Gut­ach­ter wird jetzt ab­ge­löst

Karl Mah­rin­ger soll un­wis­sen­schaft­lich ge­ar­bei­tet ha­ben. Er wehrt sich

Kurier (Samstag) - - TITELSEITE - VON MICHAE­LA REIBENWEIN

Ös­ter­reich/Af­gha­nis­tan. Karl Mah­rin­ger ist kein Gut­ach­ter mehr. Sei­ne Ar­beit wur­de als un­wis­sen­schaft­lich be­fun­den. Er wehrt sich ge­gen die Vor­wür­fe.

Karl Mah­rin­ger hat vie­le Gut­ach­ten in Asyl­ver­fah­ren er­stellt. Bis zu­letzt war er der ein­zi­ge ge­richt­lich be­ei­de­te Sach­ver­stän­di­ge für die Län­der Af­gha­nis­tan, Sy­ri­en und Irak. Doch Mah­rin­gers Gut­ach­ten stie­ßen auch auf mas­si­ve Kri­tik. So äu­ßer­te er ein­mal, dass die Rück­kehr nach Af­gha­nis­tan für jun­ge Män­ner zu­mut­bar sei, denn: At­ten­ta­te wür­den im Re­gie­rungs­vier­tel und beim Par­la­ment Ka­buls pas­sie­ren. Man müs­se nur ei­nen Um­weg von zehn Mi­nu­ten in Kauf neh­men, um ih­nen zu ent­kom­men.

Prü­fung

Jetzt ist der ge­bür­ti­ge Ober­ös­ter­rei­cher sei­nen Job als Gut­ach­ter los. Das Lan­des­ge­richt für Zi­vil­rechts­sa­chen Wi­en hat­te das Über­prü­fungs­ver­fah­ren durch­ge­führt. Nach Prü­fung ei­ner vier­köp­fi­gen Kom­mis­si­on (be­ste­hend aus ei­nem Rich­ter und drei Fach­prü­fern, Anm.) wur­de dem 65-Jäh­ri­gen die „Ei­gen­schaft als all­ge­mein be­ei­de­ter und ge­richt­lich zer­ti­fi­zier­ter Sach­ver­stän­di­ger für das Fach­ge­biet Län­der­kun­de ent­zo­gen“, wie es in ei­ner Stel­lung­nah­me heißt. Kon­kret ha­be es Zwei­fel ge­ge­ben, ob Mah­rin­ger in der La­ge sei, le­ge ar­tis (vor­schrifts­mä­ßig, Anm.) zu ar­bei­ten und Schluss­fol­ge­run­gen zie­he, die ei­ner Über­prü­fung stand­hal­ten.

„Selbst­ver­ständ­lich wer­den wir hier Rechts­mit­tel er­grei­fen und ei­ne Be­schwer­de beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts­hof ein­rei­chen“, sagt Mah­rin­ger, der sich ak­tu­ell in Af­gha­nis­tan auf­hält.( sie­he auch In­ter­view un­ten). Un­der teilt auch aus: „Die Ent­zie­hung ver­wun­dert mich nicht zu­letzt auch des­halb, weil von mir im ver­gan­ge­nen Jahr zahl­rei­che Gut­ach­ten bei Ge­richt ab­ge­lie­fert wur­den und es von Sei­ten der Ge­rich­te bis­her kei­ne Be­an­stan­dun­gen be­züg­lich der Qua­li­tät gab. Dass nun ei­ne ,un­ab­hän­gi­ge’ Kom­mis­si­on un­ter mas­si­ven öf­fent­li­chen Druck zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis kommt, sagt be­reits al­les.“

Doch es ist auch ein wei­te­rer Punkt, der zum Ent­zug ge- führt ha­ben dürf­te – ei­ne Aus­sa­ge in der Kro­ne: „Das Lan­des­ge­richt für Zi­vil­rechts­sa­chen will mich in Zu­sam­men­ar­beit mit den NGO’s zer­stö­ren.“Al­lein die­se Aus­sa­ge rei­che, um ein Über­prü­fungs­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten, heißt es im Ent­scheid.

Kei­ne neue Ein­tra­gung

Für Mah­rin­ger dop­pelt bit­ter: Zu­letzt hat­te er die Prü­fung als Gut­ach­ter für Je­men, Su­dan und Pa­kis­tan be­stan­den. Bis zu­letzt war­te­te er auf den Be­scheid. Die Kom­mis­si­on kam nun zum Er­geb­nis: „Ei­ne wei­te­re Ein­tra­gung von zu­sätz­li­chen Fach­ge­bie­ten ist ab­zu­wei­sen.“

Bei be­ste­hen­den ne­ga­ti­ven Asyl­be­schei­den mit Mah­rin­ger-Gut­ach­ten dürf­te die ak­tu­el­le Ent­schei­dung kei­ne Aus­wir­kung ha­ben. Denn: Die Gut­ach­ten sei­en nur ein Teil in der Ent­schei­dungs­fin­dung, wie ein Ge­richt be­reits fest­stell­te.

Zwei Sei­ten von Af­gha­nis­tan: Nicht al­le Ge­bie­te sind le­bens­ge­fähr­lich. Den­noch kommt es spe­zi­ell im Zen­trum Ka­buls im­mer wie­der zu blu­ti­gen At­ten­ta­ten

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