Ein Wun­der­werk in un­se­rem Kör­per

Als un­ser wich­tigs­ter Mus­kel ver­rich­tet das Herz un­ent­wegt Ar­beit, um al­le Or­ga­ne mit Sau­er­stoff und Blut zu ver­sor­gen. Wenn es nicht ein­wand­frei funk­tio­niert, sind Be­trof­fe­ne in aku­ter Ge­fahr – Herz-kreis­lauf-er­kran­kun­gen sind die To­des­ur­sa­che Num­mer ein

Kurier Magazine - Herz - - SO FUNKTIONIERT DAS HERZ - VON THE­RE­SA GIRARDI

» Das Herz ist ein wah­res Wun­der­werk der Evo­lu­ti­on – ge­ra­de ein­mal faust­groß, hat es die Pump­kraft, den ge­sam­ten Kör­per mit le­bens­wich­ti­gen Nähr­stof­fen zu ver­sor­gen. Rund drei Mil­li­ar­den Mal schlägt das Herz im Lau­fe ei­nes Men­schen­le­bens. Und schleust da­bei et­wa 250 Mil­lio­nen Li­ter Blut bis in die kleins­ten Adern und Zel­len des Or­ga­nis­mus. Die Funk­ti­ons­wei­se lässt sich gut mit ei­nem Hoch­leis­tungs­mo­tor ver­glei­chen: Die Pum­pe, der Herz­mus­kel, be­steht aus zwei Kam­mern. Ei­ne lin­ke, die da­für ver­ant­wort­lich ist, sau­er­stoff­rei­ches Blut über die Haupt­schlag­ader in »

den Kör­per­kreis­lauf zu schi­cken. Und ei­ne rech­te, die sau­er­stoff­ar­mes Blut in die Lun­ge trans­por­tiert und da­für sorgt, dass der Kreis­lauf von Neu­em in Gang ge­setzt wird. Für die Druck­re­gu­la­ti­on sind die Herz­klap­pen ver­ant­wort­lich, für die Ener­gie­zu­fuhr die Herz­kranz­ge­fä­ße. Da­mit das Herz im Takt bleibt, wird es durch ein spe­zia­li­sier­tes Sys­tem von Mus­kel­zel­len an­ge­trie­ben, die Er­re­gung bil­den und wei­ter­lei­ten kön­nen.

TO­DES­UR­SA­CHE NR. 1. Wenn das Herz nicht mehr ein­wand­frei funk­tio­niert, ist der oder die Be­trof­fe­ne höchst ge­fähr­det. In Ös­ter­reich stel­len Herz­kreis­lauf-er­kran­kun­gen nach wie vor die To­des­ur­sa­che Num­mer eins dar. 41 Pro­zent al­ler Ster­be­fäl­le wa­ren im ver­gan­ge­nen Jahr dar­auf zu­rück­zu­füh­ren. „In den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten kam es stets zu ei­ner Ab­nah­me der Sterb­lich­keit an Herz-kreis­lauf-er­kran­kun­gen“, er­klärt Andrea Podcz­eck-schweig­ho­fer, Prä­si­den­tin der Ös­ter­rei­chi­schen Kar­dio­lo­gi­schen Ge­sell­schaft. „Nun scheint aber ein Pla­teau er­reicht. Erst­mals wird so­gar von ei­ner ge­rin­gen Zu­nah­me be­rich­tet.“ Die jah­re­lan­ge Ab­nah­me sei dem me­di­zi­ni­schen Fort­schritt, den stän­dig ver­bes­ser­ten The­ra­pie­mög­lich­kei­ten ge­schul­det. Gleich­zei­tig wer­den die Men­schen aber im­mer äl­ter und der Al­te­rungs­pro­zess am mensch­li­chen Ge­fäß­sys­tem ist ein kon­stan­ter.

RI­SI­KO­FAK­TO­REN. „Au­ßer­dem be­ste­hen vie­le Ri­si­ko­fak­to­ren un­ver­än­dert wei­ter“, sagt Podcz­eck-schweig­ho­fer: „So hat et­wa die Zahl der Rau­che­rin­nen und Rau­cher nicht wirk­lich ab­ge­nom­men. Auch be­züg­lich re­gel­mä­ßi­ger kör­per­li­cher Ak­ti­vi­tät gibt es kaum Ve­rän­de­run­gen in po­si­ti­ver Rich­tung.“Laut Ex­per­ten­mei­nung ist un­ser Le­bens­stil haupt­ver­ant­wort­lich für vor­zei­ti­ge Schä­den an Herz und Kreis­lauf. Be­we­gungs­man­gel und schlech­te kör­per­li­che Fit­ness, fett­rei­che Kost, Rau­chen und Stress füh­ren da­zu, dass die Ge­fä­ße an Elas­ti­zi­tät ver­lie­ren und ir­gend­wann steif wer­den. Die Ar­te­rio­skle­ro­se (Ge­fäß­ver­kal­kung) gilt als ur­säch­lich für vie­le Herz-kreis­lauf-er­kran­kun­gen. Auch ein zu ho­her Cho­le­ste­rin­spie­gel und Blut­hoch­druck tra­gen ih­ren Teil da­zu bei. Welt­weit ster­ben jähr­lich rund 17,3 Mil­lio­nen Men­schen an den Fol­gen ei­ner Herz-kreis­lauf-er­kran­kung, wo­bei Schät­zun­gen ei­nen An­stieg auf bis zu 23,6 Mil­lio­nen im Jahr 2030 pro­gnos­ti­zie­ren. In­ter­es­san­ter­wei­se trifft es Män­ner im Schnitt acht bis zehn Jah­re frü­her. Dem lie­gen vor al­lem bio­lo­gi­sche Mecha­nis­men zu­grun­de: Frau­en sind auf­grund ih­rer na­tür­li­chen Ge­schlechts­hor­mo­ne wie Östro­gen und Ges­ta­gen bes­ser in ih­rem Ge­fäß­sys­tem ge­schützt. Mit zu­neh­men­dem Al­ter gleicht sich das Ri­si­ko der Ge­schlech­ter aber an. Dann kann es zur Ve­ren­gung der Herz­kranz­ge­fä­ße (ko­ro­na­re Herz­krank­heit), zu ei­ner aku­ten oder chro­ni­schen Herz­schwä­che oder zu Herz­rhyth­mus­stö­run­gen kom­men.

