DEM AL­TER EIN­FACH DA­VON­LAU­FEN

In­ter­view mit Dr. Chris­ti­an Wer­ner über Scher­stress und Uns­terb­lich­keits­en­zy­me. VON BAR­BA­RA STIE­GER

Kurier Magazine - Kinder - - Bewegung -

Sie ha­ben er­forscht, dass re­gel­mä­ßi­ger Sport zu ei­nem An­ti-aging-ef­fekt führt und Zel­len lang­sa­mer al­tern lässt. Was wur­de kon­kret un­ter­sucht? Chris­ti­an­wer­ner:

Wir ha­ben in un­se­rer Stu­die neue mo­le­ku­la­re mecha­nis­men von sport un­ter­sucht. Erst­mals wur­de ei­ne ran­do­mi­sier­te, kon­trol­lier­te und pro­spek­ti­ve Stu­die zu den Ef­fek­ten ver­schie­de­ner Sport­ar­ten auf Pa­ra­me­ter der­zell al­te­rung durch­ge­führt. Als Aus­dau­er trai­ning sport­ar­ten wur­den kon­ti­nu­ier­li­ches Jog­gen (3 x 45 min pro Wo­che) vs. In­ter­vall t rain ing(4x 4-Me­tho­de, 3x45min/ Wo­chen) mit ei­nem Kraft­trai­ning (Zir­kel­trai­ning an acht Ge­rä­ten, 3 x 45 min / Wo­che) un­ter­sucht. Wäh­rend die Pro­ban­den in der Kon­troll­grup­pe in die­ser Zeit kein Trai­ning be­gin­nen durf­ten, ha­ben die pro­ban­den der drei trai­nings­grup­pen über sechs Mo­na­te trai­niert, zum Teil trai­ner kon­trol­liert und zum Teil mit trai­nings ta­ge­buch und puls­uhr kon­trol­le. Bei al­len Teil­neh­mern wur­de vor dem ers­ten und nach dem letz­ten Ter­min Blut ab­ge­nom­men. Ent­schei­dend wa­ren die Mes­sun­gen von wich­ti­genPa­ra me­tern derZel­lal­te­rung, dies wa­ren die te­lom er län­ge und die Te­lo­me ra­se ak­ti­vi­tät.

Kön­nen Sie die wich­ti­ge Funk­ti­on der Te­lo­me­ra­se für die Zell­tei­lung ein biss­chen nä­her er­klä­ren?

Wir ver­su­chen zu er­klä­ren, war­um sport so güns­ti­ge Ef­fek­te im Herz-kreis­laufSys­tem hat. Un­ter an­de­rem ha­ben wir die re­duk­ti­on vo­no xi da­ti­vem stress, Er­hö­hung von Ge­fäß vor­läu­fer stamm zel­len und Ak­ti­vie­rung ge­fäß schüt­zen­der En­zy­me als wich­ti­ge Re­gu­la­to­ren da­für nach­wei­sen kön­nen. Da al­le ge­nann­ten Punk­te auch bei­derZell al­te­rung re­le­vant sind, un­ter­su­chen wir seit über zehn Jah­ren die Re­gu­la­ti­on der Zel­lal­te­rung durch kör­per­li­che ak­ti­vi­tät. Ne­ben oxi­da­ti­vem Stress spie­len hier­bei die Te­lo­me­re ei­ne rol­le. Die sind schutz struk­tu­ren an­den En­den un­se­rer Chro­mo­so­men, ähn­lich den Plas­tik kap­pen an­den En­den von Schnür­sen­keln. Wer­den die Te­lo­me­re durch Pro­zes­se der Zel­lal­te­rung und schäd­li­che Ein­wir­kung z.b. von Sau­er­stoff ra­di­ka­len zu stark ver­kürzt oder be­schä­digt, gibt die­se in Si­gnal an die Zel­le, wei­te­res Wachs­tum wird ein­stellt, aber die zel­le funk­tio­niert durch­aus noch. Die Te­lo­me­ra­se, das so ge­nann­te„ Uns­terb­lich­keits en­zym “, ist das ein­zi­ge En­zym, das ver­lo­ren ge­gan­ge­ne Te­lo­me­re wie­der re­pa­rie­ren kann. Es hat ei­ne be­son­ders star­ke ak­ti­vi­tät in Stamm­zel­len und in Krebs­zel­len, weil die­ses ich un­end­lich tei­len kön­nen müs­sen.

Das er­geb­nis: Mo­de­ra­ter aus­dau­er sport und hoch in­ten­si­ves In­ter­vall trai­ning brem­sen den Al­te­rungs­pro­zess von Zel­len und Or­ga­nis­mus bes­ser als rei­nes Kraft­trai­ning. War­um?

