„Größ­ter Er­folg ist ein lä­cheln­der Pa­ti­ent“

Kurier Magazine - Zähne - - Medico Spezial Zahnersatz - VON AN­JA GE­RE­VI­NI

» Das drit­te Ge­biss hat kei­nen be­son­ders gu­ten Ruf. Aber sind Zahn­pro­the­sen wirk­lich un­prak­ti­ka­bel und ver­ur­sa­chen Druck­stel­len? Clau­dia Plöss­nig-ober­leit­ner, Ärzt­li­che Lei­te­rin der Zahn­ge­sund­heits­zen­tren 3 und 11 der WGKK, klärt auf.

Was ist ei­ne Teil­pro­the­se und wie ist die­se auf­ge­baut? Clau­dia Plöss­nig-ober­leit­ner:

Ei­ne Teil­pro­the­se ist ein ab­nehm­ba­rer Zahn­er­satz zur Ver­sor­gung ei­nes Lü­cken­ge­bis­ses. Es gibt zwei Ar­ten: Kunst­stoff- und Me­tall­ge­rüst­pro­the­sen. Die Kunst­stoff­pro­the­se wird meist als So­for­t­er­satz- oder In­te­rims­pro­the­se an­ge­fer­tigt, d. h. vor der Ex­trak­ti­on von nicht er­hal­tungs­wür­di- gen Zäh­nen. Sie be­steht aus der Kunst­stoff­ba­sis mit den Er­satz­zäh­nen und Klam­mern zur Fixa­ti­on am Rest­ge­biss. Die Me­tall­ge­rüst­pro­the­se dient als Dau­er­ver­sor­gung: Sie be­steht aus dem Mo­dell­guss­ge­rüst, in der Re­gel aus ei­ner Chrom-ko­bal­tM­o­lyb­dän­le­gie­rung, mit Stütz- und Re­ten­ti­ons­ele­men­ten und Kunst­stoff­sät­teln mit den Er­satz­zäh­nen, die der Schleim­haut auf­lie­gen. Als Re­ten­ti­ons­ele­men­te, die die Pro­the­se vorm „Her­un­ter­fal­len“schüt­zen, kom­men Klam­mern, aber auch klam­mer­lo­se Ele­men­te wie Ge­schie­be, Te­le­sko­pe, An­ker etc. in Fra­ge. Um den Halt der Me­tall­ge­rüst­pro­the­se an der Rest­be­zah­nung zu op­ti­mie­ren und die klam­mer­tra­gen­den Zäh­ne best­mög­lich zu schüt­zen, soll­ten Klam­mer­zahn­kro­nen an­ge­fer­tigt wer­den. Die­se be­sit­zen ei­ge­ne, von au­ßen nicht sicht­ba­re Auf­la­ge­flä­chen für die Pro­the­se.

Un­ter­schei­det sich die Pro­the­se für das Ober­kie­fer von der für das Un­ter­kie­fer?

Der Un­ter­schied er­gibt sich durch die Ana­to­mie: Da­sich der Un­ter­kie­fer so­wie auch Zun­ge und Mund­bo­den beim­spre­chen­un­des­sen­be­we­gen, er­ge­ben sich hö­he­re An­sprü­che an den Pro­the­sen­halt. Der Un­ter­schied ist in der To­tal­pro­the­tik es­sen­zi­ell, da die Ober­kie­fer-to­tal­pro­the­se durch die Saug­wir­kung meist sehr gut hält – sie saugt sich rich­tig am Kie­fer an. Im Un­ter­kie­fer gibt es die­sen Sau­geffekt nicht.

Wann oder bei wel­chem Pa­ti­en­ten macht ei­ne Teil­pro­the­se Sinn?

Zu­nächst bei Pa­ti­en­ten mit stark re­du­zier­ter Rest­be­zah­nung oder rasch fort­schrei­ten­dem Kno­chen­ab­bau. Auch Pa­ti­en­ten, die die Be­las­tung ei­ner auf­wen­di­ge­ren The­ra­pie z.b. we­gen ih­res ein­ge­schränk­ten All­ge­mein­zu­stan­des oder All­ge­mei­n­er­kran­kun­gen nicht auf sich neh­men kön­nen oder wol­len, wer­den oft die­se Form der Zahn­ver­sor­gung wäh­len.

Was ist ihr Vor­teil ge­gen­über Im­plan­ta­ten oder fest­sit­zen­den Brü­cken?

Der not­wen­di­ge Ein­griff ist im Ver­gleich zu Im­plan­ta­ten oder Brü­cken we­ni­ger be­las­tend. Bei Brü­cken müs­sen die Pfei­l­er­zäh­ne be­schlif­fen wer­den, was­bei ka­ri­es­frei­en Zäh­nen­meist nicht ge­recht­fer­tigt ist. Die Zäh­ne kön­nen da­bei un­ter Um­stän­den de­vi­ta­li­siert wer­den. Zu­dem sind Brü­cken und Im­plan­ta­te als Pri­vat­leis­tun­gen zu zah­len. Teil­pro­the­sen sind au­ßer­dem ein­fa­cher in der Rei­ni­gung als Brü­cken und Im­plan­ta­te, die ei­ne pe­ni­ble Pfle­ge be­nö­ti­gen.

