Fuß­ball för­dert Te­am­geist und Kon­di­ti­on

Wäh­rend bei der Fuß­ball-wm in Russ­land die bes­ten Spie­ler ge­gen­ein­an­der an­tre­ten, er­freut sich der Sport auch in Ös­ter­reich größ­ter Be­liebt­heit. Denn Fuß­ball macht nicht nur Spaß, er ist ge­sund – für Kör­per und Geist.

Kurier Magazine - Magen-Darm - - Vorderseite - VON BEN­JA­MIN SCHACHERL

» Die 32 bes­ten Na­tio­nen der Welt spie­len in Russ­land bei der Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft um den be­gehr­ten Wm-ti­tel. Das Fi­na­le in Mos­kau fin­det am 15. Ju­li statt. Rund drei Mil­li­ar­den Men­schen ver­fol­gen die Mat­ches von Spie­lern wie Cris­tia­no Ro­nal­do, Ney­mar oder Lio­nel Mes­si. Die Fuß­ball­stars ver­las­sen sich da­bei nicht nur auf ihr Ta­lent, son­dern schuf­ten Tag für Tag, um kör­per­lich in Best­form zu sein. Auch in Ös­ter­reich ja­gen wö­chent­lich rund 300.000 Spie­ler und Spie­le­rin­nen dem Ball nach. Das re­gel­mä­ßi­ge Trai­ning er­for­dert ein ent­spre­chen­des Be­wusst­sein für Kör­per und Ge­sund­heit. Zwar er­eig­net sich je­der drit­te Sport­un­fall beim Fuß­ball, doch bei rich­ti­ger Aus­übung ist es ein äu­ßerst ge­sun­der Sport. „Man soll­te sich nicht von den Ver­let­zun­gen ab­schre­cken las­sen. Fuß­ball ist ge­sund“, sagt Chris­ti­an Gäb­ler. Der 54-Jäh­ri­ge ist Lei­ter des Zen­trums für Sport- und Ge­lenk­chir­ur­gie der Pri­vat­kli­nik Jo­sef­stadt. Bei der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft 2008 in Ös­ter­reich und der Schweiz war er als „Chief Me­di­cal Of­fi­cer“für die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung al­ler Spie­ler ver­ant­wort­lich. Gäb­ler ope­rier­te un­ter an­de­rem den ita­lie­ni­schen Star­spie­ler Fa­bio Can­na­va­ro nach des­sen Sprung­ge­lenk­ver­let­zung. Ama­teur­fuß­bal­ler kön­nen das Ver­let­zungs­ri­si­ko mit rich­ti­gem Trai­ning und Mus­kel­auf­bau ver­rin­gern. „Bei ei­ner Alt­her­ren­par­tie, die ein­mal in der Wo­che spielt, pas­sie­ren mehr Ver­let­zun­gen als bei ei­nem Ama­teur­ver­ein, der re­gel­mä­ßig trai­niert“, er­klärt Gäb­ler.

VIENNA FRAU­EN. Drei- bis vier­mal wö­chent­lich trai­niert das Frau­en­Team des First Vienna FC, Ös­ter­reichs äl­tes­tem Fuß­ball­klub. An ei­nem war­men Don­ners­tag­abend ste­hen die Vienna-spie­le­rin­nen schon ei­ne hal­be St­un­de vor Trai­nings­be­ginn am Fuß­ball­feld des Sta­di­ons auf der Ho­hen War­te in Dö­bling. Reih­um pas­sen sich die Fuß­bal­le­rin­nen zu, in der Mit­te ver­sucht ei­ne Team­kol­le­gin den Ball ab­zu­fan­gen. Die so­ge­nann­te „Hö­sche“ist ein Klas­si­ker un­ter den Auf­wärm­übun­gen. Der Kör­per wird auf­ge­wärmt und ak­ti­viert – und auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Als Trai­ner Aschot Mov­se­si­an dann das Trai­ning er­öff­net, be­fol­gen die Spie­le­rin­nen sei­ne An­wei­sun­gen am Vor­abend des Fi­nal­spiels des Wie­ner Frau­en­cups mit höchs­ter Kon­zen­tra­ti­on. Mov­se­si­an ach­tet auf ein aus­ge­wo­ge­nes Trai­ning, das al­le Kör­per­re­gio­nen be­rück­sich­tigt. „Es ist wich­tig, im Baucho­der Rü­cken­be­reich sta­bil zu sein. Wenn dort die Mus­ku­la­tur ge­stärkt ist, wirkt sich das auch auf die Bei­ne aus“, sagt die 28-jäh­ri­ge Stür­me­rin Bi­an­ca Lieb­hart.

DIE RICH­TI­GE REGENERATION. Vic­to­ria Leit­ner ist mit 15 ei­ne der al­ler­jüngs­ten Spie­le­rin­nen im Vi­en­naTeam. Als Sport­gym­na­si­as­tin hat sie ein ge­stei­ger­tes Fit­ness­be­wusst­sein.

