MIT DEN ELE­MEN­TEN ZU TISCH

Kurier Magazine - Wohnen - - Handwerksk­unst -

» Die so­ge­nann­te Zap­fen­ver­bin­dung hat nicht zwin­gend et­was mit der Tan­ne zu tun, son­dern kommt zum Ein­satz, wenn zwei Höl­zer übers Eck mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den sol­len. Das ge­schieht bei ei­nem Tisch­ler oder Zim­merer­mit­tels­boh­rer und Frä­se. Das ei­ne Holz hat ei­nen kan­ti­gen Blind­zap­fen, das Ge­gen­stück das pas­sen­de­zap­fen­loch. Um­d­as­ge­loch­te Holz nicht zu sehr zu schwä­chen, wird der Schlitz im bes­ten Fall in Rich­tung der na­tür­li­chen Ma­se­rung ge­setzt. De­fi­ni­tiv ge­gen sei­ne na­tür­li­che Ma­se­rung ging dem Wie­ner Ste­fan Knopp (50) das Wirt­schafts­stu­di­um, des­sen Ab­bruch – oder wie er es nennt: „man­geln­de Sys­tem­kom­pa­ti­bi­li­tät“– zum Quer­ein­stieg samt Leh­re und an­schlie­ßen­der­meis­ter­prü­fungbei­ei­nem Tisch­ler­führ­te. Sei­ne­mar­ke„by­na­tu­re and Knopp“steht für Pro­duk­te aus Holz, das sei­ne Na­tür­lich­keit be­hal­ten durf­te.

War­um ist der Dreh- und An­gel­punkt Ih­res Le­bens das Ma­te­ri­al Holz?

We­gen der rei­nen Fas­zi­na­ti­on am Ma­te­ri­al. Frü­her gab es die­se Holz­ver­scha­lun­gen an den­wän­den, und ich ha­be die als Kind im­mer an­ge­schaut un­d­ge­sich­ter ge­se­hen oder gar Fi­gu­ren dar­in ent­deckt. Holz hat mich im­mer an­ge­spro­chen – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Mir ist es wich­tig, die Ge­schich­te ei­nes Bau­mes, der ja 200bis300j­ah­re­ge­wach­se­nist, sicht­bar zu ma­chen. In mei­nen Au­gen ist das­le­ben­des­ma­te­ri­al, un­d­wen­ner­s­ei­nen Le­bens­zy­klus als Bru­der Baum qua­si be­en­det hat, ver­su­che ich ihm mit mei­nen Wer­ken ein wei­te­res Ka­pi­tel sei­ner Ge­schich­te zu ge­ben.

Was ist für Sie ein Tisch?

Ein Baum macht ja nichts an­de­res, als aus Son­nen­licht und CO Ma­te­rie zu

2 schaf­fen. Das spü­ren wir (Knopp klopft auf den Tisch vor ihm), das ist da. Man könn­te al­so sa­gen, dass ge­spei­cher­te Son­nen­en­er­gie vor »

ei­nem liegt und so zum Zen­trum der Fa­mi­lie­wird. Aus­mei­ner­war­tei­stein Tisch mehr als nur ein Mö­bel­stück, son­dern ei­ne ganz zen­tra­le Platt­form, ei­ne Büh­ne für die Fa­mi­lie, für Freun­de, ein Zen­trum für Kom­mu­ni­ka­ti­on, all das und mehr.

Wie­kann­man­sich Ih­ren­ar­beits­pro­zess vor­stel­len?

Wenn je­mand zu mir kommt, dann geht es in ers­ter Li­nie dar­um, dass der Su­chen­de in Re­so­nanz kommt. Ich zei­ge den Leu­ten un­ter­schied­li­che Roh­lin­ge. Die Ar­beit da­vor ist na­tür­lich schon­pas­siert: Nach­dem­diebäu­mein der nicht Saft füh­ren­den­zeit im Win­ter­ge­schnit­ten­wor­dens­ind, ge­he ich im­früh­jahr zu mei­nen­kon­tak­ten un­d­su­che­mir­stäm­me­aus. Aber es ist je­des Mal wie­der ei­ne Über­ra­schung. Der Baum wird ge­schnit­ten und trock­net drei bis vier Jah­re, dann kommt er noch zwölf­wo­chen in die Tro­cken­kam­mer, denn erst mit ei­ner Rest­feuch­te von zwölf Pro­zent kann ich ihn in ei­nen Wohn­raum stel­len. Wenn der Kun­de dann kommt, pas­siert et­was. Ich nen­ne es im­mer den ma­gi­schen Mo­ment und ha­be es mir mit dem Re­so­nanz­prin­zip er­klärt: Wenn zwei Gi­tar­ren in ei­nem Raum ste­hen, und ich zup­fe die C-sai­te der ei­nen Gi­tar­re, dann be­ginnt auch die C-sai­te der an­de­ren zu schwin­gen. Es ist ei­ne Be­zie­hung da und das ist auch mein An­spruch an mei­ne Ar­beit: Ich will für mei­ne Kun­den ein Re­so­nanz­stück fin­den. Da­na­ch­geht es­nur­noch um­de­tails­wie Far­be, Ge­stell und Co.

Ha­ben­sie­ein­ebe­vor­zug­teart­von­holz?

Ich ar­bei­te sehr viel mit Ei­che und Esche, die sind auch auf­grund der­ma­se­rung und Struk­tur span­nend. Denn ne­ben der Aus­wahl des Ma­te­ri­als ist dann die Ober­flä­chen­be­ar­bei­tung das Span­nen­de. Ich ar­bei­te viel mit den Ele­men­ten Feu­er und Was­ser. Ich köh­le, al­so ich bren­ne das Holz. Da­bei zie­hen­sich­die­po­ren­des­hol­zes­wei­ter zu­sam­men, es ent­ste­hen­ris­se und die Struk­tur­wird här­ter, die Far­be ver­än­dert­sich­na­tür­lich. Aber­feue­rist­nicht nur zer­stö­re­risch, son­dern kann aus ei­ner schar­fen Kan­te bei­spiels­wei­se auch ei­ne ge­schmei­di­ge Ober­flä­che ma­chen. Bei mei­nen Was­ser­ober­flä­chen wird das Holz ge­wa­schen, wo­durch sich das Holz öff­net, die Po­ren ge­hen auf – und was ich nicht im­holz ha­ben­will, kan­nich­her­aus­ho­len. Bei­spiels­wei­se kann ich so ver­schie­de­ne Pig­men­te ein­brin­gen, be­gon­nen von Farb­pig­men­ten bis zu Ölen und Har­zen, die da­s­holz­vo­nin­nen­her­aus sät­ti­gen und schüt­zen. Das Spiel mit den Ele­men­ten Feu­er und Was­ser ist na­tür­lich auch im Cross­over mög­lich.

Was­sind­für­sie­per­sön­lich­die­be­ein­dru­ckends­ten Stü­cke Ih­rer­werk­statt?

Ich ha­be­heu­te noch den ers­ten­mo­no­lith, de­nich­ge­macht­ha­be, bei­mir­ste­hen. Und ein Tisch, den ich für ei­ne Aus­stel­lung vor 25 Jah­ren ge­macht ha­be, der da­mals auf der Mö­bel­mes­se in Köln für Auf­re­gung ge­sorgt hat.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.