Kann die Teil­pro­the­se den­sel­ben äs­the­ti­schen An­spruch er­fül­len wie et­wa Brü­cken oder Im­plan­ta­te?

In Zu­sam­men­ar­beit mit Pa­ti­en­ten, Zahn­arzt und Zahn­tech­ni­ker kön­nen äs­the­tisch sehr an­spruchs­vol­le Er­geb­nis­se er­zielt wer­den, ei­ne gu­te Auf­klä­rung be­züg­lich der Mög­lich­kei­ten ist Vor­aus­set­zung. Vor al­lem klam­mer­lo­se Hal­te­ele­men­te, Front­zäh­ne, die di­rekt auf dem Kie­fer­kamm auf­ge­schlif­fen­wer­den, Er­satz­zäh­ne, diein Far­be und Form der ei­ge­nen Be­zah­nung an­ge­passt sind, ver­mit­teln Na­tür­lich­keit.

Wie wer­den Teil­pro­the­sen ge­pflegt, wie oft ist ei­ne Kon­trol­le beim Zahn­arzt emp­foh­len?

Nach je­der Mahl­zeit soll­te die Pro­the­se her­aus­ge­nom­men und ab­ge­spült wer­den. Falls dies nicht mög­lich ist,

in gut sit­zen­der ahn­er­satz ist kein u us, s ndern raus­set­zung f r ein gl ck­li­ches eben. etr ffe­ne k nnen auch mit r the­sen hne r ble­me la­chen, s re­chen, es­sen und ih­re hne zei­gen.

soll­te zu­min­dest der Mund mit Was­ser aus­ge­spült wer­den. Die ei­ge­nen Zäh­ne und das Zahn­fleisch wer­den wei­ter­hin zwei Mal täg­lich mit Zahn­pas­te und Bürs­te, die Au­ßen- und In­nen­sei­te der Pro­the­se mit un­par­fü­mier­ter Sei­fe und Pro­the­sen­bürs­te ge­rei­nigt. Rei­ni­gungs­lö­sun­gen mit Tabs ha­ben zwar ei­ne Des­in­fek­ti­ons­wir­kung, er­set­zen je­doch nicht die me­cha­ni­sche Rei­ni­gung. Wich­tig ist auch: Pro­the­sen soll­ten Tag und Nacht ge­tra­gen wer­den, weil die­se sich dann bes­ser an das Kie­fer an­passt. Per­so­nen, die ma­nu­el­le Pro­ble­me bei der Rei­ni­gung ha­ben, kön­nen auch Ul­tra­schall­bä­der zur ge­le­gent­li­chen Rei­ni­gung ver­wen­den. Ei­ne zahn­ärzt­li­che Kon­trol­le ist zwei Mal­jähr­lich nö­tig: Falls der­ex­ak­te­sitz der Pro­the­se nicht mehr ge­ge­ben ist – et­wa bei ei­ner Atro­phie (Schwund) des Kie­fer­kam­mes –, muss ei­ne An­pas­sung der Pro­the­se mit­tels Un­ter­füt­te­rung vor­ge­nom­men wer­den. Dies wird oft­mals nicht recht­zei­tig be­merkt und kann Ur­sa­che von Druck­stel­len oder­ver­min­dert­er­kau­leis­tung sein. Nach der Er­stan­pas­sung ei­ner Pro­the­se wird nach zir­ka ein bis zwei Wo­chen­kon­trol­liert, dann­hat­sich­die Pro­the­se „ein­ge­la­gert“, Ad­ap­ta­ti­ons­schwie­rig­kei­ten kön­nen dann mit der Pa­ti­en­tin bzw. dem Pa­ti­en­ten be­spro­chen und ge­ge­be­nen­falls be­ho­ben wer­den.

Pro­the­sen­lö­sen­im­mer­no­chängs­teaus – et­wa, dass sie schlecht sit­zen oder beim Spre­chen be­hin­dern. Kann man die­se Vor­ur­tei­le ent­kräf­ten?

