Fang das Licht

Wenn es trüb und grau wird, lei­den vie­le Men­schen an der so­ge­nann­ten Herbst-win­ter-de­pres­si­on. Licht­man­gel ist­meist der Aus­lö­ser. Ei­ne Licht­the­ra­pie bringt gro­ße Er­folgs­chan­cen – und das ganz oh­ne Me­di­ka­men­te.

Kurier Magazine - Rheuma - - Inhalt - VON OLI­VER SCHEI­BER

Mit Licht­the­ra­pie den Win­ter-blues be­kämp­fen

» Nach ei­nem wie in die­sem Jahr wun­der­schö­nen, war­men Früh­herbst kommt meist mit An­fang No­vem­ber die Zeit der grau­en, neb­li­gen Ta­ge. Un­ser per­sön­li­ches wohl­be­fin­den ist stark ab­hän­gig von täg­li­cher und re­gel­mä­ßi­ger Auf­nah­me von Ta­ges­licht. Wa­ren wir an kla­ren Som­mer­ta­gen im Frei­en noch­vo nein erBe­leuch­tungs­stär­ke von bis zu 100.000 Lux ver­wöhnt – selbst bei be­deck­tem Him­mel ka­men wir noch auf 20.000 Lux –, so sinkt die­se an ei­nem trü­ben Win­ter­tag auf 3500 Lux. Kein Wun­der al­so, dass sich ein der­ar­ti­ger Licht­man­gel auf das Ge­müt schlägt. Im schlimms­ten Fall kann es so­gar zu ei­ner Herbst-win­ter-de­pres­si­on ( sai­so­na­le af­fek­ti­ve Stö­rung, SAD) kom­men. „Die wich­tigs­te Fra­ge, um ei­ne Herbst-win­ter-de­pres­si­on zu dia­gnos­ti­zie­ren, ist die, ob die Pa­ti­en­ten im Som­mer auch wirk­lich be­schwer­de­frei sind. Das heißt, ob sie im Som­mer kei­ne De­pres­si­on ha­ben und die­se erst qua­si schlag­ar­tig ein­setzt, wenn es im Herbst dunk­ler wird “, er­klärt Prof.Ed­daw inkl er-pj­rek, Fach­ärz­tin für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­peu­ti­sche me­di­zin so­wie lei­te­rin der Am­bu­lanz für herbst-und win­ter de­pres­sio­nen imAKH- WI­EN .„ Wenn sich die de­pres­si­on dann im märz oder An­fang April, wenn’swie­der hel­ler ist und die ta­ge län­ger wer­den, auch bes­sert– und das in zu­min­dest zwei auf­ein­an­der fol­gen­den Sai­so­nen­soi st –, dann erst kann­man­von ei­ner HerbstWin­ter-de­pres­si­on spre­chen.“

Wo­bei die­se ei­ne auch im Schwe­re­grad ernst zu neh­men­de De­pres­si­on sei. „Es gibt ja im Dia­gno­se-ma­nu­al kei­ne HerbstWin­ter-de­pres­si­on. Die­se wür­de un­ter ei­ne re­zi­di­vie­ren­de, de­pres­si­ve Stö­rung­fal­len. Es­gibt­leich­te, mitt­le­re und schwe­re For­men“, sagt Prof. Wink­ler-pj­rek. So kön­nen auch Herbst-win­ter-de­pres­sio­nen durch­aus ganz schwe­re Au­s­prä­gun­gen ha­ben.

EI­NE ECH­TE DE­PRES­SI­ON.

Doch zu­rück zum Licht­man­gel. Wie hängt die­ser nun mit der De­pres­si­on zu­sam­men? Durch das feh­len­de Ta­ges­licht ver­schiebt sich der Ta­gNacht- rhyth­mus(Zir ka­di an rhyth­mus ). Es kommt zu ei­nem hor­mo­nel­lenUn­gleich­ge­wicht, das mit mü­dig­keit und de­pres­si­ven Ver­stim­mun­gen ein­her­geht. „Al­so ei­ner­seits wirkt sich der Licht man­gel so aus, dass sich derSe­ro­ton in-hau sh alt(di es ero­to­n­er­geN eu­ro­trans­mis­si­on) ver­än­dert “, sagt die Psych­ia­te­rin .„ An­de­rer­seits spielt das Hor­mon­me­la­to­ni nein e rol­le, das mit dem Se­ro­to­nin zu­sam­men­ar­bei­tet und vor al­lem den Schlaf-wachRhyth­mus syn­chro­ni­siert. Das Me­la­to­nin wird nor­ma­ler­wei­se am Abend aus­ge­schüt­tet.“Wenn man nun das Me­la­to­nin im Blut an ver­schie­de­nen Uhr zei­ten über den tag ver­teilt misst, se­he man, dass Ge­sun­de un­ter­tags ei­nen ge­rin­gen Me­la­to­n­in­spie­gel ha­ben. Am Abend vor­dem Schla­fen­ge­hen kommt es zu ei­nem ra­schen an­stieg, der be­wirkt, dass die leu­te mü­de

