FEU­ER, FORM UND FAR­BE

Gu­t­ege­brauchs­ke­ra­mik er­lebt ei­ne gro­ße Re­nais­sance. Ein Be­such bei drei Meis­te­rin­nen ih­res Fa­ches.

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» Auf der Lin­zer Stra­ße rauscht der Ver­kehr. Doch kaum be­tritt­man das Wie­ner Vor­stadt­haus über die für sol­che Ge­bäu­de ty­pi­sche Ein­fahrt, in der einst Fuhr­wer­ke ein- und aus­ge­fah­ren sind, steht­ma­nin ei­ner Oa­se: in­ei­nem Hin­ter­hof­mit Sei­ten­trak­ten. Einst als Schieß­stand, Wasch­ma­schi­nen­la­ger, ja so­gar als Obla­ten­fa­brik für Hos­ti­en ge­nutzt, ist dies heu­te das krea­ti­ve Reich von Ma­ri­an­ne Seiz. Die Pro­fiKe­ra­mi­ke­rin mit spe­zi­fi­scher Fach­aus­bil­dung ist in den 1990er-jah­ren ein­ge­zo­gen. Der Ort wirkt mys­tisch. Viel­grün, viel­ru­he. Gute­vor­aus­set­zun­ge­nal­so für das­hand­werk, das­die Wie­ne­rin hier als ei­ner der letz­ten Ge­wer­be­be­trie­be für Ke­ra­mik­pro­duk­te in Wi­en be­treibt, mit ei­ni­gen An­ge­stell­ten und gro­ßer Lei­den­schaft. „Stimmt schon“, sagt Seiz, „manch­mal kom­me ich­mir wie ein Zen-bud­dhist vor, ver­sun­ken in mei­ner Welt und in der­ma­te­rie.“Ein schö­ner Ver­gleich, denn ob­wohl­ton ge­dul­dig ist, so spie­gelt sich doch je­de Unacht­sam­keit dar­in. Ob ein Ob­jekt stim­mig ist, das sieht und das fühlt man. Egal, ob Tel­ler oder Schüs­sel be­hut­sam mit Holz­mo­deln be­druckt und an­schlie­ßend­mit­far­ben­be­malt­wer­den, Mus­ter hin­ein­ge­kratzt oder Tei­le­mit ei­ner zar­ten Gla­sur voll­endet wer­den, je­der Ar­beits­schritt be­darf Zeit und Sorg­falt. Ruck­zuck geht da gar nichts.

Al­lei­ne für die Tel­ler der Se­rie „Emi­lia“braucht es vier bis fünf Wo­chen, ehe die­se, grob ge­spro­chen, nach Form­ge­bung, Stem­pe­lung, Be­ma­lung, Gla­sur und Brand fer­tig sind. Das macht eben rich­ti­ges­hand­werk­aus„un­dist­da­mit weit ent­fernt von den Hob­by­kur­sen, wie sie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren al­ler­or­ten aus dem Bo­den schie­ßen“, sagt Seiz durch­aus emo­tio­nal. Wenn es­um­qua­li­tät geht, schlägt bei ihr die lei­den­schaft­li­che Hand­wer­ke­rin durch. Nich­tum­sonsthat­sie ein­stei­ne Ke­ra­mik-leh­re ab­sol­viert und aber­tau­sen­de Stun­den an der Dreh­schei­be ver­bracht. Doch erst wenn man der Meis­te­rin beim Ar­bei­ten zu­sieht, ver­steht­man, was­mit Qua­li­täts­ke­ra­mik tat­säch­lich ge­meint ist. Kraft­voll kne­tet Seiz­den­ton,„mach­tihn­ge­fü­gig“, wie­siesagt, un­d­wirf­tih­n­dann, fas­tein biss­chen grob, auf die Töp­fer­schei­be. Doch kaum, dass die­se zu ro­tie­ren be­ginnt, wer­denih­re­mit­was­ser­be­netz­ten Hän­de ge­schmei­dig, zen­trie­ren die Ton­mas­se, bre­chen sie auf und zie­hen­sie in die­hö­he. Das­hand­ling­von Seiz ist sanft und doch sehr ge­zielt. „Man muss schon ge­nau wis­sen, was

GUTDINGBRA­UCHTWEILE.

am En­de her­aus­kom­men soll. Bei Tel­ler- oder­scha­len­se­ri­en­um­so­mehr, da Hö­hen und Wand­stär­ken gleich sein müs­sen“, sagt Seiz und zieht mit ei­nem Draht das Werk­stück von der Töp­fer­schei­be ab.

