SCHWIT­ZEN IM NEU­EN STIL

Sau­na & Co. sind Klas­si­ker der Ent­span­nung. Ihr zu­neh­mend mon­dä­nes Äu­ße­res sorgt da­für, dass sie vom Kel­ler in die Wohn­räu­me dür­fen.

Kurier Magazine - Wohnen - - Wellness - VON ANDREA KRIE­GER

» „Nicht oh­ne mei­ne Sau­na“, dach­te sich­der­fin­ni­schel­auf­star­paa­vonur­mi­und­nahm­kur­zer­hand­ei­n­e­mit, als er 1924 ins olym­pi­sche Dorf ein­zog. Sein Er­folg – Nur­mi heims­te drei Gold­me­dail­len ein – weck­te das In­ter­es­se an dem Holz­kas­ten nach­hal­tig. Die­se klei­ne Be­ge­ben­heit gilt als Ge­burts­stun­de der sau­na in deutsch­land und ös­ter­reich. Nach und nach schos­sen sie aus dem Bo­den, als klei­ne Be­trie­be oder im Rah­men von Ba­de­an­stal­ten. Ein paar De­ka­den spä­ter leis­te­ten sich mehr und mehr Haus­be­sit­zer ei­nen ei­ge­nen Schwitz-kas­ten für den Kel­ler. Man lud gu­te Freun­de ein und ver­an­stal­te­te sau­na aben­de. Mitt­ler­wei­le braucht man da­für nicht mehr un­be­dingt ein un­ter­kel­ler­tes Ei­gen­heim. Auch Woh­nungs­be­sit­zer und -mie­ter ge­nie­ßen be­reits den ei­nen oder an­de­ren Auf­guss in ih­ren vier Wän­den. Sie nä­hern sich da­mit den Fin­nen an, wo kein Heim zu klein für ei­ne sau­na ist. Pfle­gen doch die fin­nen zu sa­gen: „Ei­ne Frau ist nie­mals schö­ner als ei­ne St­un­de nach der Sau­na“, was wohl am ge­sun­den, ro­si­gen Teint und den ent­spann­ten Ge­sichts­zü­gen liegt.

NEU­ER PLATZ, NEU­ER LOOK.

Sau­nen und art­ver­wand­te Hit­ze-kam­mern ver­wan­deln das Ba­de­zim­mer bzw. die Woh­nung in ei­nen klei­nen Well­nes­sTem­pel. Im Bad wie in den an­de­ren Wohn­räu­men sind al­ler­dings platz­spa­ren­de Lö­sun­gen ge­fragt. Der deutsch­stäm­mi­ge Markt­füh­rer Klafs brach­te mit dem Mo­dell S1 ei­ne Klapp­sau­na auf dem Markt ( sie­he Sei­te

139), die im ein­ge­zo­ge­nen zu­stand mit 60 cm ge­ra­de ein­mal so tief wie ein Kas­te­nist. Per­knopf­druck, abe­rauch ma­nu­ell, lässt sich die sau­na auf die­be­nüt­zungs grö­ße von3,2m2Bo den­flä­che aus­fah­ren. Macht sich die sau­na in den wohn­räu­men breit, statt ver­steckt im Kel­ler zu ste­hen, muss sie auch an­sehn­lich sein und zur Ein­rich­tung pas­sen. Wuch­ti­ges und rus­ti­ka­les ist da oft kon­tra­pro­duk­tiv. Die Her­stel­ler ha­ben sich auch die­ses Pro­blems an­ge­nom­men. »

An­ge­fan­gen hat es da­mit, dass statt der klas­si­schen nor­di­schen Fich­te zu­neh­mend die ele­gan­ter wir­ken­de Hem­lock­tan­ne oder Esche ver­wen­det wur­de. „Mit­un­ter er­set­zen be­reits Pa­nee­le das Voll­holz“, er­zählt Jür­gen Weis­gr am vom ös­ter­rei­chi­schen sau­na fo­rum .„ Zwei hei­mi­sche Her­stel­ler brach­ten näm­lich form­al­de­hydfrei ver­leim­te Pa­nee­le auf den Markt. Das er­mög­licht ei­nen nie da­ge­we­se­nen Ge st al­tungs spiel­raum bis hinz um Ze­bra­mus­ter.“Ganz in Weiß zeigt sich die preis­ge­krön­te Sau­na „Ini­pi“des Wie­ner De­si­gner­tri­os Eoos ( Fo­to Sei­te 140), die es auch in Te­le­fon­zel­len grö­ße gibt. Eoos schaff­te es, den op­tisch meist stö­ren­den Ofen zu ver­bau­en. Nicht nur „Ini­pi“ver­an­schau­licht ei­nen wei­te­ren Trend: Im­mer mehr glas sorgt op­tisch für nie da ge­we­se­ne leich­tig­keit. Nach dem Mot­to: „Aus­blick ja, Ein­blick nein“, fun­giert die Glas­flä­che von au­ßen mit­un­ter als Spie­gel. Frei­lich, der Ener­gie­ver­brauch er­höht sich durch die Glas­fron­ten, denn Glas lei­tet die Hit­ze nach au­ßen.

