„Ma­the ist Lei­den­schaft“

Kurier Magazine - Handball - - SPORT & KARRIERE - – FLO­RI­AN PLAVEC

Handball hat­te für Mar­kus Ko­lar (33) stets Prio­ri­tät. Doch mitt­ler­wei­le steht der Rück­raum­spie­ler von Meis­ter Fi­vers als AHS-Leh­rer auch re­gel­mä­ßig im Klas­sen­zim­mer. Zu kurz kommt bei der Dop­pel­be­las­tung nur der Schlaf.

Me­ter groß, 90 Ki­lo­gramm schwer, Auf­bau­spie­ler bei den Fi­vers. Das ist die ei­ne Sei­te von Mar­kus Ko­lar. 33 Jah­re alt, Klas­sen­vor­stand, Leh­rer im Rai­ner­gym­na­si­um, ei­ner Ko­ope­ra­ti­ons­schu­le der Fi­vers. Das ist die an­de­re Sei­te. Vor zwei Sai­so­nen hat Ko­lar erst­mals ei­ne Klas­se über­nom­men, weil je­mand in Ka­renz ge­gan­gen ist, nun hat er ei­ne vol­le Lehr­ver­pflich­tung. Sei­ne Fä­cher: Geo­gra­fie und Ma­the­ma­tik.

Wes­halb sind Sie Leh­rer ge­wor­den? Mar­kus Ko­lar: Der Be­ruf des Leh­rers hat sich so er­ge­ben. Ich ha­be zu­vor ein Ba­che­lor-Stu­di­um an der FH ab­ge­schlos­sen, das Mas­ter-Stu­di­um wä­re sich ne­ben dem Handball nicht aus­ge­gan­gen. Mei­ne Frau hat Sport­wis­sen­schaf­ten stu­diert, aber kei­nen Job ge­fun­den. So ist der ge­mein­sa­me Wunsch ge­reift: „Ge­hen wir bei­de auf das Lehr­amt los.“Geo­gra­fie war un­ser ge­mein­sa­mes Fach, Ma­the­ma­tik ist mei­ne Lei­den­schaft. Und au­ßer­dem: Im Ju­li und im Au­gust ha­be ich viel frei, das ist schon cool.

War­um nicht Tur­nen?

Das fragt mich je­der. Aber das Fach Tur­nen in­ter­es­siert mich nicht. Schwim­men oder Ge­rä­te­tur­nen mag ich über­haupt nicht, und ich glau­be, ich hät­te das Stu­di­um gar nicht ge­schafft. Aber Ma­the ... das mag ich wirk­lich.

Was ist das Schö­ne an dem Job?

Ich ar­bei­te ger­ne mit Kin­dern. Mei­ne Schü­ler sind zehn bis 19 Jah­re alt, das ist die gan­ze Pa­let­te. Es ist ja nicht nur mei­ne Auf­ga­be, Ma­the zu un­ter­rich­ten. Ich möch­te die Kin­der auch auf ih­rem Weg zum Er­wach­sen­wer­den be­glei­ten.

Hilft Ih­nen der Handball-Sport im be­ruf­li­chen All­tag?

Na­tür­lich. Ich ha­be beim Sport ge- lernt, auf Men­schen ein­zu­ge­hen, auch auf Kin­der. Ich be­treue ja auch Ju­gend­spie­ler. Wich­tig ist, Pro­ble­me an­zu­spre­chen, be­vor sie zu groß wer­den. Ich bin ein Fan des Te­am­buil­ding.

Wis­sen Ih­re Schü­ler, dass Sie Handball-Spie­ler sind?

Mitt­ler­wei­le ha­ben sie es mit­be­kom­men, und sie kom­men auch zu den Spie­len. Die sind jetzt mei­ne Grou­pies. Das ist recht wit­zig: Die Schü­ler und Schü­le­rin­nen se­hen mich in der Handball-Hal­le und sind na­tür­lich per Du. Und in der Schu­le spre­chen sie mich mit Sie an.

Was ist auf­re­gen­der? Ein Handball-Match oder ei­ne Klas­se un­ter­rich­ten?

Vor der Klas­se zu ste­hen, ist auf­re­gen­der. Ich ha­be am An­fang nicht ge1,95 wusst, wie das sein wird und was man vor der Klas­se sagt.

Wie ver­ei­nen Sie Sport und Be­ruf?

Wäh­rend des Stu­di­ums war Handball im­mer die Num­mer eins. Des­halb ha­be ich auch et­was län­ger ge­braucht. Jetzt braucht es aber schon Dis­zi­plin, und die ha­be ich im Sport ge­lernt. Aber ich ge­be zu: Der All­tag ist nicht ein­fach. Um 21 Uhr kom­me ich vom Trai­ning nach Hau­se. Da­nach muss ich noch al­les für die Schu­le vor­be­rei­ten. Vor Mit­ter­nacht kom­me ich nie ins Bett, und um 6 Uhr läu­tet schon wie­der der We­cker. Nach dem Un­ter­richt war­ten da­heim dann die zwei Kin­der. Sechs St­un­den Schlaf sind für ei­nen Sport­ler nicht viel. Aber ich ha­be viel Ener­gie.

Vol­ler Ein­satz:Auf dem Spiel­feld muss sich Fi­ver­sPro­fi Mar­kus Ko­lar ge­nau so ent­schlos­sen durch­set­zen wie im Klas­sen­zim­mer

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