Ak­ti­on scharf ge­gen Schul­schwän­zer

BIS 440 EU­RO STRA­FE

Kurier (Samstag) - - TITELSEITE - VON B. GAUL, S. DORFSTÄTTER

Be­reits 19 An­zei­gen. Wie­ner Schu­len neh­men das neue Ge­setz ernst: Kein Par­don bei drei Ta­ge Ab­we­sen­heit oh­ne Ent­schul­di­gung

Es war ei­nes der ers­ten Ge­set­ze, die Bil­dungs­mi­nis­ter Heinz Faß­mann ein­brach­te: Wer die Schul­pflicht ver­letzt, soll be­straft wer­den.

Kon­kret sieht die No­vel­le vor, dass Schü­ler bis zum En­de ih­rer Schul­pflicht – al­so in neun Jah­ren Schu­le – ab dem drit­ten Fehl­tag oh­ne Ent­schul­di­gung von der Schul­lei­tung an­ge­zeigt wer­den kön­nen. Drei Ta­ge ma­xi­mal – un­ab­hän­gig da­von, ob es drei auf­ein­an­der­fol­gen­de Ta­ge sind, oder die drei Fehl­ta­ge im Lau­fe der neun­jäh­ri­gen Schul­pflicht zu­sam­men­kom­men.

Das neue Schul­jahr ist in Ost-Ös­ter­reich ge­ra­de ein­mal zwei Wo­chen alt, den­noch wer­den be­reits die ers­ten An­zei­gen be­stä­tigt: 19

gab es al­lein in Wi­en – die meis­ten da­von, näm­lich vier, muss­ten Schu­len in Wi­en - Do­n­au­stadt ein­brin­gen, und je­weils drei in Lie­sing (23. Be­zirk) und in der Jo­sef­stadt (8. Be­zirk). Auch aus dem Be­zirk Krems wur­den vier An­zei­gen ge­mel­det.

Die Schu­len zei­gen nur an, wenn sie kei­nen Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten er­rei­chen kön­nen­und­sich das Fern­blei­ben nicht er­klä­ren kön­nen.

Jetzt sind die Be­zirks­ver­wal­tungs­be­hör­den, in Wi­en die Ma­gis­tra­te, am Zug: Laut Schul­pflicht­ge­setz sind Stra­fen von 110 bis 440 Eu­ro vor­ge­se­hen, so­gar Er­satz­frei­heits­stra­fen bis zu zwei Wo­chen sind mög­lich. Die Be­hör­den­müs­sen­je­den Fall ein­zeln

prü­fen, soll­te sich al­les auf­klä­ren, kön­nen die Ver­fah­ren auch wie­der ein­ge­stellt wer­den. Ver­wal­tungs­stra­fen wer­den un­ab­hän­gig vom Ein­kom­men der Fa­mi­li­en aus­ge­spro­chen.

Bil­dungs­mi­nis­ter Faß­mann zeigt sich in ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on zu­frie­den: „Das sind ge­nau die Fäl­le, die wir mit die­ser neu­en Re­ge­lung er­rei­chen woll­ten – Fäl­le, die so nicht zu ent­schul­di­gen sind“, so der Mi­nis­ter zum KURIER. Er geht da­von aus, dass die Schul­lei­ter das Um­feld ih­rer Schü­ler gut ken­nen und „an­ge­mes­sen, nicht über­schie­ßend“re­agie­ren. Er ver­lan­ge aber ei­ne „Ernst­haf­tig­keit im Sys­tem. Es gibt ein Gra­ti­s­an­ge­bot, das auch

ei­ne Ver­pflich­tung mit sich bringt.“

Ver­schärft wur­de zu­dem die Si­tua­ti­on für je­ne Schü­ler, die ih­re Schul­pflicht schon er­füllt ha­ben – al­so in der Ober­stu­fe. Wer hier mehr als drei­ßig un­ent­schul­dig­te Fehl­stun­den hat, den kann die Schul­lei­tung ganz ein­fach von der Schu­le ab­mel­den.

Ei­ne Ver­schär­fung des Schul­pflicht­ge­set­zes wur­de vor al­lem von Päd­ago­gen und Schul­lei­tern ge­for­dert, denn das bis­he­ri­ge Sys­tem ei­nes 5Stu­fen-Plans zeig­te kaum Wir­kung: Zu­erst muss­te die Schul­lei­tung ein Ge­spräch mit den El­tern su­chen, dann mit Schul­psy­cho­lo­gen die Si­tua­ti­on ab­klä­ren, dann folg­te ei­ne In­for­ma­ti­on über dro­hen­de Sank­tio­nen, dann wur­de die Ju­gend­wohl­fahrt ein­ge­schal­tet und als letz­te Maß­nah­me An­zei­ge mit ei­ner Höchst­stra­fe von 440 Eu­ro ein­ge­bracht. Lehr­kräf­te kri­ti­sier­ten, dass die­se Vor­ge­hens­wei­se oft Mo­na­te in An­spruch nahm und El­tern, die nicht ko­ope­rie­ren woll­ten, bald das Sys­tem aus­nutz­ten.

„Das sind ge­nau die Fäl­le, die wir mit die­ser neu­en Re­ge­lung er­rei­chen woll­ten – Fäl­le, die so nicht zu ent­schul­di­gen sind.“Heinz Faß­mann Bil­dungs­mi­nis­ter (ÖVP)

In Ös­ter­reich gibt es ei­ne neun­jäh­ri­ge Schul­pflicht. Wer un­ent­schul­digt fern­bleibt, des­sen El­tern wer­den von der Schul­lei­tung an­ge­zeigt

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