STICH MEIN NICHT

Der Kak­tus: Die Co­me­di­an Har­mo­nists be­sin­gen ihn, Wal­ter Gro­pi­us war ein Fan und Hips­ter lie­ben ihn.

Kurier Magazine - Wohnen - - Inhalt - VON ELI­SA­BETH KLOKAR

Der Kak­tus wird als Zim­mer­pflan­ze im­mer be­lieb­ter

»Ein Kak­tus ist kei­ne Rose. Mit Si­cher­heit gibt es spek­ta­ku­lä­re­re sor­ten, die man je­man­dem zum Ge­schenk ma­chen kann, et­wa Blu­men, de­ren Schön­heit so­fort auf­fällt. Doch ge­ra­de ein un­schein­ba­rer kak­tus ent­fal­tet bei Ge­le­gen­heit sei­nen ganz ei­ge­nen Charme, den ein auf­fäl­li­ger Blu­men­strauß nie­mals er­rei­chen könn­te. Fil­me­ma­cher Ad­rián Bi­niez mach­te die Topf­pflan­ze in „Gi­gan­te“zum stil­len Haupt­dar­stel­ler. Ein sprö­der Lie­bes­hin­weis, de­rer st auf den zwei­ten blick als sol­cher er­kenn­bar wird. We­ni­g­er­zärt­lich­mei­ne­nes­die­co­me­di­an Har­mo­nists, wo es heißt: „Und wen nein bö­se­wicht was un­ge­zo­ge­nes spricht, dann hol’ ich mei­nen Kak­tus und er sticht, sticht, sticht.“Haus­halts­waf­fe oder De­ko­ra­ti­on, über den Kak­tus wird ge­schrie­ben, »

ge­sun­gen und ge­läs­tert. Ist es der Hauch­exo­tik, die ex­plo­si­on wa­ckeln­der Stie­le, die uns an­zieht? Oder ih­re schein­ba­re An­spruchs­lo­sig­keit ge­paart mit ei­nem Über le­bens­wil­len? Viel­leicht fas­zi­niert ih­re Wehr­haf­tig­keit? Wahr­schein­lich ist es von je­dem et­was, das die Lie­bens­wür­dig­keit die­ser Pflan­zen fa­mi­lie aus­macht. Ih­re An­hän­ger wis­sen es bes­ser, denn Kak­te­en sind wie­der mo­dern. Selbst die mo­de hat die grü­nen winz­lin­ge für sich ent­deckt und druckt sie auf blu­sen oder formt Salz­streu­er für den Tisch.

VOM NERD ZUM HIPS­TER.

In Dä­ne­mark hat er be­reits sei­nen ei­ge­nen Con­cept Sto­re be­kom­men. Kak­tus Køben­havn wur­de von Ma­ja Samsö Bas­ti­an, Gro­samsø Bas­tia­nundce­ci­lie Kra­wack ge­grün­det. „Wir zei­gen, wie­der kak­tus zu ei­nem ein­zig­ar­ti­gen grü­nen In­te­ri­eur wer­den kann“, heißt es auf der Web­sei­te des Shops. Pflan­zen­blog­ger Igor Jo­si­fo­vic mixt sie mit an­de­ren Groß­blät­tern, Ikea füllt seit Jah­ren gan­ze Re­ga­le mit Mi­ni-ex­em­pla­ren und Fa­shion-sto­res kön­nen nicht mehr oh­ne Männ­chen-pa­ra­de. Ei­ne an­leh­nung an die ge­schich­te? In der Zeit des Bie­der­mei­er brach ei­ne wah­re Kak­te­en be­geis­te­rung aus, die aber eben­so schnell wie­der ein­schlief. Für mar­cel­breu­er­ge hör­ten sie zum fi­xen Re­per­toire des re­du­zier­ten De- kors, mit dem er in­te­ri­eurs aus­stat­te­te. Und Wal­ter Gro­pi­us be­saß ei­ne gan­ze Samm­lung auf den Fens­ter­bän­ken sei­nes Di­rek­to­ren zim­mers in Des sau. Zu­rück­hal­ten­de Häus­lich­kei­to der in­dus­tri­el­le Avant­gar­de–wo her­kommt die auf­re­gung wirk­lich? Fürflo­ri­stund Blu­men­künst­ler Andre­as Ba­mes­ber­ger (sie­he In­ter­view) fußt der Trend im So­ci­al-me­dia-zeit­geist: „Ein Kak­tus wirkt ani­ma­lisch und ku­ri­os, Ins­ta­gram da­ge­gen glatt und per­fekt. Das stach eli geis­te in will­kom­me­ner stör­fak­tor in­mit­ten der Selbst­dar­stel­lung .“Ei­ne Pflan­ze mit Cha­rak­ter al­so–ob in Bo­ta­ni­schen gär­ten( sie­he Kas­ten) oder bei sich zu Hau­se ste­hend, da­mit Kak­te­en ih­re Ge­schich­ten er­zäh­len kön­nen, brau­chen auch sie die rich­ti­ge Pfle­ge.

KAUFENTSCHEIDUNG.

Selbst­zie­hen dau­ert, ein Kauf geht schnel­ler. So kommt man rasch und un­kom­pli­ziert zu ei­nem blüh­fä­hi­gen Ex­em­plar. Im April und Mai tref­fen die meis­ten fri­schen Pflan­zen ein – der idea­le Zei­t­raum. Bau­märk­te, Gärt­ne­rei­en und Ein­rich­tung shä­us er­bie­ten mitt­ler-

wei­le al­le Grö­ßen an. Ein prü­fen­der Blick scha­det aber nie. Stich­wort: Schäd­lings­be­fall und jun­ge Trie­be.

STANDORTFRAGE.

Kak­te­en­be nö­ti­gens ehr viel Licht. Dunk­le Or­te scha­den al­len sor­ten und soll­ten ver­mie­den wer­den. In Nord­fens­tern ge­dei­hen Ost er-und Weih nachts kak­te­en gut, Ost-oder­west­fen st er­bie­ten­die­op tim als­ten­be­din­gun gen–fast al­le„ han­dels­üb­li­chen“Kak­te­en wer­den es lie­ben. Süd fens­ter er­schei­nen nur auf den ers­ten Blick ide­al, denn pral­le Son­ne di­rekt hin­ter ei­ner Glas­schei­be ver­brennt auch die dicks­te Kak­te­en­haut. Gibt es kei­ne Aus­weich­mög­lich­keit, sind­fe­ro kak­te­en die ab­so­lu­ten hit­ze­spe­zia­lis­ten. Ge­ne­rell füh­len sich die meis­ten Kak­te­en­sor­ten in tro­cke­nen In­nen­räu­men wohl. Wäh­rend der Som­mer­mo­na­te be­nö­ti­gen sie ei­nen hel­len Stand­ort. Win­ter­mo­na­te sind tü­cki­scher: Ein Kak­tus braucht zur Blü­ten­bil­dung ei­ne Ru­he­pha­se von min­des­tens 16 Wo­chen. Idea­ler­wei­se fällt die­se in die licht ar­men mo­na­te no­vem­ber bis märz. Dann gilt: Nicht gie­ßen! Statt­des­sen be­nö­ti­gen sie Tem­pe­ra­tu­ren von fünf bis höchs­tens 15 grad. Ge­heiz­te Wohn­räu­me sind dem­nach ta­bu. Erst von mit­te mai bis sep­tem­ber wol­len die meis­ten Kak­te­en wie­der ge­gos­sen wer­den, wie al­le an­de­ren Bal­kon- und Zim­mer­pflan­zen auch. «

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.