„Die Li­ga ist die Ba­sis für den Er­folg“

Kurier Magazine - Handball - - INHALT - – PHIL­IPP AL­BRECHTS­BER­GER

spu­su-li­ga-prä­si­dent Bo­ris Nem­sic im In­ter­view

Bo­ris Nem­sic war einst ei­ner der mäch­tigs­ten Ma­na­ger des Lan­des. Nach Ös­ter­reich kommt der Ex-Te­le­kom-Boss, der nun in Du­bai ar­bei­tet, nur noch we­ni­ge Ta­ge im Mo­nat – haupt­säch­lich we­gen sei­ner Auf­ga­be als Prä­si­dent der Handball Li­ga Aus­tria. Im In­ter­view spricht der 61-Jäh­ri­ge über sei­ne Lie­be zum Handball, sei­ne Rol­le als Li­ga-Prä­si­dent und die nächs­ten Auf­ga­ben.

Herr Nem­sic, wie sind Sie zum Handball ge­kom­men?

Bo­ris Nem­sic: Mein On­kel, ein Spit­zen­Leicht­ath­let, hat mich ge­ne­rell zum Sport ge­bracht. Er selbst ist als Speer­wer­fer zum Handball ge­kom­men. Ich war nicht der Größ­te, aber ich hat­te Mut. So kam ich ins Tor.

Es hat Ih­nen prompt ge­fal­len?

Die Rol­le des Tor­manns ha­be ich im­mer als ei­ne ganz be­son­de­re emp­fun­den. Man trägt die größ­te Ver­ant­wor­tung wäh­rend ei­ner Par­tie. Zu viel Lau­fen muss­te ich auch nicht (lacht). Ich hat­te das Glück, in ei­ner Mann­schaft zu be­gin­nen, die in der ers­ten ju­go­sla­wi­schen Li­ga war.

Wie sah Ihr Sport­pro­gramm als Kind aus?

Wir ha­ben un­un­ter­bro­chen Ball­sport ge­macht – in der Schu­le und da­nach. Na­tür­lich geht das durch die Ur­ba­ni­sie­rung auch am Bal­kan ein we­nig zu­rück. Aber die Ba­sis und die Be­geis­te­rung sind da. Teamsport steht über al­lem. Das ist ein wich­ti­ger An­satz.

War­um?

Teamsport ist viel mehr als ein Spiel über 60 oder 90 Mi­nu­ten. Teamsport ist ei­ne Le­bens­ein­stel­lung und tut ei­ner Ge­sell­schaft gut. Das be­ginnt in der Schu­le. Sport ist ein Öko­sys­tem, in dem die Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung vor­an­ge­trie­ben wird. Das soll man den El­tern ru­hig nä­her­brin­gen.

Wie hat Sie der Sport ge­prägt?

Sport ist Le­ben. Ein­mal be­kommst du auf die Müt­ze, aber am nächs­ten Tag ge­winnst du vi­el­leicht schon wie­der. Die­ser Pro­zess prägt auch die Ein­stel­lung zum Ler­nen. Ein Fün­fer in der Schu­le gilt oft als Schan­de. Ein dum­mer Ge­dan­ke. Er soll­te ein Ansporn sein, das nächs­te Mal ei­nen Drei­er zu ha­ben.

Sie sind seit vier Jah­ren Prä­si­dent der spu­su LI­GA. Wie in­ter­pre­tie­ren Sie die­se Auf­ga­be?

Vor vier Jah­ren hat man ver­sucht, die Li­ga auf neue Bei­ne zu stel­len. Ein Teil des Kon­zepts war, den Klubs klar­zu­ma­chen, dass sie viel­zu sa­gen ha­ben, aber auch ei­ne Ver­pflich­tung. Sie müs­sen das gro­ße Gan­ze vor die Ein­zel­in­ter­es­sen stel­len. Das funk­tio­niert er­staun­lich gut. Wirt­schaft­lich war das Na­mens­spon­so­ring der Li­ga ein wich­ti­ger Im­puls. Sport­lich ist die Li­ga die Schmie­de des ös­ter­rei­chi­schen Hand­balls. Al­le Team­spie­ler ent­stam­men der spu­su LI­GA. Das Na­tio­nal­team ist zwei­fels­frei das Zug­pferd für den Sport, aber die Li­ga ist die Ba­sis für die­sen Er­folg.

Den­noch hat es der Handball – wie vie­le an­de­re Sport­ar­ten – nicht all­zu leicht in Ös­ter­reich.

Handball ist sehr eta­bliert in Ös­ter­reich. Der Sport hat ei­ne un­ge­heu­re re­gio­na­le Be­deu­tung, aber ei­ne noch nicht ent­spre­chen­de na­tio­na­le. In vie­len Ge­mein­den und Städ­ten gibt es ei­ne ex­trem star­ke Bin­dung von Schu­len und Fa­mi­li­en zum Handball.

Sie sind Ma­na­ger. Kann ei­gent­lich auch die Wirt­schaft et­was vom Sport ler­nen?

Der Sport hat we­ni­ge, kla­re Re­geln. Die Wirt­schaft er­scheint mir der­zeit ein we­nig über­re­gu­liert. Es geht mir aber nicht nur dar­um, zu schrei­en: „We­ni­ger Re­geln!“Es geht dar­um, sie sinn­voll zu ge­stal­ten.

Wie mei­nen Sie das?

Man muss zu­erst das Feld für In­no­va­tio­nen so breit wie mög­lich ma­chen. In die­sem Raum ex­pe­ri­men­tie­ren jun­ge Leu­te. So bil­den sich Clus­ter wie et­wa in Graz mit der Au­to­mo­bil­bran­che oder in Wien mit Bio­tech­no­lo­gie. Das ent­steht von ganz al­lei­ne, die Po­li­tik kann das nicht ver­ord­nen. Der Po­li­tik soll­te es um ei­nen klu­gen Rah­men ge­hen, nicht um je­des De­tail.

Top-Ma­na­ger Bo­ris Nem­sic, der Prä­si­dent der spu­su LI­GA, spricht im In­ter­view über sei­ne Lei­den­schaft zum Handball und wie sehr ihn der Sport als Mensch ge­prägt hat.

Zur Per­son

Bo­ris Nem­sic: Ge­bo­ren 1957 in Sa­ra­je­vo, stu­dier­te er in sei­ner Hei­mat Elek­tro­tech­nik. Dank ei­nes Sti­pen­di­ums kam er 1984 nach Wien. Es folg­te ei­ne stei­le Kar­rie­re bei der Te­le­kom Aus­tria, die bis zum Vor­stands­vor­sitz führ­te. Nem­sic, der als Handball-Tor­mann in Sto­ckerau spiel­te, ist ver­hei­ra­tet und hat zwei Kin­der. Der­zeit lei­tet er ei­ne Be­ra­tungs­fir­ma im Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­reich mit Sitz in Du­bai.

Vor­stand der spu­su LI­GA

Prä­si­dent: Bo­ris Nem­sic

Vi­ze­pr. Sport & Ver­ei­ne: Kon­rad Wilc­zyn­ski

Vi­ze­pr. Spon­so­ring & Me­di­en: Do­mi­nik Beier

Vi­ze­pr. Fi­nan­zen: Christoph Gat­ter­mayr

Vi­ze­pr. Recht: Kat­ha­ri­na Kitz­ber­ger

Vi­ze­pr. Stra­te­gie: Pe­ter Gauss

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