WENN DAS KIND TROTZT

Kurier Magazine - Kinder - - Entwicklungsphasen -

Je­der, der Kin­der hat, kennt die Si­tua­ti­on: Bub oder mäd­chen steht im su­per­markt, brüllt und will par­tout nicht auf­hö­ren, wenn ge­wünsch­te Sü­ßig­keit nicht im Ein­kaufs­wa­gen lan­det. Die Trotz­pha­se si­gna­li­siert, dass das Kind selbst­stän­dig wird und sei­nen ei­ge­nen Wil­len ent­deckt. Et­wa mit ein­ein­halb bis drei Jah­ren ist es so weit. „Das Kind be­greift sich zu­neh­mend als ei­gen­stän­di­ge Per­son, die et­was be­wir­ken und selbst ma­chen kann “, er­klärt Ent­wick­lungs psy­cho­lo­gin Höhl ( sie­he auch Ge­schich­te auf Sei­te 38). Es ist die Zeit, in der die Gren­zen aus­ge­lo­tet und Trä­nen auf­grund von Ent­täu­schun­gen häu­fi­ger wer­den. Sich selbst und sei­ne Emo­tio­nen zu kon­trol­lie­ren, müs­sen Kin­der müh­sam ler­nen. Von El­tern­sei­te ist da­her viel Ver­ständ­nis und Ge­duld ge­fragt. „Auch um kla­re Re­geln kommt man nicht her­um“, sagt Kin­der­ärz­tin Kar­all. „Nur so kann das Kind ei­gen­stän­di­ge Er­fah­run­gen sam­meln, oh­ne sich selbst in Ge­fahr zu brin­gen.“

an­zu­stel­len, ist da meist hin­der­lich.“Le­arning by do­ing lau­tet die Ma­xi­me de­s­klein­kin­des. Et­waab­dem­fünf­ten Mo­nat greift es nach al­lem, was nicht niet- und na­gel­fest ist. Ge­gen­stän­de wer­den spie­le­risch un­ter­sucht, an­ge­fasst, in­den­mund­ge­steckt. Das­rüst­zeug, um sich in der Welt zu­recht­zu­fin­den, ge­ben die El­tern mit: In Form der bio­lo­gi­schen Ver­an­la­gung, aber auch durch den Frei­raum, der dem Kind ge­schenkt wird. El­tern fin­den

sich da­bei häu­fig in der Rol­le der ge­dul­di­gen Be­ob­ach­ter wie­der. „Sichin­ge­las­sen­heit­ü­ben“, emp­fiehlt Ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gin Stefanie Höhl – was nicht be­deu­te, dass Er­zie­hungs­per­so­nen­nicht­durch­an­re­gun­gen­un­ter­stüt­zen­kön­nen. Au­ßer­dem: „Es gibt kein Pa­tent­re­zept, das für je­des­kind­funk­tio­niert. Auf­ga­be­der­el­tern ist es, sich am ak­tu­el­len Ent­wick­lungs­stand und den spe­zi­fi­schen Be­dürf­nis­sen des Kin­des zu ori­en­tie­ren: Wo steht mein Kind ge­ra­de? Wo­mit be­schäf­tigt es sich? Braucht es mei­ne An­spra­che oder möch­te es lie­ber in ru­he ge­las­sen wer­den ?“Hat sich das Kind ei­ne neue Fä­hig­keit an­ge­eig­net, will es die­se in der Re­gel auch aus­pro­bie­ren. Den kind­li­chen An­trieb aus Angst vor blau­en Fle­cken zu hem­men oder gar zu ver­bie­ten, be­ur­tei­len Ent­wick­lungs me­di­zi­ner als kon­tra­pro­duk­tiv .„ Selbst wen nein Kind beim Ver­such zu es­sen ein­mal die »

Mahl­zeit quer über den Tisch ver­teilt, soll­te man es ex­plo­rie­ren las­sen. Nur so kann es sei­ne Fein­mo­to­rik üben“, rät Kar­all.

LER­NEN VON VORBILDERN.

Kin­der imi­tie­ren und ler­nen von Vorbildern. Et­wa mit ei­nem hal­ben jahr in­ter­es­sie­ren sie sich für­di eH andlungs zie­le an­de­rer Men­schen. Neu­gier­de treibt den­nach­wuchsan, sich­din­ge­aus­der Um­ge­bung ab­zu­schau­en. Auf das „Be­grei­fen“folgt bald auch das „Be­nen­nen“. Aus lo­sem Ge­brab­bel wer­den ge­gen en­de des ers­ten le­bens­jahr es ziel­ge­rich­te­te Ein- wort- sät­ze. Schnell wächst der Wort­schatz im zwei­ten Le­bens­jahr mit­un­ter schon auf hun­dert Wör­ter an. „Mit dem Kind zu spre­chen, hat da durch­aus ei­nen trai­nings ef­fekt “, er­klärt­kar­all. Tag für Tag wird die Er­fah­rungs­welt bun­ter, der Be­we­gungs­ra­di­us grö­ßer. Das kann für Er­zie­hungs per­so­nen ganz schön ner­ven­auf­rei­bend sein. Be­schließt das Kind et­wa, den ers­ten Trep­pen­auf­stieg zu wa­gen, so soll­ten El­tern nicht re­flex­ar­tig mit„ Nein“re­agie­ren. Statt­des­sen gilt es–in die­sem be­son­de­ren wie mög­lichst je­dem Fall –hel­fend zur stel­le zu sein, fall sein ab­sturz droht. Geht al­les gut, ist die freu­de bei­der­sei­tig um­so grö­ßer .«

„Was die mo­to­ri­sche Ent­wick­lung von Kin­dern an­geht, ha­ben wir es mit ei­ner gro­ßen Schwan­kungs­brei­te zu tun.“OÄ Ao. Univ.- Prof. Dr. Da­nie­la Kar­all, Kin­der- und Ju­gend­fach­ärz­tin

Le­arning by do­ing lau­tet die Ma­xi­me des Klein­kin­des: Tag für Tag wird die Er­fah­rungs­welt bun­ter und der Be­we­gungs­ra­di­us grö­ßer

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