Rau­chen­stei­ner. Aber da­zu kam es nicht. Auch mit der Hil­fe des ita­lie­ni­schen Dik­ta­tors Be­ni­to Mus­so­li­ni war trotz der Rö­mer Pro­to­kol­le von 1934 nicht mehr zu rech­nen.

„JAN­SA-PLAN“. Aber es gab zwei Of­fi­zie­re, die über­zeugt da­von wa­ren, dass sich Ös­ter­reich ver­tei­di­gen muss: Der Staats­se­kre­tär im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um Wil­helm Zeh­ner und Feld­mar­schall-Leut­nant Al­f­red Jan­sa, der Chef des Ge­ne­ral­stabs. Die­ser hat­te das mi­li­tä­ri­sche Vor­ge­hen im so­ge- nann­ten „Jan­sa-Plan“ent­wor­fen. Die­ser sah ei­nen Ein­satz des Bun­des­hee­res, weit­ge­hend oh­ne die Mi­liz­sol­da­ten, vor. Jan­sa rech­ne­te erst ab 1939 mit ei­nem An­griff der Deut­schen.

An­ge­sichts des sehr un­glei­chen Kräf­te­ver­hält­nis­ses war klar, dass ein Wi­der­stand ös­ter­rei­chi­scher Trup­pen ge­gen die deut­sche Wehr­macht nur der Ab­schre­ckung oder der Ver­zö­ge­rung die­nen kön­ne. Al­so sah der „Jan­sa-Plan“vor, dass ei­ni­ge Di­vi­sio­nen an den Flüs­sen Traun und Enns ge­gen den An­grei­fer kämp­fen soll­ten. „Die Ver­nich­tungs­schlacht im Do­nau­tal soll­te auf je­den Fall un­ter­blei­ben und statt­des­sen ver­sucht wer­den, ge­gen die Flan­ke der deut­schen Trup­pen zu wir­ken“, er­klärt Rau­chen­stei­ner.

Und wie hät­ten sich an­de­re Tei­le der Be­völ­ke­rung bei ei­nem mi­li­tä­ri­schen An­griff der Hit­ler-Trup­pen ver­hal­ten? Franz Olah, da­mals ein 28-jäh­ri­ger so­zi­al­de­mo­kra­ti­scher Ge­werk­schaf­ter im Un­ter­grund, zeig­te sich spä­ter über­zeugt da­von, dass „die Ar­bei­ter so­gar be­reit ge­we­sen wä­ren, mit der Waf­fe in der Hand ge­mein­sam mit je­nen zu kämp­fen, die uns zu­nächst nie­der­ge­wor­fen hat­ten, nur um die­se töd­li­che Be­dro­hung von Ös­ter­reich ab­zu­wen­den.“

„DER GE­WALT WEI­CHEN“. Bun­des­kanz­ler Kurt Schu­sch­nigg hat in sei­ner Ab­schieds­re­de im Ra­dio am Abend des 11. März deut­lich ge­sagt, dass „wir der Ge­walt wei­chen“, da­mit kein „deut­sches Blut ver­gos­sen wer­de“. Wil­helm Zeh­ner reich­te am 12. März sein Ab­schieds­ge­such als Of­fi­zier ein. In der Nacht vom 10. auf den 11. April wur­de der be­kann­te Geg­ner des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus in sei­ner Woh­nung ver­mut­lich von Leu­ten der Gesta­po er­schos­sen. Of­fi­zi­ell war von Selbst­mord die Re­de. Al­f­red Jan­sa muss­te in die thü­rin­gi­sche Stadt Er­furt über­sie­deln, er­hielt ei­ne ge­kürz­te Pen­si­on und ar­bei­te­te als Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter. In der 2. Re­pu­blik war Jan­sa an Vor­be­rei­tun­gen für die Er­rich­tung des Bun­des­hee­res be­tei­ligt. Nach bei­den Of­fi­zie­ren ist ei­ne Ka­ser­ne be­nannt. Von an­de­ren Staa­ten konn­te Ös­ter­reich kei­ne Hil­fe er­war­ten. Nur Me­xi­ko leg­te am 19. März 1938 beim Völ­ker­bund in Genf Pro­test ge­hen den „An­schluss“Ös­ter­reichs ein.

Staats­se­kre­tär Wil­helm Zeh­ner (li.), Feld­mar­schall-Leut­nant Al­f­red Jan­sa (re.)

Zeh­ner (li. im Bild) bei ei­ner mi­li­tä­ri­schen Vor­füh­rung (li.) und mit Schu­sch­nigg (re.)

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