KEI­NE IMAGEPFLEGE

Der be­rühm­te Blick durch das Schlüs­sel­loch ist et­was zu­tiefst Men­sch­li­ches. Wir wol­len wis­sen, wie an­de­re woh­nen – und stel­len dann oft fest, wie schön un­ser ei­ge­nes Zu­hau­se ist.

Kurier Magazine - Wohnen - - Editorial -

»„Zei­ge­mir, wie­du­wohnst, un­dich­sa­ge dir, wer du bist.“Selbst wenn Wohn­psy­cho lo­gen das ger­ne be­haup­ten, wa­ge ich es zu be­zwei­feln, dass sich auf der form des so­fas, der wand far­be und der Wahl der Va­se am Ess­tisch un­ser Cha­rak­ter ab­le­sen lässt. Wir sind mehr als dies um­me un­se­res in­te­ri­eurs. Was dieMö­blie­rung und De­ko­ra­ti­on aber schon ver­rät, ist, wie wich­tig uns un­ser Zu­hau­se ist. Wer­heim­kommt, um­zu­schla­fen, wird si­cher­lich nicht so viel Lie­be beim Ein­rich­ten be­wei­sen. Wo­zu auch? Sein le­ben fin­det wo­an­ders statt. Des­we­gen mag ich Ho­me­sto­rys. Ja, ich ge­be zu, in die­ser Hin­sicht bin ich ein Voy­eur. Es ist span­nend zu se­hen, wie an­de­re Men­schen woh­nen. Und zwar aus meh­re­ren Grün­den: Ei­ner­seits fin­de ich es in­spi­rie­rend. Nichts bringt ei­nen auf mehr neue Ide­en. So wür­de ich mir si­cher­lich kein Fahr­rad über mei­ne zum O ber­ge schoß füh­ren­den stei­gen hän­gen, wie es die­be kann­teb­logg er in Tat ja­naK­reuz­mayr tut–nur weil sich die Spei­chen in der Lam­pe wie­der­fin­den. Aber nicht weil es mir nicht ge­fällt, son­dern weil ich nie auf die Idee ge­kom­men wä­re. Ich mag Ho­me­sto­rys aber auch, weil man schon ein we­nig mehr über die Men­schen er­fährt, die ei­nem da ih­re Haus­tü­re öff­nen. Im­mer­hin zei­gen sie der Öf­fent­lich­keit doch et­was sehr Per­sön­li­ches von sich – was auch der Grund wä­re, war­um ich nie ei­ner Ho­me­sto­ry zu­stim­men wür­de. Und der drit­te Grund, war­um ich die­se Form der Re­por­ta­ge ger­ne ha­be: Ich blät­te­re die Sei­ten durch, se­he viel Schö­nes, Auf­ge­räum­tes und De­si­gnStü­cke, die ich auch ger­ne hät­te. Dann schlag eich das ma­ga­zin zu und schaue mich in mei­nen ei­ge­nen vier Wän­den um. Träu­me kurz, wie gut sich der E am es- stuhl erst vor mei­nem ess­tisch ma­chen wür­de. Kusch­le mich da­bei auf mein So­fa und in mei­ne Lieb­lings­de­cke – und emp­fin­de mein Zu­hau­se in genau die­sem Mo­ment als be­son­ders ge­müt­lich, und zwar mit all sei­nen Un­zu­läng­lich­kei­ten. Ich hof­fe, es er­geht ih­nen ge­nau­so und wün­sche Ih­nen viel Spaß beim Le­sen,

Ih­re An­ja Ge­re­vi­ni

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