Be­rühmt ist Seiz auch ob ei­ner spe­zi­fi­schen­tech­nik, die sie ent­wi­ckelt hat, in­dem sie das Ar­chai­sche und Sinn­li­che des so­ge­nann­ten Nied­rig­brands mit mo­der­nen De­signs in Ein­klang brach­te. Vie­le Jah­re hat sie dar­an ge­tüf­telt, da­zu ver­schie­de­ne Ton­ar­ten ge­tes­tet, so­gar Öfen und Schorn­stei­ne selbst ge­baut, um­ge­wis­se Tem­pe­ra­tu­ren und da­mit spe­zi­el­le Er­geb­nis­se zu er­zie­len. Dass sie mit Holz­mo­deln, wie sie auch im Blau­druck ver­wen­det wer­den, ihr Ge­schirr be­druckt, ist, wie er­wähnt, ei­ne wei­te­re be­son­de­re No­te ih­res Stils und zeigt sich in der Ge­schirr­se­rie „Emi­lia“in

EI­GEN-ART.

Voll­endung. Da wirkt – bei al­ler Rus­ti­ka­li­tät – je­des Teil sinn­lich, ja so­gar­leicht­ver­spielt. Um­d­as­so­hin­zu­be­kom­men, braucht es schon be­son­de­res Fin­ger­spit­zen­ge­fühl. Die­ser­in­ter­es­san­te­sti­làla­seiz­kommt an, nicht nur­bei Lieb­ha­bern­des ge­ho­be­nen­land­haus­stils, auch­bei­spit­zen­kö­chen ver­schie­de­ner Re­stau­rants, et­wa dem Ti­an oder Mraz. Hier wer­den­die lu­kul­li­schen Krea­tio­nen ger­ne auf Seiz-ge­schirr kre­denzt. Die viel zi­tier­te Flos­kel „Das Au­ge isst mit“ver­steht Ma­ri­an­ne Seiz al­so durch­aus als Leit­mo­tiv. „Ko­chen, Es­sen und Trin­ken ha­ben für mich ei­nen ho­hen Stel­len­wert. Es nährt nicht nur den Kör­per, son­dern auch die See­le, wenn man sich mit Freun­den und Fa­mi­lie um ei­ne Ta­fel ver­sam­melt, um zu fei­ern. Des­halb lie­be ich es, Tel­ler zu ge­stal­ten und da­mit je­de Mahl­zeit zum Fest zu­ma­chen.“»

J eder­mensch­sucht­nach­ver­wirk­li­chung. Im in­di­vi­du­el­len Stre­ben nach Har­mo­nie und Glück wird das Heim zur Rück­zugs­oa­se. Mit Hin­ga­be und Lie­be zum De­tail ver­leiht­man Wohn­räu­men ei­ne ganz per­sön­li­che­hand­schrift. So­ent­ste­hen Wohn- und Wohl­fühl­wel­ten, die sich nieg­lei­chen, son­dern­sich­durch­ex­tra­va­ganz, Li­fe­sty­leund­schön­heit­un­ter­schei­den. Für al­le, die im Herbst Um­ge­stal­ten un­dda­bei Ih­ren in­di­vi­du­el­len Stil ent­fal­ten möch­ten, prä­sen­tiert SONNHaus­neu­e­kol­lek­tio­nen. Aus­ge­stat­te mit neu­en Mö­bel­stof­fen und Vor­hän­gen so­wie ei­ner neu­en Par­ket­tKol­lek­ti­on im tren­dy Vin­ta­ge-look bie­tet SONNHAUS In­spi­ra­ti­on für je­de Raum­si­tua­ti­on.