Wie? Dass ein ab­nehm­ba­rer Zahn­er­satz mehr Raum ein­nimmt als na­tür­li­che Zäh­ne und vor al­lem am Be­ginn als Fremd­kör­per emp­fun­den wird, muss dem Pa­ti­en­ten be­reits beim Erst­ge­spräch ver­mit­telt wer­den. Der Pa­ti­ent wird von An­fang an in das Be­hand­lungs­kon­zept und des­sen Schrit­te ein­ge­bun­den, es wer­den Er­war­tun­gen ana­ly­siert und Ver­trau­en auf­ge­baut. Pa­ti­en­ten sind so­mit auch mit­ver­ant­wort­lich für den Be­hand­lungs­er­folg. Wenn die Pro­the­se ord­nungs­ge­mäß an­ge­fer­tigt wird, d. h. nach funk­tio­nel­len und äs­the­ti­schen Ge­sichts­punk­ten, der Pa­ti­ent rich­tig „ ge­führt“und in­stru­iert wird, kön­nen ne­ben der Kau­funk­ti­on auch das Aus­se­hen und Selbst­be­wusst­sein des Pa­ti­en­ten wie­der­her­ge­stellt wer­den. Vor­aus­set­zung sind al­ler­dings die rich­ti­ge Pfle­ge des Zahn­er­sat­zes und re­gel­mä­ßi­ge Kon­trol­len. »

Ab wann ist ei­ne To­tal­pro­the­se nö­tig?

Wenn die Rest­be­zah­nung nicht mehr er­hal­tungs­wür­dig ist, wird vor Ex­trak­ti­on der Zäh­ne ei­ne In­te­rims­pro­the­se an­ge­fer­tigt, um dem Pa­ti­en­ten die psy­chi­sche Be­las­tung durch sicht­ba­re Zahn­lü­cken zu er­spa­ren, wei­ters dient die In­te­rims­pro­the­se als Schutz der Zahn­fä­cher und des Kie­fer­kam­mes nach Ent­fer­nung der Zäh­ne. Nach Ver­hei­lung und Ab­schluss der initia­len Kie­fer­kamm­re­sorp­ti­on kann ei­ne To­tal­pro­the­se an­ge­fer­tigt wer­den – das ist meist nach ei­nem hal­ben Jahr mög­lich. Bei ei­ner To­tal­pro­the­se be­steht die Pro­the­sen­ba­sis aus Kunst­stoff, die­se liegt mit ih­rer In­nen­flä­che der Kie­fer­schleim­haut auf und um­fasst den Kie­fer­kamm. An­der Au­ßen­flä­che sind die Er­satz­zäh­ne, die sehr in­di­vi­du­ell und na­tür­lich ge­stal­tet wer­den kön­nen, ein­po­ly­me­ri­siert.

Wel­che Her­aus­for­de­rung be­steht da­bei für den Zahn­arzt und -tech­ni­ker?

Bei der To­tal­pro­the­se wird der Kau­druck auf die Schleim­haut des ge­sam­ten Kie­fer­kam­mes über­tra­gen, was nicht der Physiologie ent­spricht. So­mit stellt die Wie­der­her­stel­lung der Kau­funk­ti­on ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung an das Team aus Zahn­arzt und Zahn­tech­ni­ker dar. Da­ne­ben dür­fen na­tür­lich auch die Pho­ne­tik und Äs­t­he­tik nicht ver­nach­läs­sigt wer­den. Wei­ters muss es auch ge­lin­gen, be­kann­te Vor­ur­tei­le ge­gen „ das künst­li­che Ge­biss“aus­zu­räu­men und den Pa­ti­en­ten an die Mög­lich­kei­ten der To­tal­pro­the­tik her­an­zu­füh­ren. Der größ­te Er­folg ist ein zu­frie­de­ner Pa­ti­ent, dem man sei­ne Wür­de­wie­der­ge­ge­ben hat und der sich ge­traut, beim Lä­cheln die Zäh­ne zu zei­gen.

Kann der Pa­ti­ent mit ei­ner To­tal­pro­the­se ein nor­ma­les Le­ben füh­ren?

Der Pa­ti­ent kann ein weit­ge­hend nor­ma­les­le­ben­füh­ren, vor­aus­ge­setzt, die Pro­the­se ist dem Kie­fer­kamm ex­akt an­ge­passt. Nach län­ge­rer Tra­ge­dau­er wer­den An­pas­sun­gen in Form von Un­ter­füt­te­run­gen auf­grund der Atro­phie des Kie­fer­kam­mes nö­tig.

Über­nimmt die GKK die Kos­ten?

Seit1. Jän­ner2018über­nimmt­dieg­kk beim ab­nehm­ba­ren Zahn­er­satz 75 Pro­zent der Kos­ten. Für den Pa­ti­en­ten fällt so­mit ein Selbst­be­halt von 25 Pro­zent an – da­vor­wa­re­nes50. Das­sel­be­giltauch­für die zur Fi­xie­rung ei­ner Me­tall­ge­rüst­pro­the­se­nö­ti­gen­klam­mer­zahn­kro­ne. Nach sechs Jah­ren Tra­ge­dau­er kann­die An­fer­ti­gungei­ner­neu­en­pro­the­se­bei­derg­kk über die Zahn­ärz­tin bzw. den Zahn­arzt be­an­tragt wer­den. «

Pri­ma­ria Dr. Clau­dia Plöss­nig- Ober­leit­ner, Ärzt­li­che Lei­te­rin der Zahn­ge­sund­heits­zen­tren 3 und 11 der WGKK

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.