„Das ge­gen Metz war ein Schaß“

Kurier Magazine - Handball - - HYPO NÖ -

Gun­nar Prokop (77) ist der Mann, der hin­ter den gro­ßen Er­fol­gen von Hy­po Nie­der­ös­ter­reich stand. Er schimpf­te, er po­la­ri­sier­te – und er hat mit dem The­ma Frau­en­hand­ball ab­ge­schlos­sen.

Sie ha­ben 39 Jah­re für Hy­po NÖ ge­ar­bei­tet. Wie se­hen Sie den Ver­ein heu­te? Gun­nar Prokop: Es tut schon weh. Das war mein Kind. Der da­ma­li­ge Prä­si­dent und der Ob­mann ha­ben 2010 aber an­de­re An­sich­ten ge­habt. Ich ha­be vier Ver­trä­ge un­ter­schrie­ben von zwei Nor­we­ge­rin­nen und zwei Dä­nin­nen – al­le Olym­pia­sie­ge­rin­nen, Welt­und Eu­ro­pa­meis­te­rin­nen. So, wie ich 39 Jah­re lang al­le Ver­trä­ge un­ter­schrie­ben ha­be. Die Chan­ce, dass wir im Jahr dar­auf Cham­pi­ons-Le­agueSie­ger wer­den, war hö­her als 90 Pro­zent. Und dann ha­ben sie die ge­kün­digt. Da kann ich mich in­ter­na­tio­nal nicht mehr se­hen las­sen, auf Wie­der­se­hen. Das war’s.

Kein Kon­takt mehr zum Ver­ein. Nicht ein­mal ein Dan­ke.

Bis heu­te.

Wel­chen An­teil hat­ten Sie an den Er­fol­gen von Hy­po?

Ich war von der Leicht­ath­le­tik her ge­wohnt, dass man drei Mal täg­lich trai­niert. Bei den Hand­bal­lern war das total un­üb­lich. Mei­ne Phi­lo­so­phie war: Wenn ich das trai­nie­re, was die Welt­bes­ten trai­nie­ren, kann ich nicht so gut wer­den wie die.Al­so­mus­sich­mir et­was an­de­res ein­fal­len las­sen. Ich ha­be schon an­de­re Sa­chen ge­macht als die Trai­nings­wis­sen­schaft vor­ge­ge­ben hat.

Wel­che sind Ih­re schöns­ten Er­in­ne­run­gen?

Der ers­te Cham­pi­ons-Le­ague-Sieg war das Schöns­te. Aber auch die zwei Bron­ze­me­dail­len mit dem Na­tio­nal­team bei WM und EM. Bei Olym­pia wa­ren wir ein biss­chen un­glück­lich.

Ih­nen wur­de vor­ge­wor­fen, die Er­fol­ge nur mit Ein­bür­ge­run­gen zu schaf­fen.

Das­stimmt ja nicht! Bei­de­r­ers­ten Me­dail­le ha­ben wir neun von 14 Spie­le­rin­nen aus dem In­ter­nat ge­habt. Wenn man heu­te beim Fuß­ball schaut, wie vie­le da ein­ge­bür­gert sind ... aber das in­ter­es­siert ja nie­man­den.

Sie ha­ben im­mer po­la­ri­siert. Ha­ben Sie Feh­ler ge­macht?

Es ist ja un­mög­lich, nie Feh­ler zu ma­chen. Wenn man viel ar­bei­tet, pas­sie­ren Feh­ler. Das ge­gen Metz war ein Schaß, da brau­chen wir nicht drü­ber re­den. Aber so et­was ha­ben schon zig an­de­re ge­macht vor mir. Aber be­reu­en tu ich nichts. Ich ha­be das al­les gern ge­macht. Ich ha­be kein Wo­che­n­en­de ge­habt, kei­ne Fe­ri­en, nichts. Und es war schön. Jetzt weiß ich, es gibt ein an­de­res Le­ben – und ich ge­nie­ße es.

Ver­fol­gen Sie den Sport noch?

Ich bin dem Handball noch ver­bun­den. Mei­ne drei En­kerln spie­len al­le, der Äl­tes­te war jetzt auch ein­be­ru­fen für das Na­tio­nal­team. Das schau ich mir na­tür­lich schon an.

Und die Frau­en nicht mehr?

Nein, da­mit ha­be ich ab­ge­schlos­sen.

Gun­nar Prokop (2008) zeig­te stets Emo­tio­nen

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