Spit­zen­sport und Aus­bil­dung

Kurier Magazine - Handball - - INHALT - – FLO­RI­AN PLAVEC

Drei Hand­bal­ler, drei Le­bens­we­ge

Do­mi­nik Bam­mer ist Arzt und hat mit dem Handball ab­ge­schlos­sen. Bea­te Scheff­knecht spielt in der deut­schen Bun­des­li­ga und ar­bei­tet als Mar­ke­ting­fach­frau. Mar­kus Ko­lar ist Leh­rer und ver­län­ger­te bei den Fi­vers. Drei Sport­ler, drei Mal Dop­pel­be­las­tung.

28 Jah­re jung ist Do­mi­nik Bam­mer, fit noch da­zu. Trotz­dem hat der Ober­ös­ter­rei­cher vor we­ni­gen Wo­chen sei­ne Kar­rie­re be­en­det, nach er­folg­rei­chen Jah­ren in Inns­bruck, Schwaz und zu­letzt in Bre­genz so­wie nach 22 Län­der­spie­len für Ös­ter­reich.

Do­mi­nik Bam­mer ist jetzt Arzt, al­so Dr. Do­mi­nik Bam­mer. Ak­tu­ell durch­läuft er die Aus­bil­dung zum All­ge­mein­me­di­zi­ner im Kran­ken­haus Bre­genz. „Da­nach möch­te ich Lan­d­arzt wer­den und ei­ne Pra­xis auf­ma­chen. Die be­ruf­li­chen Mög­lich­kei­ten sind da ganz gut“, sagt er. „Arzt war schon im­mer mein Be­rufs­wunsch.“Im Ge­gen­satz zu Mar­kus Ko­lar (sie­he Sei­te 114) hat­te für Bam­mer das Stu­di­um stets Prio­ri­tät. Nie hät­te er ge­dacht, ein­mal ei­ne Pro­fi-Kar­rie­re ein­zu­schla­gen. „Ich ha­be im­mer nur zum Spaß ge­spielt. Aber ir­gend­wann ha­be ich ge­merkt, dass et­was vor­wärts­geht.“Um in der höchs­ten Spiel­klas­se Handball spie­len zu kön­nen, hat er 2009 sein Stu­di­um in Inns­bruck statt in Graz be­gon­nen.

Die Ab­stim­mung zwi­schen Be­ruf und Sport war nie ein Pro­blem. „Im Sport lernt man schnell, dass man or­ga­ni­siert sein muss und struk­tu­riert in der Ter­min­pla­nung“, sagt er. „Im Trai­ning kann man ja auch nicht sa­gen,

„Im Sport lernt man schnell, dass man or­ga­ni­siert sein muss und struk­tu­riert in der Ter­min­pla­nung.“ Do­mi­nik Bam­mer, Arzt

dass es mich heu­te nicht freut. Man hat Ver­pflich­tun­gen im Stu­di­um und im Sport. Das ist dann in der Per­sön­lich­keit ver­an­kert.“

Bam­mer ab­sol­vier­te das Stu­di­um in Min­dest­zeit,zweiMal­be­ka­mer­einEr­folgs­sti­pen­di­um. Das kli­schee­haf­te Stu­den­ten­le­ben gab es nie. Wenn die Stu­di­en­kol­le­gen im Som­mer in der Welt un­ter­wegs wa­ren, steck­te Bam­mer mit­ten in der Sai­son-Vor­be­rei­tung. „Und wenn kein Handball war, ha­be ich Prü­fun­gen ge­schrie­ben.“

KÖR­PER UND GEIST. Sie­ben Mal wur­de in Bre­genz von Mon­tag bis Frei­tag trai­niert, Sams­tag war Spiel, Sonn­tag frei. Ne­ben dem Stu­di­um und spä­ter auch ne­ben dem Job ist sich das im­mer aus­ge­gan­gen. „Im Stu­di­um ar­bei­tet man groß­teils geis­tig“, sagt er. Da sei es wich­tig, auch an­de­re Kör­per­tei­le zu be­an­spru­chen. „Ich ha­be mir nicht den gan­zen Tag den Kopf zer­bro­chen we­gen Handball, ich ha­be nicht mit je­der Nie­der­la­ge oder je­dem Fehl­wurf ge­ha­dert.“Und um­ge­kehrt sei es ähn­lich ge­we­sen. „Mit die­ser stän­di­gen Ab­wechs­lung ist die Lust auf bei­des ge­stie­gen. Im Stu­di­um ha­be ich mich im­mer schon auf das Lau­fen, Sprin­gen und Wer­fen ge­freut. Auf der an­de­ren Sei­te war es toll, wenn ich kör­per­lich aus­ge­laugt war, dass ich mich geis­tig wei­ter­bil­den konn­te.“