GE­WE­BE STIRBT AB. Die ko­ro­na­re Herz­krank­heit ist die am häu­figs­ten auf­tre­ten­de Herz­er­kran­kung. Durch ei­ne oder meh­re­re Eng­stel­len in ei­nem der Herz­kranz­ge­fä­ße kann das Blut nicht mehr aus­rei­chend pas­sie­ren. Im schlimms­ten Fall ver­schließt sich das Ge­fäß kom­plett und der Herz­mus­kel wird von der Ener­gie­zu­fuhr ab­ge­schnit­ten. Als Fol­ge stirbt das Herz-

„Die Ver­sor­gung der er­krank­ten Pa­ti­en­ten in Ös­ter­reich ist gut, das Be­wusst­sein für die Ver­mei­dung von Ri­si­ko­fak­to­ren ist schlecht. “Andrea Podcz­eck-schweig­ho­fer, Prä­si­den­tin der Ös­ter­rei­chi­schen Kar­dio­lo­gi­schen Ge­sell­schaft

mus­kel­ge­we­be ab – ein me­di­zi­ni­scher Not­fall, bei dem je­de Mi­nu­te zählt. Er­folgt ra­sche Hil­fe, so ste­hen die Über­le­bens­chan­cen und Lang­zeit­pro­gno­sen für Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten nicht schlecht. Was oft zu­rück­bleibt, aber auch durch jah­re­lan­ge chro­ni­sche Krank­heit wie Dia­be­tes oder Blut­hoch­druck be­dingt sein kann, ist die so­ge­nann­te Herz­in­suf­fi­zi­enz – ei­ne Herz­schwä­che.

HERZ­SCHWÄ­CHE. Da­bei ver­fügt der Herz­mus­kel nicht mehr über ge­nü­gend Leis­tung, um den Kör­per dau­er­haft­mit­nähr­stof­fen­zu­ver­sor­gen.die Le­bens­er­war­tung der Be­trof­fe­nen ist stark ein­ge­schränkt, häu­fi­ge Spi­tals­auf­ent­hal­te kei­ne Sel­ten­heit. Auf­grund der im­mer bes­se­ren Akut­ver­sor­gung be­schäf­tigt das Krank­heits­bild in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch die Kar­dio­lo­gi­sche Ge­sell­schaft. Hier­zu­lan­de be­trifft die chro­ni­sche Herz­in­suf­fi­zi­enz rund 300.000 Men­schen, sa­gen die Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten. Ein flä­chen­de­cken­des Be­hand­lungs­pro­gramm feh­le. „Wür­den nach recht­zei­ti­gem Er­ken­nen der Sym­pto­me gleich die rich­ti­gen dia­gnos­ti­schen Schrit­te und The­ra­pi­en ein­ge­lei­tet und die Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten re­gel­mä­ßig zu Hau­se be­treut wer­den, könn­ten vie­le Spi­tals­auf­nah­men und zu frü­he To­des­fäl­le ver­mie­den wer­den“, sagt Podcz­eck-schweig­ho­fer.

PRIMÄRPRÄVENTION. Mit dem zu­neh­men­den­le­bens­al­ter­wird­da­s­herz ge­ne­rell an­fäl­li­ger. Auch Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten des Herz­schlags, al­len vor­an das Vorhofflimmern, tre­ten öf­ter auf. Wer den Ri­si­ko­fak­to­ren schon in jun­gen Jah­ren vor­beugt, kann der vor­zei­ti­gen Al­te­rung von Herz und Ge­fä­ßen zu­min­dest ein Stück ent­ge­gen­wir­ken. Man­che Din­ge – et­wa an­ge­bo­re­ne Stoff­wech­sel­stö­run­gen oder ho­he Blut­fet­te – las­sen sich nicht be­ein­flus­sen, kön­nen bei früh­zei­ti­gem Er­ken­nen aber be­han­delt wer­den. Da­zu meint Podcz­eck-schweig­ho­fer: „Die Ver­sor­gung der er­krank­ten Pa­ti­en­ten in Ös­ter­reich ist gut, das Be­wusst­sein für die Ver­mei­dung von Ri­si­ko­fak­to­ren ist schlecht. Durch in­ten­si­ve Primärprävention könn­ten vie­le Herz­in­fark­te und Schlag­an­fäl­le ver­hin­dert wer­den oder wür­den zu ei­nem spä­te­ren Le­bens­zeit­punkt auf­tre­ten.“«

Mit dem zu­neh­men­den Le­bens­al­ter wird das Herz ge­ne­rell an­fäl­li­ger

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