Schnup­per­stun­de

Trai­ning un­ter Reiz­strom

Kurier Magazine - Herz - - INHALT - VON JU­LIA GSCHMEID­LER

» Ein neu­ar­ti­ges Trai­ning, das ein­mal wö­chent­lich an­ge­wen­det rasch Er­fol­ge ver­spricht? Und das bei nur 20 Mi­nu­ten Trai­ning? Was nach ei­nem Ver­spre­chen ei­ner Dau­er­wer­be­sen­dung klingt, ist so­gar wis­sen­schaft­lich be­wie­sen. So be­legt ei­ne Stu­die vom In­sti­tut für Me­di­zi­ni­sche Phy­sik der Uni­ver­si­tät Er­lan­gen­nürn­berg ei­nen Ein­fluss auf mus­ku­lä­re Pa­ra­me­ter bei äl­te­ren Men­schen, auch wenn das Ems-trai­ning kei­ne voll­wer­ti­ge Al­ter­na­ti­ve zu kom­ple­xen All­round­trai­nings­pro­gram­men sei.

FUNK­TI­ONS­WEI­SE. Doch was macht das Ems-trai­ning ei­gent­lich so be­son­ders? Die Elek­tro­mus­kel­sti­mu­la­ti­on (EMS) ist ei­ne Trai­nings­me­tho­de aus der Phy­sio­the­ra­pie, bei der elek­tri­sche Im­pul­se Mus­kel­kon­trak­tio­nen aus­lö­sen. Die Mus­keln er­hal­ten ih­re Be­feh­le nicht – wie nor­ma­ler­wei­se – über das Ge­hirn, son­dern über nie­der­fre­quen­ten Strom über Elek­tro­den, die am Kör­per lie­gen. „Beim her­kömm­li­chen­trai­nin­ger­reicht­man60 bis 70 Pro­zent der Mus­ku­la­tur, beim Ems-trai­ning sind es so­gar 90 Pro­zent, zu­dem wird auch die Tie­fen­mus­ku­la­tur be­an­sprucht“, sagt Mar­git Lehr-kor­ko­di­los, die zwei Ems-stu­di­os in Wi­en führt. Sie selbst ist Quer­ein­stei­ge­rin und hat als Kun­din bei Bo­dys­treet ge­lernt, die­ses Ganz­kör­per­trai­ning zu schät­zen. Weil sie Men­schen schon lan­ge et­was Gu­tes tun woll­te, hat sie kurz dar­auf als Fran­chise­neh­me­rin ih­re ers­te Fi­lia­le er­öff­net. Im deutsch­spra­chi­gen Be­reich gibt es be­reits knapp 2000 Ems-stu­di­os – und stän­dig kom­men neue da­zu. Auch in den USA hat Bo­dys­treet, de­ren Grün­der aus Mün­chen kom­men, nun ei­ne ers­te Fi­lia­le in Ari­zo­na er­öff­net, um den Us-ame­ri­ka­ni­schen Markt mit Strom­im­pul­sen zu re­vo­lu­tio­nie­ren.

UNTERSTÜTZENDE WIR­KUNG. Da­bei wer­den un­se­re Mus­keln schon im All­tag durch Bio­elek­tro­nik stän­dig sti­mu­liert. Das Ems-trai­ning un­ter­stützt die­sen kör­per­ei­ge­nen Ef­fekt durch zu­sätz­li­chen ex­ter­nen Strom, wo­durch es zu noch in­ten­si­ve­ren Mus­kel­kon­trak­tio­nen als bei her­kömm­li­chem Trai­ning kommt. Ein spe­zi­el­ler An­zug mit Elek­tro­den auf Ober­ar­men, Rü­cken, Brust, Bauch, Po und Ober­schen­kel sorgt da­für, dass die elek­tri­schen Im­pul­se auch auf die Haut über­tra­gen wer­den. Ein Per­so­nal Trai­ner passt die Stär­ke der Im­pul­s­ein­di­vi­du­el­lan­die­trai­nie­ren­de Per­son an – mit dem Ziel, die In­ten­si­tät im Lau­fe der un­ter­schied­li­chen sta­ti­schen Übun­gen zu er­hö­hen. Die­se wer­den je­doch nur mit dem ei­ge­nen Kör­per­ge­wicht aus­ge­führt – Han­teln oder ähn­li­che Uten­si­li­en kom­men nicht zum Ein­satz, wo­durch das Work-out ge­lenks­scho­nend und für Men­schen je­den Al­tes ge­eig­net ist. „Es gibt kei­ne Kör­per­re­gi­on, die man nicht trai­niert – au­ßer dem klei­nen Fin­ger vi­el­leicht“, sagt Stu­dio­be­sit­ze­rin Lehr-kor­ko­di­los la­chend. Als sie selbst mit dem Trai­ning be­gon­nen hat, hat sie rasch be­merkt, wie ihr Kör­per mo­del­lier­ter wur­de. Sie be­tont aber auch, dass schnel­le Er­fol­ge nur dann funk­tio­nie­ren, wenn man auch die Er­näh­rung an­pas­se. Die Haupt­ziel­grup­pe beim Ems­trai­ning sind be­rufs­tä­ti­ge Men­schen mit we­nig Zeit ge­nau­so wie äl­te­re Per­so­nen, die mit dem Trai­ning dem al­ters­be­ding­ten Mus­kelab­bau ent­ge­gen­steu­ern kön­nen. Da der Mus­kel auch noch in der Re­ge­ne­ra­ti­ons­pha­se wächst, reicht ein ein­zi­ges 20-mi­nü­ti­ges Trai­ning in der Wo­che, um bald die ge­wünsch­ten Ef­fek­te zu er­zie­len. Mehr ist laut Me­di­zi­nern auch gar nicht gut, da ein Über­trai­ning den Mus­keln scha­den kön­ne. Ri­si­ken gä­be es kei­ne, wenn die Er­ho­lungs­pha­sen zwi­schen den Trai­nings­ein­hei­ten ein­ge­hal­ten wer­den und ei­ne ge­schul­te Per­son die Strom­in­ten­si­tät steu­ert. Re­strik­tio­nen gibt es al­ler­dings für Schwan­ge­re, an Krebs er­krank­ten Per­so­nen, Men­schen mit Dia­be­tes mel­li­tus oder Herz­schritt­ma­chern. Gibt es vom Arzt ein Okay für das Trai­ning, kön­nen sich rasch Er­fol­ge ein­stel­len – be­son­ders ge­gen Rü­cken­schmer­zen. Da die Ems­me­tho­de al­ler­dings ein rei­nes Kraft­trai­ning ist, soll­te nicht auf zu­sätz­li­che Herz-kreis­lauf-übun­gen wie Lau­fen oder Rad­fah­ren ver­ges­sen wer­den.

„In nur 20 Mi­nu­ten ha­be ich den gan­zen Kör­per trai­niert, ich muss da­für nicht zwei St­un­den im Fit­ness­cen­ter sein.“Mar­git Lehr-kor­ko­di­los, Ems-trai­ne­rin

Für wei­te­re In­for­ma­tio­nen zu dem Ems-trai­ning die Sei­te mit der Gra­tis-app „Short­cut Re­a­der“scan­nen

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