Sport­arzt zu wer­den, wä­re na­he­lie­gend ge­we­sen, doch das woll­te Bam­mer nie. „Un­fall­chir­urg war schon ein The­ma“, sagt er. „Aber das ha­be ich aus Grün­den der Le­bens­qua­li­tät ad ac­ta ge­legt. Da muss man im­mer im Kran­ken­haus im Ope­ra­ti­ons­saal blei­ben, man hat sein Le­ben lang Nacht­diens­te.“

Mit dem Handball hat Bam­mer ab­ge­schlos­sen, auch zum Spaß spielt er nicht mehr. Zu groß wä­re das Ri­si­ko ei­ner Ver­let­zung nach zwei Schul­ter­ope­ra­tio­nen. Doch der Sport spielt noch im­mer ei­ne gro­ße Rol­le in sei­nem Le­ben. „Wenn ich kei­nen Sport ma­che, bin ich ex­trem un­ent­spannt. Ich ha­be mir ein Renn­rad ge­kauft, bin je­de freie Mi­nu­te am Rad oder am Moun­tain­bike, ich ge­he Ten­nis­spie­len, oder ich bin in den Ber­gen un­ter­wegs.“Ger­ne denkt der 28-Jäh­ri­ge an die ak­ti­ve Zeit zu­rück: „Es war für mich im­mer ein Pri­vi­leg, den Sport, den ich lie­be, in die­sem Aus­maß aus­üben zu dür­fen. Je­de An­stren­gung war ei­ne Be­frie­di­gung. Des­halb war je­der Tag im Kran­ken­haus auf je­den Fall an­stren­gen­der, vor al­lem die Nacht­diens­te.“

HART ABER HERZ­LICH. Ei­ne an­stren­gen­de Le­bens­pha­se hat auch Bea­te Scheff­knecht hin­ter sich. Die 28-jäh­ri­ge Vor­arl­ber­ge­rin spielt seit zehn Jah­ren in Deutsch­land. Beim Thü­rin­ger HC in Erfurt hat sie ih­ren Ver­trag bis 2020 ver­län­gert. Da­ne­ben ar­bei­tet sie als Mar­ke­ting­kauf­frau in ei­ner Agen­tur. „Wäh­rend der Aus­bil­dung ha­be ich drei Jah­re lang 40 St­un­den pro Wo­che ge­ar­bei­tet. Das war schon hart ne­ben acht Mal Trai­ning pro Wo­che“, er­zählt die Team­spie­le­rin. „Und dann fährt man am Sonn­tag zehn St­un­den nach Bux­te­hu­de zum Match und kommt Mon­tag­früh um 6 nach Hau­se und geht di­rekt in die Ar­beit.“Auch wenn es schwer­fällt, die­se Mo­men­te nimmt man in Kauf. „Es ist wich­tig, dass ich ne­ben dem Handball noch et­was ha­be“, sagt Scheff­knecht.

„Mann­schafts­sport­ler sind team­fä­hig, ehr­gei­zig – und sie ha­ben Dis­zi­plin.“ Bea­te Scheff­knecht, Mar­ke­ting­kauf­frau

In der Agen­tur Samt & Sei­del ar­bei­tet sie 15 bis 20 St­un­den pro Wo­che als Pro­jekt­lei­te­rin, sie ist Schnitt­stel­le zwi­schen Kun­den und Gra­fi­ker. „Egal, ob man we­gen des Al­ters auf­hört oder ver­let­zungs­be­dingt: Es kann sehr schnell vor­bei sein.“Jetzt kann sie aber sa­gen: „Ich ha­be et­was für die Zeit nach der Kar­rie­re.“Von ih­rem Ge­halt als Pro­fi-Hand­bal­le­rin kann sie zwar gut­le­ben. Um et was zur Sei­te zu­le­gen, reicht’s aber nicht.

Sport­ler ti­cken an­ders. Das weiß auch ihr Chef, der ger­ne Sport­ler ein­stellt. „Mann­schafts­sport­ler sind team­fä­hig, ehr­gei­zig und sie ha­ben Dis­zi­plin“, sagt Scheff­knecht. „Wenn ein Pro­jekt nicht gleich funk­tio­niert, sind wir so ehr­gei­zig, dass wir das schon ir­gend­wie hin­krie­gen.“

Bea­te Scheff­knecht: als Team­spie­le­rin (o.) und im Job (li.)

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