„Es ist wich­tig, im Bauch- und Rü­cken­be­reich sta­bil zu sein. Wenn dort die Mus­ku­la­tur ge­stärkt ist, wirkt sich das auch po­si­tiv auf die Bei­ne aus“Bi­an­ca Lieb­hart, Stür­me­rin bei der Vienna

„Ne­ben den fuß­bal­le­ri­schen Fä­hig­kei­ten ist es das Wich­tigs­te, die Aus­dau­er zu trai­nie­ren“, sagt sie. „Fuß­ball ist ein Hoch­leis­tungs­sport. Es ist al­les viel ath­le­ti­scher ge­wor­den“, er­klärt Ma­rio Ertl, der seit fünf Jah­ren als Mas­seur und in der phy­sio­the­ra­peu­ti­schen Ab­tei­lung der Vienna tä­tig ist. „Der Kun­st­ra­sen be­an­sprucht die Ge­len­ke und die Mus­ku­la­tur. Kommt es zu Ver­här­tun­gen, mas­sie­re ich sie aus“, sagt Ertl. Die ers­te Maß­nah­me für ei­ne ge­lun­ge­ne Regeneration ist das Aus­lau­fen nach dem Spiel. „Die Mus­ku­la­tur ist nach ei­nem Fuß­ball­spiel über­säu­ert. Das Aus­lau­fen dient der Lo­cke- rung“, so der Mas­seur. In der Ka­bi­ne er­folgt an­schlie­ßend der Schritt in den Käl­te­pool. Durch die nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren wer­den Durch­blu­tung und Stoff­wech­sel an­ge­regt. Grund­sätz­lich kann je­der Fuß­ball spie­len, der will. „Von der Evo­lu­ti­on her sind wir dar­auf kon­di­tio­niert, et­was nach­zu­ja­gen. Und ei­nem Ball nach­zu­ja­gen macht ex­trem Spaß“, sagt Gäb­ler. Die ge­sund­heit­li­chen Vor­zü­ge in der Aus­übung des Fuß­ball­sports lie­gen in ih­rer gro­ßen Band­brei­te. „Durch Fuß­ball kann die Ko­or­di­na­ti­on ex­trem gut ge­schult wer­den“, er­klärt der Sport­me­di­zi­ner. »

Zu­sätz­lich pro­fi­tiert das Herz­kreis­lauf­sys­tem von den stän­di­gen Tem­po­wech­seln und den da­zwi­schen­lie­gen­den Ru­he­pau­sen. Dä­ni­sche Sport­wis­sen­schaft­ler ha­ben in ei­ner drei­mo­na­ti­gen Un­ter­su­chungs­pha­se her­aus­ge­fun­den, dass re­gel­mä­ßi­ges Fuß­ball­spie­len so­gar ge­sün­der ist als eben­so re­gel­mä­ßi­ges Jog­gen. In ih­rer Un­ter­su­chung stell­ten die Stu­di­en­lei­ter fest, dass bis da­hin un­trai­nier­te, fuß­ball­spie­len­de Män­ner zwi­schen dem 20. und 40. Le­bens­jahr mehr als drei Ki­lo Fett ab­bau­ten und zwei Ki­lo­gramm Mus­kel­mas­se zu­nah­men. Die jog­gen­de Ver­gleichs­grup­pe ver­lor zwei Ki­lo­gramm Fett, bau­te aber kei­ne neue Mus­keln auf. In ei­nem wei­te­ren Test­lauf wur­den un­trai­nier­te Her­ren zwi­schen 63 und 75 Jah­ren in drei Grup­pen ein­ge­teilt. Die ers­te spiel­te Fuß­ball, die zwei­te ging ins Fit­ness­stu­dio und die drit­te üb­te kei­ner­lei Sport aus. In den sport­lich ak­ti­ven Grup­pen wur­de ei­ne Ver­bes­se­rung des Ru­he­puls und der Lak­tat­wer­te nach­ge­wie­sen. Bei der Fuß­ball­grup­pe nah­men auch Aus­dau­er und Lun­gen­funk­ti­on mess­bar zu.

GUT FÜR DIE PSY­CHE. Auch für die Psy­che ist das Fuß­ball­spie­len gut. „Die Neu­ro­trans­mit­ter stei­gen stark an. Bo­ten­stof­fe wie Se­ro­to­nin oder No­r­ad­re­na­lin, die für die Ent­ste­hung von De­pres­sio­nen ver­ant­wort­lich sind, wer­den re­gu­liert“, sagt »

„Je öf­ter ein Team trai­niert, um­so ge­rin­ger ist die Ver­let­zungs­häu­fig­keit. Bei ei­nem Ama­teur­team, das re­gel­mä­ßig trai­niert, kommt es zu we­ni­ger Ver­let­zun­gen als bei ei­ner Hob­by-run­de, die nur ein­mal wö­chent­lich spielt.“Ao. Univ. Prof. Dr. Chris­ti­an Gäb­ler, Fach­arzt für Un­fall­chir­ur­gie und Sport­trau­ma­to­lo­gie

