UN­DER­CO­VER

Dank mo­der­ner Mon­ta­ge­sys­te­me­wird im Ba­de­zim­mer im­mer mehr­tech­nik in den Hin­ter­grund ver­la­gert. Das schafft nicht nur Platz, son­dern auch ei­ne aus­ge­spro­chen auf­ge­räum­te­optik. Ein Blick hin­ter die Ku­lis­sen.

Kurier Magazine - Wohnen - - Must- Haves -

» An­fangs war es ein mit Blei aus­ge­klei­de­ter Holz­kas­ten, über Kopf auf­ge­hängt in Pla­fond­nä­he. Das wirk­te leicht­be­droh­lich. Ei­ne­opti­scheof­fen­ba­rung­wa­rer auch­nicht, mach­te­a­ber Sinn. Nur so brach­te­man das Ge­fäl­le zu­sam­men, da­mit die Was­ser­spü­lung, die über ei­ne lan­ge Me­tall­ket­te be­tä­tigt wur­de, funk­tio­nier­te. Spä­ter aus Me­tall, Ke­ra­mik und Kunst­stoff ge­fer­tigt, ver­än­der­te der Spül­kas­ten im­lau­fe der­zeit sei­ne­for­mund­po­si­ti­on. Er­wäh­nens­wert ist all das, weil Spül­käs­ten heu­te bei­na­he schon Ge­schich­te sind, denn die­se und wei­te­re Tech­nik ver­schwin­den zu­se­hends aus dem sa­ni­tä­ren Blick­feld. »

Geh­tes­ums­ver­ber­gen, Ver­ste­cken, Un­sicht­bar­ma­chen von tech­ni­schen Kom­po­nen­ten, sind die Au­to­her­stel­ler Welt­meis­ter. Was sie an High­tech hin­ter Ar­ma­tu­ren­bret­tern und un­ter Mo­tor­hau­ben un­ter­brin­gen, ist höchs­te In­ge­nieurs­kunst. Was­das­mit­ba­de­zim­mern­zu­tun­hat? Nun, die Sa­ni­tär­pro­du­zen­ten und Bad-pro­fis ste­hen den Kol­le­gen aus der Au­to­bran­che nicht nach und ver­ste­hen­sich eben­falls­bes­tens­auf„tech­ni­sche Ver­steck­spiel­chen“– und das nicht erst seitheu­te. „Vor­über­50jah­ren­ha­ben­wir­mit­dem­spül­kas­ten­vor­ge­zeigt, wie das geht. Heu­te ist es für uns al­le selbst­ver­ständ­lich, dass sich die­ser in der Wand be­fin­det und wir ge­nie­ßen die Vor­tei­le, die sol­che Un­ter­putz-spül­käs­ten bie­ten, näm­lich die ein­fa­che­re Rei­ni­gung, das grö

SIMSALABIM.

ße­re Platz­an­ge­bot und die ge­rin­ge Laut­stär­ke beim Spül­vor­gang. Ab­ge­se­hen da­von wirkt das WC da­durch weit­aus­auf­ge­räum­ter“, sagt­chris­ti­an Buch­bau­er, Lei­ter Mar­ke­ting und Pro­dukt­ma­nage­ment bei Ge­be­rit.

Bei den High­tech-wcs von heu­te wird prak­tisch die ge­sam­te Tech­nik hin­ter die­wand ver­legt, dar­un­ter we­sent­li­che Tools wie Spül­ven­til un­d­was­ser­zu­lauf. Von all dem sieht man nichts. Und­man­riech­tauch­nichts. Denn­was bei Koch­her­den längst Stan­dard ist, setzt sich nun auch imwc­zu­se­hends durch: die wirk­sa­me Ge­ruchs­ab­sau­gung. Die kommt mit so lieb­li­chen Flos­keln wie „Air“oder „Du­o­fresh“da­her – und wird als Mo­dul eben­falls hin­ter­der Be­tä­ti­gungs­plat­te des­wcs

NICHTS SE­HEN, NICHTS RIE­CHEN.

ver­baut. Tech­nisch funk­tio­niert das so: Die­ses Mo­dul saugt die Luft di­rekt aus­derwc-ke­ra­mi­ka­b­und­fil­tert sie mit ei­nem spe­zi­el­len­ke­ra­mik­wa­ben­fil­ter. Dar­in blei­ben sämt­li­che Duft­mo­le­kü­le­hän­gen. Dank­ei­nes­nah­be­reichs­sen­sors schal­tet die Ge­ruchs­ab­sau­gung au­to­ma­tisch an, so­bald das Wcbe­nützt­wird. Ein­lei­ser Lüf­ter be­för­dert die ge­rei­nig­te Luft dann in den Raum zu­rück. Ge­öff­ne­te Fens­ter, Duft­ker­zen, Raum­spraysund­der­glei­chen sind dank Ke­ra­mik­wa­ben­fil­ter dem­nach­ob­so­let. Die­ser­kann, eben­so wie die Spül­kas­ten­sticks, ein­fach über die Be­tä­ti­gungs­plat­te ge­wech­selt wer­den. Apro­pos Be­tä­ti­gungs­plat­te: Da­mit ist je­ne un­auf­fäl­li­ge Flä­che­mit run­d­e­ro­der­ecki­ger­tas­ta­tur­ge­meint, die­heuteviel­fach­den­kon­ven­tio­nel­len Spül­knopf er­setzt. Die­se Plat­te wird

plan in die­wand in­te­griert, die WC­re­le­van­ten Ab­läu­fe wer­den von hier aus ge­steu­ert. Über sel­bi­ge Plat­te wählt­der­nut­zerauch­die­ge­wünsch­te Was­ser­spül­men­ge – meist drei oder sechs Li­ter. „Ab­ge­se­hen von der Spül­tech­nik ha­ben wir beim WC mit der Hö­hen­ver­stel­lung jüngst ein wei­te­res wich­ti­ges­tool­ver­steckt, das­vor­al­lem im Al­ter re­le­vant wird. Da­mit kann man­diewc-ke­ra­mik­bis­zu­drei­zen­ti­me­ter hö­her­stel­len“, sagt Chris­ti­an Buch­bau­er.