WAHR UND FALSCH.

Die klas­si­sche fin­ni­sches au­na­mitd er ex­trem tro­cke­nen Hit­ze von 90 Grad ist das stärks­te Trai­ning für das Herz-kreis­lauf-sys­tem, das Im­mun­sys­tem, die Durch­blu­tung und hält die Ge­fä­ße jung. „Durch den Wech­sel von Kalt und Warm öff­nen und schlie­ßen sich die Ge­fä­ße. Das ver­hin­dert ein zu­neh­men­des Ver­stei­fen“, sagt Ha­rald Maru­na, Sau­na­ex­per­te und mehr­fa­cher Buch­au­tor zum the­ma. Laut ei­ner na­gel­neu­en Stu­die senkt häu­fi­ges Sau­nie­ren das schlag­an­fall ri­si­ko um bis zu 60 Pro­zent. Wer un­ter kal­ten hän­den und Fü­ßen lei­det, schwört eben­falls dar­auf. Mit Recht. Ins Reich der My­then ge­hört da­ge­gen der Glau­be, ei­ne auf­kom­men­de er­käl­tung durch ei­nen Sau­na­gang ab­zu­weh­ren zu kön­nen. „Das ist grund­falsch. Bei ei­nem auf­stei­gen­den In­fekt ist der Kreis­lauf schon be­las­tet, man soll­te da­her nicht mehr in die Sau­na ge­hen.“Ins­ge­samt gel­te: „Wer krank ist, ge­hört zum Arzt .“Das Ex­trem kli­ma der fin­ni­schen Sau­na ist zu­dem nicht je­der­mann­sSac he und schmerzt so man­chen auf der haut. Dais­tes­gut­zu­wis­sen, dass sich je­de fin­ni­sche sau­na auch als Bio­sau­na nüt­zen lässt. Ma­xi­mal 60 Grad ein­stel­len, ei­ne Was­ser-

wan­ne auf­stel­len, Auf­guss weg­las­sen und fer­tig ist das Schwitz­ver­gnü­gen bei bis zu 55 pro­zent luft­feuch­tig­keit. Das art­ver­wand­te dampf­bad, ei­gent­li­che in Vor­fahr eder Sau­na, treibt die Luft­feuch­tig­keit mit 100 Pro­zent auf die Spit­ze. Da­zu gibt es re­la­tiv mo­de­ra­te 45 grad raum­tem­pe­ra­tur. Zu­dem er­mög­licht der Griff zum Kn­eipp­schlauch Ab­küh­lung zwi­schen­durch. „Beim Dampf­bad steht die Ent­schlei­mung im Vor­der­grund“, be­tont Sau­na­ex­per­te Maru­na. Das soll­te per­so­nen mit tro­cke­nem hus­ten und Asth­ma in­ter­es­sie­ren, die ja auch vom art­ver­wand­ten In­ha­lie­ren pro­fi­tie­ren. Und: Vor al­lem die tro­cke­ne Haut freut sich über feuch­te Hit­ze. Wie die Sau­nen sind auch die Dampf­bä­der sty­lis­her und bun­ter ge­wor­den, der Ein­bau ist al­ler­dings ei­ne Her­aus­for­de­rung. Das Ge­gen­teil gilt für die In fr arot-(ir) ka­bi­ne. In ös­ter­rei­cher­freu­en sich die­se auch platz be­dingt gro­ßer be­liebt­heit. Im un­ter­schied zu Sau­na und Dampf­bad geht es hier nicht um den Kn­eipp­ge­dan­ken, der letzt­end­lich auch zur Ver­bes­se­rung des Im­mun­sys­tems und der Durch- blu­tung bei­trägt: Tie­fen­wär­me zielt auf Be­schwer­den des Be­we­gungs­ap­pa­ra­te s ab, et­wa ge­lenk-und mus­kel­schmer­zen. Das ist der grund, war­um so man­cher Sau­na­be­sit­zer sei­nen Schwitz-tem­pel mit ei­nem In­fra­ro­tSys­tem auf­rüs­tet und der Markt auch kom­bi­nier­te Lö­sun­gen an­bie­tet. Ob Sau­na plus IR, oder mit Tie­fen­wär­me oder Dampf­bad an­ge­rei­cher­te Du­sche: Es ver­steht sich von selbst, dass sol­che Du­os im­mer ein Kom­pro­miss sind, et­wa in Sa­chen Be­quem­lich­keit. An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass das Durch­schnitts­bad der Ös­ter­rei­cher ge­ra­de mal sechs Qua­drat­me­ter hat, sind sie aber zu­neh­mend ge­fragt. «

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