VOR­HANG­STOF­FE IN­DI­VI­DU­ELL UND STILSICHER

Hoch­wer­ti­ge Ma­te­ria­li­en mit raf­fi­nier­ten Ef­fek­ten für ein ent­spann­tes Raum­ge­fühl: Wer nach Le­bens­freu­de, Dy­na­mikund­höchs­ter De­si­gn­kom­pe­tenz­sucht, ist bei­den­neu­en Vor­hang­kol­lek­tio­nen­von­son­nHAUS rich­tig. Die Se­ri­en be­geis­tern mit traum­haf­ten Trend­tö­nen, in­ter­es­san­ten De­signs und tren­di­gen Ma­te­ri­al­kom­bi­na­tio­nen. Der Mix aus Far­be und De­signs trifft den Zeit­geist stim­mi­ger Ge­samt­kon­zep­te – ein ab­so­lu­tes Must-ha­ve.

MÖBELSTOFF­E VIEL­FALT FÜR AL­LE WOHN(T)RÄU­ME

Kom­pro­miss­los funk­tio­nell und viel­fäl­tig im­de­sign: Zeit­lo­sen­mi­ni­ma­lis­mus­ver­sprü­hen­die­neu­en­mö­bel­stoff­kol­lek­tio­nen. Die­hoch­wer­ti­gen­stof­fe schaf­fen ei­ne ein­zig­ar­ti­ge Kom­bi­na­tion­aus­funk­tio­na­li­tätund­de­sign­so­wie na­tür­li­chen Far­bim­pres­sio­nen. Le­ben­dig in­der Ober­flä­che, gleich­zei­tig re­du­ziert im Mus­ter, set­zen die Stof­fe auf Zu­rück­hal­tung und klas­si­sche­sun­der­state­ment. Die­kol­lek­tio­nen­be­ste­chen­dan­kin­no­va­ti­ve­r­fa­se­r­und Fleck­schutz­tech­no­lo­gie auch durch äu­ßerst leich­te Pfle­ge und Rei­ni­gung mit­tels Was­ser. High­light sind – ne­ben Ve­lours mit raf­fi­nier­ter Wa­ben­prä­gung – Stof­fe im Cha­nelLook, die­mit­grob-mo­der­ner­struk­tur auch am Lauf­steg re­üs­sie­ren wür­den.

PAR­KETT SCHÖN WIE AN­TI­KES HOLZ

Aus­drucks­stark im zeit­los-mo­der­nen Look prä­sen­tiert sich die­se ab­so­lu­te Pro­dukt­neu­heit, die für ei­ne völ­lig neue Op­tik im Par­kett­be­reich sorgt. Neu sind die Ei­chen­bö­den der Kol­lek­ti­on „Alt­holz“im­tren­dy Use­dLook. Die Die­len fas­zi­nie­ren mit ei­ner rus­ti­kal ge­al­ter­ten Ober­flä­che und un­re­gel­mä­ßi­gen Sä­ge­struk­tu­ren. Da­durch, so­wie durch ein be­son­de­res Trock­nungs­ver­fah­ren ent­ste­hen cha­rak­te­ris­ti­sche Ober­flä­chen, die in Hap­tik un­d­op­tik an an­ti­kes Holz er­in­nern. Kein­bo­den­gleicht­de­man­de­ren, je­der be­sticht durch In­di­vi­dua­li­tät und ver­leiht Räu­men ei­ne im­po­san­te Aus­strah­lung. Mit die­ser aus­drucks­star­ken Holz­o­ber­flä­che er­fährt die be­lieb­te „Ro­bin Wood“-se­rie ei­ne Er­wei­te­rungum­den tren­dig zeit­lo­sen Vin­ta­ge-look. Sämt­li­che Pro­duk­te der­li­nies­in­d­oxi­da­tiv­na­tur­ge­ölt­und im For­mat 15 x 189 x 1860 mm und mit­ei­ner­nutz­schicht­von­ca. 4mmer­hält­lich. Die­die­len­ver­fü­gen­über­ei­ne wohn­fer­ti­ge Ober­flä­che. Ei­ne zu­sätz­li­che Ein­pfle­ge wird emp­foh­len, ist je­doch nicht zwin­gend nö­tig.