Das ist ei­ne sehr span­nen­de Fra­ge, die aus ei­ner kli­ni­schen Stu­die nicht klar zu be­ant­wor­ten ist. Mei­ne Hy­po­the­se wä­re,d ass–trotz glei­chem trai­nings­vo­lu­men–hä­mo dy­na­mi­sche Un­ter­schie­de zwi­schen den Trai­nings for­men be­stan­den, die dies er­klä­ren. Als Bei­spiel: Blut­druck und Herz­fre­quenz sind völ­lig an­ders bei Kraft- als bei Aus­dau­er­trai­ning. Dies führt zu Un­ter­schie­den in­dem auf die Ge­fäß­in­nen wän­de ein­wir­ken­den Scher­stress. Scher stress ist eng an die Ak­ti­vi­tät ge­fäß er­wei­tern­der und- schüt­zen­der en­zy­me ge­kop­pelt. Aus frü­he­ren Stu­di­en wis­sen wir, dass die En­zy­me und die te­lo­me­ras ein ge­fäß zel­len eng ver­brü­dert sind, so­dass die­se in er­klä­rungs­ver­su ch wä­re. Als Trost für die Fans des Kraft­trai­nings kann man sa­gen, dass die­se Trai­nings­form zwar nicht die Te­lo­me­ra­se ak­ti­viert und die Te­lo­me­re ver­län­gert hat, aber ge­nau­so wie beim Aus­dau­er­trai­ning wur­den an­de­re, die Te­lo­me­re sta­bi­li­sie­ren­de, Fak­to­ren her­auf­re­gu­liert.

Tritt der po­si­ti­ve Ef­fekt auch ein, wenn ich nur ein biss­chen trai­nie­re?

Tat­säch­lich ha­ben wir auch Akut ver­su­che durch­ge­führt. In die­sen stu­di­en ha­ben wir bei jun­gen ge­sun­den Pro- ban­den ein aku­tes Aus­dau­er­trai­ning von 45 mi­nu­ten ge­gen­über mög­lichst an­stren­gen­dem Kraft trai­ning der­sel­ben Dau­er ver­gli­chen. Hier be­ob­ach­te­ten wir er­staun­li­cher­wei­se ei­ne schnel­le Ak­ti­vie­rung der Te­lo­me­ra­se in den Blut­zel­len un­se­rer Pro­ban­den für zwölf bis 24 Stun­den nach dem Aus­dau­er­trai­ning, aber nicht nach Kraft­trai­ning. Je­des Mal, wenn wir al­so ei­nen Wald­lauf durch­füh­ren, wer­den En­zy­me in un­se­ren Zel­len kurz­zei­tig ak­ti­viert, die die Zel­lal­te­rung hem­men. Ich er­klä­re es im­mer wie ein „An­ti-aging-kon­to“: Wenn man läuft und sich da­mit et­was Gu­tes tut, zahlt man et­was auf da skon­to ein. Wenn man un­ge­sund lebt, hebt man lei­der et­was von dem Kon­to ab. Führt man das aus­dau­er trai­ning ab­err egel­mä­ßig min­des­tens sechs Mo­na­te durch, kann man nach ei­ni­gen Mo­na­ten so­gar ei­ne Ver­län­ge­rung der Blut­zell­te­lo­me­re­mes­sen. Da­sist­schon­toll.

Lohnt es sich, auch in ei­nem hö­he­ren Al­ter mit dem Trai­ning zu be­gin­nen?

Das mitt­le­re Al­ter der Pro­ban­den in un­se­rer Stu­die war 50 Jah­re . In die­ser Al­ters­grup­pe sind die be­ob­ach­te­ten Ef­fek­te auf die Zel­lal­te­rung auf­ge­tre­ten. Man könn­te die Da­ten viel­leicht so­in­ter­pre­tie­ren, dass­man, wenn­man mit 50 Jah­ren mit dem Trai­ning an­fängt, viel­leicht nicht wie­der herz und Ge­fä­ße ei­nes 30-Jäh­ri­gen be­kommt, aber dass man viel­leicht mit 80 jah­ren noch jung­ge­blie­ben wie ein 50-Jäh­ri­ger ist. Wich­tig ist mir zu be­to­nen, dass un­se­re Stu­die nicht da­zu er­mun­tern soll, kein Kraft­trai­ning durch­zu­füh­ren. Die­ses hat vie­le gu­te Ef­fek­te auf­mus­ku­la­tur, Kno­chen­bau­etc. und stei­gert ja die glo­ba­le Fit­ness in glei­cher Form wie Aus­dau­er­trai­ning.

PD Dr. med. Chris­ti­an Wer­nerOber­arzt Uni­ver­si­täts kli­nik um des Saar­lan­des, Kli­nik für In­ne­re Me­di­zin III -– Kar­dio­lo­gie, An­gio­lo­gie und In­ter­nis­ti­sche In­ten­siv­me­di­zin

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