Wolf­gang Penn­wie­ser, der sich im Be­reich der Sport­psych­ia­trie und Sport­psy­cho­the­ra­pie spe­zia­li­siert hat. Dar­über hin­aus wer­den angst­hem­men­de Bo­ten­stof­fe frei­ge­setzt, die für Ent­span­nung sor­gen. Die­se po­si­ti­ven Aspek­te könn­ten je­doch nicht für den Fuß­ball auf Hoch­leis­tungs­ni­veau über­nom­men wer­den. „Hier gibt es auch die Ge­fahr der Über­do­sie­rung“, sagt Penn­wie­ser.

DIE RICH­TI­GE IN­TEN­SI­TÄT. In der Fa­vo­rit­ner Abend­son­ne bit­tet Coach Igor Jo­vic sei­ne Spie­ler des FAVAC, des Fa­vo­rit­ner Ath­le­tik­clubs, zum Trai­ning. Es ist Mon­tag, am Wo­che­n­en­de be­strit­ten sei­ne Spie­ler ein kräf­te­rau­ben­des Match in der Wie­ner Li­ga, der viert­höchs­ten Spiel­klas­se. Die heu­ti­ge Ein­heit steht des­we­gen im Zei­chen der Regeneration. Die Spie­ler ab­sol­vie­ren zu Be­ginn Sta­bi­li­täts- und Mus­kel­auf­bau­übun­gen. Da­bei kommt auch ein Me­di­zin­ball zum Ein­satz. Trai­ner Jo­vic er­klärt sei­nen Trai­nings­plan: „Bei der heu­ti­gen Ein­heit geht es dar­um, durch ein lo­cke­re­res Trai­ning die Blut­zir­ku­la­ti­on in Gang zu brin­gen, da­mit der Kör­per schnel­ler re­agie­ren kann.“Das Team von Jo­vic trai­niert vier­mal wö­chent­lich. Der Trai­ner be­rück­sich­tigt die un­ter­schied­li­chen Le­bens­si­tua­tio­nen sei­ner Schütz­lin­ge. Da sich in Ös­ter­reich nur die ers­ten bei­den Li­gen auf Pro­fi­ni­veau be­fin­den, sind vie­le der Spie­ler be­rufs­tä­tig. „Wenn ei­ner un­ter­tags schwer schleppt, muss ich auf­pas­sen, dass sie nicht über­be­las­tet sind“, sagt er. Zu Sai­son­be­ginn wer­den die Spie­ler Lau­fund Kraft­tests un­ter­zo­gen, die Da­ten be­hält Jo­vic stets im Au­ge.

KINESIO-TAPES. Aus dem Be­reich des Pro­fi­sports schwappt mit den ki­ne­sio­lo­gi­schen Tapes auch ein neu­er Trend auf vie­le Hob­by­sport­ler über. Da­bei wird auf ei­ner be­stimm­ten Kör­per­stel­le ein elas­ti­sches selbst­kle­ben­des Ta­pe an­ge­bracht, das the­ra­peu­tisch wir­ken soll. „Das Kinesio-ta­pe funk­tio­niert wie ein Mus­kel. Es ist pul­sie­rend, the­ra­piert und sta­bi­li­siert den Mus­kel“, sagt Vienna-mas­seur Ertl, der sich zum Kinesio-the­ra­peut aus­bil­den ließ. „Es ist die bes­te Tech­nik zur Un­ter­stüt­zung der Mus­ku­la­tur“, meint Ertl. Je­doch sind nicht al­le Sport­wis­sen­schaft­ler glei­cher­ma­ßen von der Wir­kung der bun­ten Kle­be­strei­fen über­zeugt. Ei­nig­keit herrscht aber über die po­si­ti­ven ge­sund­heit­li­chen Aus­wir­kun­gen des Fuß­ball­sports. Am En­de der Trai­nings­ein­heit brin­gen sich die Vienna-spie­le­rin­nen beim Ab­schluss­spiel kör­per­lich und men­tal in den Match­mo­dus für das be­vor­ste­hen­de Fi­na­le. Am nächs­ten Tag ge­win­nen sie mit ei­nem 2:0-Sieg über Aus­tria Wi­en den Po­kal – und be­loh­nen sich da­mit für ihr in­ten­si­ves Trai­ning. «

„Beim Fuß­ball­spie­len stei­gen die Neu­ro­trans­mit­ter stark an. Bo­ten­stof­fe wie Se­ro­to­nin oder No­r­ad­re­na­lin, die für die Ent­ste­hung von De­pres­sio­nen ver­ant­wort­lich sind, wer­den da­durch re­gu­liert.“Dr. Wolf­gang Penn­wie­ser, Sport­psych­ia­ter

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