„Wenn Licht­the­ra­pie wirkt, dann merkt man das schon nach vier Ta­gen. 50 Pro­zent al­ler Herbst-win­ter-de­pres­si­ons­Pa­ti­en­ten kom­men mit Licht­the­ra­pie al­lei­ne aus. “Ass. Prof. Priv.- Doz. Dr. Ed­da Wink­ler- Pj­rek, Fach­ärz­tin für Psych­ia­trie und Psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Me­di­zin und Lei­te­rin der Am­bu­lanz für sai­so­na­le af­fek­ti­ve Stö­run­gen am AKH-WI­EN

wer­den .„ bei herbst- win­ter-de­press ions- pa­ti­en­ten al­ler­dings sieht man, dass die­se den gan­zen Tag über ei­nen zu ho­hen­me­la ton in spie­gel ha­ben, viel hö­her als die Ge­sun­den. Das heißt, sie sind den gan­zen Tag mü­de und an­triebs­los und am Abend steigt der Spie­gel nur noch we­nig an, weil er den gan­zen Tag schon hoch ist. Das führt wie­der­um da­zu, dass die Pa­ti­en­ten in der Nacht schlecht und sehr un­ru­hig schla­fen“, sagt Prof. Wink­ler-pj­rek.

SO GEHT LICHT­THE­RA­PIE.

Bei der Be­hand­lung der Herbst-win­ter-de­pres­si­on gilt es nun, das feh­len­de­licht zu er­set­zen. Und hier kommt die Licht the­ra­pie ins Spiel .„ Das Licht ge­langt von der netz­haut über dentrac­tusr et in ohy­po­tha­la­mi­cus( ei­ne Ner­ven­bahn) zum Zwi­schen­hirn, so­dass von dort dieMe­la ton in pro­duk­ti­on in­der Zir­bel­drü­se syn­chro­ni­siert wird ( sie­he Gra­fik). Das heißt, Licht in der Früh be­wirkt, dass der Me­la­to­n­in­spie­gel un­ter­tags ge­senkt wird“, er­klärt Prof. Wink­ler-pj­rek. Da­her soll die Licht­the­ra­pie idea­ler­wei­se in der Früh oder am Vor­mit­tag an­ge­wen­det wer­den. Laut Stu­di­en er­geb­nis­sen am wirk­sams­ten sind Licht lam­pen mit ei­ner Licht­in­ten­si­tät von 10.000 Lux. Die­se wer­den mitt­ler­wei­le von ver­schie­de­nen her­stel­lern an­ge­bo­ten. Man soll­te ei­ne hal­be bis gan­ze St­un­de in ei­ner Ent­fer­nung von et­wa50­bis80cm– je nach ge­rät–vor der lam­pe sit­zen und im­mer wie­der auch di­rekt ins Licht schau­en. „Me­di­zi­ni­sche Licht­lam­pen sen­den wei­ßes Licht aus, wo das ge­sam­te Spek­trum drin­nen ist, und sind für die Netz­haut völ­lig un­be­denk­lich“, sagt Prof. Wink­ler-pj­rek. „Wir ar­bei­ten auch mit Au­gen­ärz­ten zu­sam­men, die emp­feh­len le­dig­lich ei­ne Vor­un­ter­su­chung, wenn je­mand schon ei­nen Netz­haut­scha­den hat.“

WIR­KUNG SCHON NACH TA­GEN.

An der Herbst- win­ter-de­press ions am­bu­lanz imakhwer­den­di esel am­pen für ei­nen kur­zen Zei­t­raum auch an »

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