Das Klo­sett ist nicht das ein­zi­ge Sa­ni­tä­r­ele­ment, bei dem die Tech­nik ele­gant im Hin­ter­grund ver­schwin­det, „auch der Wasch­tisch-si­phon, die Tech­nik für Wan­darma­tu­ren, selbst Spie­gel

NOCH MEHR TIEF­GANG.

schrän­ke und Abla­ge­flä­chen in der Du­sche wer­den mehr und mehr in die Wand hin­ein ver­la­gert“, er­läu­tert Buch­bau­er und de­mons­triert das am neu­en Wasch­tisch „Ge­be­rit One“. Der kann frei schwe­bend oder auch in Kom­bi­na­ti­on­mit ei­nem Wasch­tisch­un­ter­schrank ge­nutzt wer­den. „Was der Bad­nut­zer nicht sieht, ist der Si­phon, denn der ist längst ver­deckt in ei­ner Funk­ti­ons­box in der In­stal­la­ti­ons­wand mon­tiert. Das bringt mehr Platz­un­ter­dem­wasch­ti­schund­mehr Stau­raum im Un­ter­schrank.“

Das we­sent­li­che Ele­ment­zum­ver­sen­ken sol­cher tech­ni­scher Kom­po­nen­ten ist ei­ne so­ge­nann­te Vor­wand­in­stal­la­ti­on mit­tels In­stal­la­ti­ons­wand. Bei be­ste­hen­den Ba­de­zim­mern wird sie vor der »

GU­TER VOR­WAND.

be­ste­hen­den Wand auf­ge­baut, da­durch rückt man et­wa 15 bis 18 Zen­ti­me­ter­in­den­raum­hin­ein. Den­platz ge­winnt­man­a­ber an­de­rer­seits­wie­der zu­rück, weil mo­der­ne Wasch­ti­sche, wie et­wadas Mo­dell aus­der Se­rie „Ge­be­ri­to­ne“, we­ni­ge­r­aus­la­dungs­flä­che in den Raum hin­ein ha­ben. Wird hin­ge­gen ein Haus neu ge­baut, ist der Ar­chi­tekt be­zie­hungs­wei­se der Bau­meis­ter ge­fragt, „in­dem er die­se prak­ti­schen Mon­ta­ge­ge­stel­le schon bei der Pla­nung be­rück­sich­tigt“. In solch ei­ner Mon­ta­ge­kon­struk­ti­on kön­nen ne­ben dem Wasch­tisch samt Si­phon wei­te­re Ele­men­te ver­baut wer­den, et­wa mo­der­ne Wan­darma­tu­ren. Auch der „One“-spie­gel­schrank mit sei­ner kaum­sicht­ba­ren­aus­la­dung nutzt die Vor­wand und punk­tet mit ei­nem be­ein­dru­cken­den Platz­an­ge­bot. Buch­bau­er: „So wird der Stau­raum für die Din­ge­des täg­li­chen­kos­me­ti­schen­be­darfs ein­fach in die Wand ver­la­gert.“Prak­ti­scher Ne­ben­ef­fekt: Dank der mat­tier­ten Um­rah­mung der Spie­gel­wand­blei­ben selbst bei häu­fi­gem Öff­nen­und­schlie­ßen kei­ne­fin­ger­ab­drü­cke sicht­bar. Sehr an­ge­nehm: war­mes at­mo­sphä­ri­sches Licht um­gibt den Spie­gel­schrank­wie­ei­nen­rah­men, ein käl­te­res Funk­ti­ons­licht sorgt für die op­ti­ma­le Aus­leuch­tung im Nah­be­reich. Bei­de Lich­ter kön­nen in­di­vi­du­ell ein­ge­stellt und in­be­nut­zer­pro­fi­len ge­spei­chert wer­den.

Die Va­ri­an­ten an „Ver­sen­kungs­mög­lich­kei­ten“rei­chen so­gar bis in die Du­sche, wo jüngst auch Ni­schen­ab­la­ge­bo­xen ein­ge­baut wer­den. „Die­se sind so kon­stru­iert, dass

AB­LÄU­FE.

auch hier Du­schu­ten­si­li­en ver­staut wer­den kön­nen, aber den­noch das Was­ser un­ge­hin­dert ab­flie­ßen kann.“Un­der­co­ver ar­bei­ten vie­le Bad-pro­fis auch bei bo­den­ebe­nen Dusch­sys­te­men. Ge­be­rit­bei­spiels­wei­se nutzt hier das Vor­wand­kon­zept in­so­fern aus, in­dem die Ent­wäs­se­rung der Du­sche vom Bo­den in die­wand ver­legt wur­de. Die Ab­de­ckung des Wan­dab­laufs ist klein­flä­chig, al­so kaum sicht­bar und kann so­gar, pas­send zur Bad­ge­stal­tung, mit­flie­sen­be­legt­wer­den. So ent­steht der Ein­druck, das Was­ser wür­de auf ge­heim­nis­vol­le­wei­se ver­si­ckern. Ma­gisch, die neu­en Bä­der. «

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