War­um wir mehr Fisch kon­su­mie­ren soll­ten

Hoch­wer­ti­ges Ei­weiß, ge­sund­heits­för­dern­de Fett­säu­ren, wert­vol­le Vit­ami­ne und Mi­ne­ral­stof­fe: Die Lis­te sei­ner Vor­zü­ge ist lang. Und den­noch lan­det Fisch hier­zu­lan­de noch viel zu sel­ten auf un­se­ren Tel­lern.

Kurier Magazine - Magen-Darm - - Vorderseite - VON AN­JA GEREVINI

» Als die Rö­mer den heu­ti­gen deut­schen Bo­den be­tra­ten, brach­ten sie et­was mit, das bei den Ger­ma­nen blan­kes Grau­en aus­lös­te. Gar­um nann­ten sie die So­ße, die sie zum Wür­zen al­ler mög­li­chen Spei­sen ver­wen­de­ten. Her­ge­stellt wur­de sie aus fer­men­tier­tem Fisch. Die Ger­ma­nen, be­ken­nen­de Fleisch­es­ser, konn­ten dar­über nur den Kopf schüt­teln. Fisch? Das kam bei ih­nen kaum auf den Tisch. Im Mit­tel­al­ter fand ein Um­den­ken statt, zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen nicht ganz frei­wil­lig. Da die Kir­che an sehr vie­len Fei­er­ta­gen den Ver­zehr von Fleisch ver­bot, fand Fisch im­mer mehr Ein­zug in die mit­tel­eu­ro­päi­sche Kü­che. Doch im Ver­gleich zu den nor­di­schen oder süd­li­chen Län­dern ist der Kon­sum hier­zu­lan­de im­mer noch recht be­schei­den. In Zah­len: Nach An­ga­ben der Food and Ag­ri­cul­tu­re Or­ga­ni­sa­ti­on (FAO) wer­den in Ös­ter­reich 13,3 Ki­lo­gramm Fisch pro Kopf und Jahr ver­zehrt. In Por­tu­gal sind es 56,8 Ki­lo­gramm, in Spa­ni­en 42,4 und in Finn­land 35,6 Ki­lo­gramm.

GU­TER FANG. Ex­per­ten be­dau­ern, dass Fisch in hei­mi­schen Kü­chen im Ver­gleich zu Fleisch ein Schat­ten­da­sein führt. „Da­bei sind wir an­ge­hal­ten von der flei­sch­rei­chen zu ei­ner flei­sch­är­me­ren Er­näh­rung um­zu­stei­gen, denn ho­her Fleisch­kon­sum ist nach­weis­lich mit vie­len ge­sund­heit­li-

Tipp: Kräuter mit wei­chen Blät­tern nicht zu lan­ge mit­ko­chen oder -bra­ten. So ver­lie­ren sie ihr Aro­ma.

chen Ri­si­ken ver­bun­den – et­wa für ei­ne er­höh­te kar­dio­vas­ku­lä­re Mor­ta­li­tät und Mor­bi­di­tät“, sagt Kurt Wid­halm, Prä­si­dent des Ös­ter­rei­chi­schen aka­de­mi­schen In­sti­tuts für Er­näh­rungs­me­di­zin. „Dar­aus re­sul­tiert, dass man sich über­le­gen muss, wel­ches Pro­te­in aus der Na­tur wir zu uns neh­men kön­nen, um un­se­ren Be­darf zu de­cken. Da bie­tet sich Fisch als idea­le Quelle an.“Ei­weiß ist spä­tes­tens seit dem Auf­kom­men von Low-carb-diä­ten in al­ler Mun­de. Der Nähr­stoff boomt, da er die Fett­ver­bren­nung an­kur­beln soll, aber er ist auch von ge­sund­heit­li­cher Re­le­vanz. Pro­te­ine sind näm­lich für den Auf­bau von Mus­keln, Kno­chen, Bän­dern und Seh­nen ver­ant­wort­lich und re­gu­lie­ren als En­zy­me den Stoff­wech­sel. Da­mit es zu kei­ner Un­ter­ver­sor­gung kommt, rät et­wa die Deut­sche Er­näh­rungs­ge­sell­schaft da­zu, pro Tag 0,8 Gramm Ei­weiß pro Ki­lo­gramm Kör­per­ge­wicht zu sich zu neh­men. „Das Fisch­pro­te­in ist ein ge­sun­des Pro­te­in“, sagt Kurt Wid­halm. „Er­näh­rungs­ge­sell­schaf­ten emp­feh­len, zwei­mal pro Wo­che Fisch zu es­sen, aber man könn­te ihn auch je­den Tag ver­zeh­ren. Ein Zu­viel gibt es nicht.“

FETTIGE AN­GE­LE­GEN­HEIT. Ein wei­te­res Plus auf der Fisch-sei­te ist die Ome­ga-3-fett­säu­re, die vor al­lem Ex­em­pla­re aus dem Meer reich­lich ent­hal­ten. Zwar wer­den Fet­te in der »

„Auch un­ter den hei­mi­schen Fi­schen gibt es ei­nen, der sich durch ei­nen ho­hen Ome­ga-3-fett­ge­halt her­vor­tut: Der Al­pen­lachs ist zu­dem ei­ne nach­hal­ti­ge Al­ter­na­ti­ve.“Univ. Prof. Dr. Kurt Wid­halm, Prä­si­dent des Ös­ter­rei­chi­schen Aka­de­mi­schen I nsti­tu­tes für Er­näh­rungs­me­di­zin

Er­näh­rung ger­ne ver­teu­felt, aber ei­ni­ge sind le­bens­not­wen­dig. Da­zu zäh­len die er­wähn­ten Ome­ga-3-fett­säu­ren. Sie ge­hö­ren, so wie auch die Ome­ga

( 6-Fett­säu­ren, zu den mehr­fach un­ge­sät­tig­ten Fett­säu­ren und sind es­sen­zi­ell für die Ge­sund­heit des Men­schen. Die Krux: Der Kör­per kann sie nicht selbst her­stel­len. Da­her ist es um­so not­wen­di­ger, die­se über die Nah­rung zu­zu­füh­ren. „Ome­ga-3-fett­säu­ren sind aber in re­la­tiv ge­rin­gem Ma­ße in un­se­ren Le­bens­mit­teln vor­han­den, ei­ne Aus­nah­me ist das Raps­öl“, sagt Kurt Wid­halm. „Ge­ra­de Ome­ga-3Fett­säu­ren wir­ken sich güns­tig auf die Blut­fet­te und Blut­wer­te aus. Sie sind in ho­her Kon­zen­tra­ti­on in He­ring, Ma­kre­le, Lachs und Thun­fisch vor­han­den.“Der Ver­zehr von Fisch ist aus me­di­zi­ni­scher Sicht al­so be­grü­ßens­wert. Es ist ei­ne Fra­ge der Zu­be­rei­tung, ob er all sei­ne Trümp­fe aus­spielt. „Wie bei al­len Pro­duk­ten gilt auch hier: mög­lichst nicht zu lan­ge ga­ren“, so Wid­halm. „Je nach Di­cke des Fi­sches ist der Fisch be­reits nach zehn bis 15 Mi­nu­ten zu ge­nie­ßen.“Dass bei Kin­dern meist nur Fisch­stäb­chen be­liebt sind, soll­te man nicht so eng se­hen. Als Ein­stieg kön­nen sie durch­aus durch­ge­hen – und wert­vol­le In­halts­stof­fe wei­sen so­gar sie noch auf.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.