KURIER_MARIA THERESIA

Eine junge Frau bietet ganz Europa die Stirn

- VON ANDREAS KUBA

Die Standhafti­gkeit Maria Theresias haben sowohl Friedrich II. von Preußen als auch Kurfürst Karl von Bayern unterschät­zt. Denn die 23-jährige Kaiserin kämpft mit allen Mitteln und aller Härte um ihr Land und um die Kaiserwürd­e für ihren Gemahl. Die ersten acht Jahre ihrer Regierungs­zeit führte sie Krieg gegen ihre Gegner.

ÜBERALL FEINDE. Die 23-jährige lebenslust­igeMariaTh­eresiaistp­lötzlich „Kaiserin“, hateineunv­orstellbar­eVerantwor­tung und keine Ahnung, wie es nun weitergehe­n soll. Auch im Land selbst glaubt niemand so recht daran, dass die junge Regentin die Donaumonar­chie führen kann. „In diesen Umständen fand ich mich ohne Geld, ohne Credit, ohne Armée, ohne eigene Experienz und Wissenscha­ft und endlich auch ohne allen Rath“, notiert sie später. Ihr Vater habe ihr „die zu Beherrschu­ng so weitschich­tiger und vertheilte­r Länder erforderli­che Erfahrund Känntnüss“niemals gelehrt und „mich zur Erledigung weder der auswärtige­n noch inneren Geschäfte“beigezogen. „So sahe mich auf einmal zusammen von Geld, Trouppen und Rat entblößet. Keine Erfahrung in Ansehungde­rerRätewoh­netemirbey­und eben darumben die natürliche Weise damals gehabte grosse Timidität und Diffidenz(Ängstlichk­eitundMiss­trauen), welche gedachte Unerfahren­heit zur Ursach hatte, die Auswahl deren so sehr benöthigte­n Ratschläge­n und Informatio­nen sehr erschwerte.“ BRUTALE MACHTPOLIT­IK. In dieses Machtvakuu­m stoßen sogleich die anderen europäisch­en Herrscher vor. Preußenkön­ig Friedrich II. marschiert im Dezember 1740 in Schlesien ein. Bayern, dasdiePrag­matischeSa­nktion ohnehin nie anerkannt hat, schmiedet mit Frankreich, Spanien und Preußen ein mächtiges Bündnis gegen Österreich. Maria Theresia steht vor einem Krieg gegen Europa. Mit der Gefahr, ihrgesamte­sErbezuver­lieren, nochbevor sie richtig am Thron Platz genommen hat. Als Prag vom bayerische­n Kurfürsten Karl I. eingenomme­n wird undsichdie­serimDezem­ber1941zum böhmischen König krönen lässt, fallen Maria Theresia sogar viele der eigenen Minister, die ihre Felle davonschwi­mmen sehen, in den Rücken. „Gesamte meine Ministri anstatt Muth mir zuzusprech­en, ließen solchen gänzlich sinken, und liessen nicht undeutlich sich verlauten, als ob sie alles für nicht viel weniger als desparat anseheten, ja es sucheten sogar einige sich zu retirieren undverlohr­ensichletz­tlichsowei­t, dass einige davon sich nicht gescheuet, die Erlaubnis von mir anzusuchen, dem Curfürsten nach seiner zu Prag vor sich gegangenen Crönung wegen ihrer in Böhmen liegenden Gütern schriftlic­h zu huldigen. Ich allein, ohne eytlen Ruhm zu melden, war etwa die jenige, die unter allen diesen Drangsalen den meisten Mut annoch bybehielt.“Als Karl dann auch noch als Karl VII. zum Kaiser der Heiligen Römischen Reichesgew­ähltwird, schlägtdie­Stimmung in Wien endgültig um. Kaum jemandsetz­tjetztnoch­darauf, dasssich MariaThere­siabehaupt­enkann. Inden Straßen der Stadt macht ein Plakat die Runde, aufdemsteh­t:„Vivat! DerKaiser ist tot. Wir bekommen jetzt großes Brot. DerLothrin­geristunsz­uschlecht. Der Bayer ist uns eben recht.“ KLUGE BERATERWAH­L. In dieser fast aussichtsl­osen Situation zeigt Maria Theresia erstmals ihre Stärke, die sie in den nächsten Jahrzehnte­n zur unumstritt­enen „Kaiserin“Europas machen sollte, die sie selbst ja gar nie war. Sie sucht in der größten Not nach erfahrenen, verlässlic­hen Ratgebern – und setzt dabei vor allem auf Graf Emanuel Silva-Tarouca. Der 1696 in

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