„Por­zel­lan ist zi­ckig und gibt die Spiel­re­geln vor“, sagt Gu­drun Gross und lä­chelt. „Das Spiel mit den Gren­zen, das uns das Ma­te­ri­al setzt, ist reiz­voll.“Die Ke­ra­mi­ke­rin setzt vor al­lem auf die Gieß­tech­nik, den­noch sieht kein Stück aus wie­da­san­de­re.„ich­könn­te­per­fek­ti­on er­rei­chen“, be­tont sie, „aber der Charme liegt dar­in, dass je­des Ge­fäß ei­nen an­de­ren Rand hat – hand­ge­macht­eben.“Ein­wei­te­r­er­grund, war­um Gu­drun Gross gießt, ist, dass die vo­nihr­so­ger­ne­e­in­ge­setz­tere­lief­tech­nik sonst nicht mög­lich wä­re. „Da­für brauch­eich­ei­neglat­te­ober­flä­cheund muss gie­ßen“, er­klärt sie. Mit Hil­fe von Scha­blo­nen und der so­ge­nann­ten Aus­wasch­tech­nik wer­den auf den Be­chern et­wa Berg­hän­ge und -gip­fel

GREN­ZEN AUS­LO­TEN.

an der Au­ßen­wand an­ge­bracht. Dar­auftum­meln­sich­dann­klei­ne Klet­te­rer. Die Ide­ekam­der Ke­ra­mi­ke­rin, als ih­reschwes­ter, ei­ne­gra­fi­ke­rin, ihr­ge­zeich­ne­te Fi­gu­ren schick­te. „Sie sag­te, dass ich die ein­set­zen muss“, er­zählt Gross. „Zu­erst wuss­te ich nicht, was ich­mit die­sen Ma­xerln an­fan­gen soll, dann ist mir plötz­lich das Licht auf­ge­gan­gen.“Mitt­ler­wei­le ver­zie­ren nicht nur Klet­te­rer ihr Ge­schirr, son­dern auch Rad­fah­rer oder Yo­gis. Die Fi­gu­ren führ­ten auch da­zu, dass sich die Gla­sur von Gud­sha­pes Por­zel­lan ver­än­der­te.„bei­m­ab­gie­ßen­der­über­flüs­si­gen Gla­sur ent­ste­hen Schlie­ren, die­man­üb­li­cher­wei­se­weg­wischt“, er­klärt­gross.„ich­las­se­die­jetzt­be­wusst ste­hen, damit­zum­bei­spiel die­klet­te­rer et­was ha­ben, wo sie sich an­hal­ten kön­nen.“In den Scha­len hin­ge­gen wer­den die Schlie­ren, in de­nen klei­ne Fi­sche schwim­men, zu­al­gen. Die­ke­ra­mi­ke­rin kann sich nicht vor­stel­len, je­mals et­was an­de­res zu ma­chen, da das Ma­te­ri­al noch so vie­le Mög­lich­kei­ten in sich trägt. „Wenn ich die Gips­for­men in­ein­an­der stap­le, ent­steht wie­der ein neu­es Stück“, sagt sie. „Es gibt kein En­de für die Krea­ti­vi­tät.“Dass hand­ge­mach­tes Ge­schirr ak­tu­ell ei­nen Auf­schwung er­lebt, freut sie na­tür­lich, aber die Er­klä­rung ist für sie ein­fach. „Wir neh­men uns wie­der viel­mehr­zeit für gu­tes Es­sen“, sagt­gud­rungross.„ma­nisst mit­ge­nuss, da macht es ei­nen Un­ter­schied, ob man aus hand­ge­mach­tem oder in­dus­tri­ell her­ge­stell­tem Ge­schirr isst – bei­ge­nuss zählt eben je­des­de­tail.“«

Klu­ge und schö­neac­ces­soires für Ih­re­kü­che Vier Koch­buch­au­to­ren zei­gen, wie ih­re Küchen aus­se­hen Spü­le und Ar­ma­tur – was sie kön­nen und wie man sie rich­tig ein­plant Schö­nes Be­steck für Ih­ren Tisch. Plus: So pfle­gen Sie es rich­tig Die­di­gi­ta­li­sie­rung macht auch vor der Kü­che nicht Halt

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