MU­SIK KANN AUCH LEI­DEN SCHAF­FEN

Mat­thi­as Bertsch, Ab­tei­lung Mu­sik­phy­sio­lo­gie der Uni­ver­si­tät für Mu­sik Wi­en, über die Op­ti­mie­rung von In­stru­men­ten und prä­ven­ti­ve Maß­nah­men.

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Wo­mit be­schäf­tigt sich ein Mu­sik­phy­sio­lo­ge? Mat­thi­as Bertsch: In mei­ner Ar­beit geht es un­ter an­de­rem dar­um, In­stru­men­te in Zu­sam­men­ar­beit mit Mu­si­kern und Me­di­zi­ne­rin zu op­ti­mie­ren. Vor al­lem dar­um, die In­ter­ak­ti­on zwi­schen Mu­si­ker und In­stru­ment zu ver­ste­hen und Stress zu re­du­zie­ren.

Sind Mu­si­ker be­son­ders ge­stresst? Es ist wie beim Hoch­leis­tungs­sport. Zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt muss man ei­ne Spit­zen­leis­tung er­brin­gen. Wenn Sie im Orches­ter der Phil­har­mo­ni­ker spie­len, müs­sen Sie die­se Leis­tung rund 200-mal pro Jahr er­brin­gen. Vie­le Pro­fi­mu­si­ker grei­fen zu Be­ta-blo­ckern und an­de­rem.

Was sind die Haupt­pro­ble­me? Wenn sich bei schwie­ri­gen Stel­len die Schul­tern ver­kramp­fen, kann sich da­durch die At­mung än­dern. Ich ha­be ei­nen Sen­sor für Trom­pe­ter ent­wi­ckelt, der den Lip­pen­druck misst und hilft, die Spiel­art zu ver­bes­sern. Mit we­ni­ger An­stren­gung soll mehr er­reicht wer­den. Oder wie ver­spannt ein Gei­ger sei­nen Arm un­ter Stress? Bei asym­me­tri­schen In­stru­men­ten wie Gei­ge oder Qu­er­flö­te ist das oft ein Pro­blem.

Wie kön­nen Sie das un­ter­su­chen? Mit­tels EMG wird die Ver­span­nung in den Mus­keln ge­mes­sen. Die At­mung wird eben­so kon­trol­liert und auch, ob der Mu­si­ker schwitzt. Da­für wer­den die Mes­sun­gen in ent­spann­ter At­mo­sphä­re und in ei­ner Stress­si­tua­ti­on ge­mes­sen. Die Da­ten wer­den ver­gli­chen und wei­te­re Schrit­te be­spro­chen.

Wie kann man vor­beu­gen? Mit Mes­sun­gen, men­ta­lem Coa­ching so­wie Kör­per­ar­beit. Na­tür­lich ist es be­son­ders wich­tig, schon früh mit der Prä­ven­ti­on zu be­gin­nen. Es gibt nun den ers­ten uni­ver­si­tä­ren Lehr­gang für Mu­sik­phy­sio­lo­gie. In den Wie­ner Mu­sik­schu­len sol­len die­se Ex­per­ten auf­klä­ren und für Prä­ven­ti­on sor­gen.

Univ.-prof. Dr. Mat­thi­as Bertsch, Ab­tei­lung Mu­sik­phy­sio­lo­gie der Uni­ver­si­tät für Mu­sik Wi­en

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